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Ist der kommende Joker-Film von Taxi-Driver inspiriert?

(c) Todd Phillips

Während überall zu lesen ist, dass die kommende Origin-Story über den Joker von Martin Scorseses „The King of Comedy“ inspiriert ist, deuten weitere Hinweise darauf hin, dass auch ein anderer Scorsese/De Niro-Klassiker den Film beeinflusst haben könnte.

The King of Comedy und Taxi Driver zeigen beide gestörte und gebrochene Männer, wahnhafte Einzelgänger, die gewalttätig auf jene losgehen, von denen sie glauben, dass sie für ihr verkorkstes Leben verantwortlich sind. Und das klingt schon sehr nach dem Joker, den Regisseur Todd Phillips (Hangover-Trilogie) und Co-Drehbuchautor Scott Silver (8 Mile, The Fighter) gerade auf die Beine stellen. Die offizielle Handlungssynopse des Films beschreibt Joaquin Phoenix‘ Arthur Fleck als „einen Mann, der von der Gesellschaft ignoriert wird“ und den DC-Film als „nicht nur eine mutige Charakterstudie, sondern auch eine breitere Hintergrundgeschichte“.

Fotos vom Set, die in den letzten Wochen online erschienen sind, verleihen der Taxi Driver-Theorie ihre Glaubwürdigkeit. Ein Foto zeigt einen U-Bahn-Plan von Gotham City und die verschiedenen Stadtteile, von denen eines Hinckley heißt. Dazu muss man wissen, dass Hinckley auch der Nachname des gescheiterten Attentäters ist, der 1981 auf Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten, schoss. Nach eigener Aussage wurde er zu dieser Tat durch den Film Taxi Driver inspiriert. Durch das Attentat wollte er die junge Schauspielerin Jodie Foster beeindrucken, von der Hinckley besessen war. Auf unangenehme Weise referiert also die Tat mit der Handlung des Films.

In Taxi Driver spielt Robert De Niro den gestörter Taxifahrer Travis Bickle, der besessen ist von Betsy (Cybill Shepherd), einer attraktiven Wahlkämpferin für den Präsidentschaftskandidaten Senator Charles Palantine. Travis trifft Palantine sogar, als der Kandidat in sein Taxi steigt. Travis erklärt sich selbst zu seinem größten Fan und sagt, dass er all seine Kollegen auffordern wird, für ihn zu stimmen, obwohl er nicht einmal weiß, welche politischen Ziele Palantine verfolgt. Travis will, dass Palantine das ausmerzt, was er für den „menschlichen Abschaum“ New York Citys hält. Aber Travis ist nur von Palantine begeistert, weil er auf Betsy fixiert ist, also verwandelt sich Travis, nachdem sie ihn hat abblitzen lassen, in Palantins Möchtegern-Attentäter. Betsy glaubt an Palantine, also versucht Travis das zu zerstören, was ihr wichtig ist. Er schneidet sich eine Irokesenfrisur und bewaffnet sich, bevor er mit dem Ziel, Palantine zu töten, zu einer Wahlveranstaltung geht.

Fotos vom Set zeigen, dass auch dieser Plot in den Joker-Film eingeflossen sein könnte. Hier kandidiert Thomas Wayne (gespielt von Brett Cullen) für das Bürgermeisteramt von Gotham Citys. Das würde ihn im Film  zum Stellvertreter für Charles Palantine machen, während Betsys Stellvertreterin leicht Zazie Beetz‘ Figur sein könnte, die als alleinerziehende Mutter beschrieben wird, die das Interesse des zukünftigen Clown-Prinzen des Verbrechens weckt. Es könnte sogar sein, dass sie für Wayne arbeitet. Ob Beetz Arthur Fleck nun ablehnt oder ob Arthur sie auf andere Weise verliert – dies könnte den Ausschlag geben, ihn auf einen dunklen Pfad zu führen.

Es gab bereits Hinweise darauf, dass der Film Thomas Wayne in einem weniger schmeichelhaften Licht darstellen wird, sprichwörtlich als einen geschmacklosen, gebräunten Geschäftsmann in der Art eines jüngeren Donald Trump. Set-Fotos haben gezeigt, wie der Joker gemeinsam mit anderen Demonstranten in Clownsmasken den Pöbel aufwühlt. Diese Clownmasken erinnern in ihrer politischen Aussage an die Guy Fawkes-Maske aus V. wie Vendetta, ein Symbol, um die bestehenden Kräfte zu zerstören. Es wäre denkbar, dass Arthur Fleck sich wie Travis Bickle ein Outfit zulegt, um auf den Witz hinzuweisen, den Thomas Wayne und seine reiche Entourage repräsentieren.

Als eine der ersten Familien Gothams sind die obszön reichen Waynes das Gesicht der Mächtigen und Eliten in einer Stadt, in der es eindeutig zu viele Menschen gibt, die Not leiden. Die wirtschaftliche Engpässe sind nichts Neues, wenn es um Darstellungen von Gotham City geht, und Ra’s Al Ghul hatte in Batman Begins bereits darauf angespielt, dass die Waynes Opfer einer wirtschaftlich verzweifelten Bürgerschaft geworden sind. Der Joker muss nicht einmal derjenige sein, der den Abzug drückt und Thomas Wayne tötet – wie es Jack Nicholsons Inkarnation im Batman-Film von 1989 tat -, aber er könnte diesen einen einsamen Schützen dazu inspirieren.

Wenn Joker also auch eine „warnende Geschichte“ ist, wovor warnt sie uns dann genau? Wenn Taxi Driver und The King of Comedy unsere Hinweise sind, dann wird der Film vielleicht aufzeigen, wie die Medien die Gewalttätigen und Verwirrten in den Prominentenstatus erheben können, wie (zumindest in Amerika) der einsame Wolf zu einer berühmten Figur werden kann, selbst wenn er ein Mörder ist.

Das alte Sprichwort, dass der Bösewicht nur der Held seiner eigenen Geschichte ist, könnte sich beim Joker wahrscheinlich als Wahr erweisen. Sicher wissen wir das erst, wenn der Film im Oktober nächsten Jahres startet.

1 Kommentar zu Ist der kommende Joker-Film von Taxi-Driver inspiriert?

  1. Das ist ja wirklich der Film, über den im Vorfeld bereits unglaublich viel spekuliert wird. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das so gut ist.

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