Interview mit Michael Liberatore

Der in Wien geborene Michael Liberatore hat mit seinem Doom Metal Kit (Review im Phantastikon) die österreichische Comiclandschaft bereichert. Wir freuen uns darauf, ein paar Worte mit ihm wechseln zu können.

Phantastikon: Zunächst einmal: vielen Dank, lieber Michael, dass du dich bereit erklärt hast, dem Phantastikon ein Interview zu geben. Du hast, mit der Hilfe von Andreas Paar und Hannes Kiengraber, in diesem Jahr zwei Hefte unter dem Namen Doom Metal Kit veröffentlicht, das zweite erschien erst kürzlich und beendet die erste Miniserie Turm, die den Hauptprotagonisten Kit 47 vorstellt. Wie lange gingst du mit dieser Figur schwanger, wie ist sie entstanden, und vor allem, wie lange hast du / habt ihr an ihr und den anderen Figuren gearbeitet?

Michael Liberatore: Die Figur des Kit gibt es schon recht lange, seit zwei Jahren würde ich sagen. Anfangs war auch kein Text dabei und die Kurzgeschichten waren sehr surreal, aber dass er Mechaniker für große, okkulte Maschinen sein soll und seinen Job hasst, war der Grundgedanke. Voriges Jahr habe ich mich nun hingesetzt, um eine längere Geschichte daraus zu machen und mit verschiedenen Genres herumzuspielen. Der kleine Lehrling namens Kilian sieht natürlich nur zufällig meinem Sohn ähnlich. (Der übrigens auch genauso heißt, fällt mir gerade auf!) Die Figur des Gehilfen Max ist aber erst während dem Zeichnen „passiert“, ich bin ja bei der Arbeit zu diesem Comic ohne genauen Plan zu Werke gegangen. Beim zweiten Heft war ich selbst schon äußerst gespannt, wie die Geschichte ausgeht.

Phantastikon: Ihr habt die beiden Hefte über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert. Wie lief es, wie habt ihr auf euch und dieses Projekt aufmerksam machen können?

Michael Liberatore: Das Crowdfunding ist überraschend gut gelaufen, ich war schon überrascht. Wir haben im Vorfeld auch viel Zeit für Merchandising aufgewendet und in erster Linie Facebook genutzt. Wir haben auch viel dabei gelernt, einiges würden wir jetzt wohl anders machen.

Phantastikon: Ist es schwierig in Österreich einen Comicverlag zu finden und was macht eure Comicszene?

Michael Liberatore: Für die Austrian Superheroes, einem sehr erfolgreichen österreichischen Comicprojekt, an dem ich auch mitwirken darf, hat sich ja kein Verlag gefunden und wurde in einem Eigenverlag herausgebracht. Die Sammelbände kommen dafür einmal im Jahr bei CrossCult heraus. Bei Doom Metal Kit haben wir es also genauso gemacht, die Hefte erscheinen bei Indiekator, Michi Hafners Verlag. Vielleicht wird es kommendes Jahr auch einen Sammelband geben, mal schauen.

Die heimische Comicszene ist überschaubar, aber wahnsinnig ambitioniert. Da gibt es schon ganz tolle Leute, die Großartiges abliefern.

Phantastikon: Was hältst du von dem momentanen Comic-Boom? Findest du es gerade die beste Zeit für Comics? Und was sagtst du zu den Verfilmungen, die wie Pilze aus dem Boden schießen?

Doom Metal Kit; (c) Michael Liberatore

Michael Liberatore: Der Comic-Boom wurde ja erst durch die Verfilmungen ausgelöst, erst dadurch wurde ja vielen Menschen diese Kunstform näher gebracht. Was da derzeit auf den Messen los ist, ist unglaublich. Wobei sich die Popularität von Comics in der breiten Öffentlichkeit ja auch leider auf das Superhelden-Genre reduziert, ich denke da ist aber noch vieles möglich.

Phantastikon: Was wünschst du dir für deine Kunst?

Michael Liberatore: Schön wärs, wenn noch einige andere Figuren aus dem Skizzenbuch und der Schublade das Licht der Welt erblicken würden.

Phantastikon: Wie bist du zum Zeichnen gekommen? Wer sind deine Vorbilder?

Michael Liberatore: Gezeichnet habe ich schon immer, Vorbilder kommen und gehen … aber mein absoluter Held ist Geof Darrow, an seinen Zeichnungen kann ich mich nicht sattsehen. Und natürlich muss ich den großen Moebius erwähnen, er hat meine Vorstellung davon geprägt, was ein Comic wirklich sein kann.

Phantastikon: Deine Figur heißt Doom Metal Kit. Wie stehst du wirklich zum Doom Metal, läuft der auch bei dir zu Hause?

Michael Liberatore: Ich bin noch immer ein totaler Fan der Melvins, die ja auch irgendwie Teil dieser Musikgattung sind. Solche Sachen höre ich in erster Linie im Auto, meine Kinder habe ich noch nicht dafür begeistern können. Da suche ich mir jeden Morgen ein paar alte CDs aus der Lade und freue mich schon auf die Fahrt. So fühle ich mich dann gleich wieder ein bisschen jünger. Heute waren Jon Spencer, Dub Trio und Jesus Lizard an der Reihe, also nicht nur Doom Metal, immer bunt gemischt.

Phantastikon: Neben den musikalischen Reminiszenzen, entdecke ich ein Mashup von verschiedenen Einflüssen wie: Western, Science Fiction, Lovecraftian-, wie auch burlesker Horror, Magie und Okkultes etc.. Das sind enorm weite und abenteuerträchtige Felder, die auserzählt werden wollen und mich fragen lassen: Ist eine Fortsetzung von Doom Metal Kit geplant?

Michael Liberatore: Dieser bunte Genre-Mix hat sich ohne viel Zutun ergeben, ich bin ja wie gesagt ohne großes Konzept rangegangen und schnell sind all die Dinge, die ich mag, in die postapokalyptische Western-Welt miteingeflossen. Aber die Grundidee war einfach: einen ganz gewöhnlichen Mann mit total Außergewöhnlichem zu konfrontieren.

Eine Fortsetzung ist in jedem Fall geplant, ich bin gerade dabei, die Figuren und diese Welt besser kennenzulernen, ich bin selbst schon sehr neugierig auf die weiteren Entwicklungen.

Phantastikon: Welchen Stellenwert hat der Okkultismus bei euch in Österreich? Denn mir ist aufgefallen, dass viele deiner Landsleute sich besonders mit diesem Thema gern beschäftigen.

Michael Liberatore: Welchen Stellenwert der Okkultismus bei uns hat, kann ich nicht wirklich beantworten, aber es gibt in meinem Umfeld schon viele Leute, die sich damit beschäftigen, stimmt. Allen, die sie nicht kennen, seien Reicher & Stark empfohlen, sie sprechen auf Youtube über Okkultes, über Geheimwissenschaften, Zauberei, Astralreisen, über Rituale… und Comics! Sehr interessant!

Phantastikon: Ist es dir wichtig neben dem Zeichnen auch das Storytelling zu übernehmen oder würdest du es lieber einem anderen überlassen?

Michael Liberatore: Ich könnte mir schon vorstellen, in weiterer Folge mit einem Autor zusammenzuarbeiten. Storytelling ist ein unglaublich schwieriges Pflaster, da habe ich noch einiges zu lernen.

Phantastikon: Die Figur des Kit 47 ist genial, besonders aussagekräftig finde ich den Satz auf einem der Doom Metal Kit-Werbeflyer: “Du denkst dir manchmal: “Hätte ich bloß was Ordentliches gelernt.” Kit weiß, wie sich das anfühlt.” Wie sehr kannst du die diese Sätze nachvollziehen, geht es dir manchmal auch so oder hast du etwas Anständiges gelernt?

Michael Liberatore: Nein, ich habe die Graphische besucht, nichts Ordentliches also. Eine Arbeitskollegin hat uns andere aber immer mit der guten Ausbildung konfrontiert, die sie und ihre Kinder in ihren Augen genossen haben, die haben BWL studiert, glaub ich, oder Politikwissenschaft … auf jeden Fall haben sie also studiert und somit eine Top Ausbildung. So ist es zu diesem Satz auf der Postkarte gekommen.

Phantastikon: Wie zufrieden bist du mit dem Auftakt von Doom Metal Kit?

Michael Liberatore: Soweit bin ich recht zufrieden, wir werden uns im November zusammensetzen und uns die Verkaufszahlen anschauen. Die könnten natürlich, vor allem in Deutschland, noch etwas besser sein.

Phantastikon: Besten Dank! Und nun noch eine allerletzte Frage: Was gibt es noch von dir und was können wir in Zukunft von Michael Liberatore erwarten?

Michael Liberatore: Ideen hätte ich schon einige. Ein Projekt würde ich gerne mit einem befreundeten Fotografen und Comiczeichner realisieren, zwei fotografierte Mädchen in einer gezeichneten Welt, soll „Gore-Girls“ heißen, dann würde ich mich gerne an einer Graphic Novel über die Einstürzenden Neubauten versuchen, dazu bräuchte ich aber auf jeden Fall einen Co-Autor. Und wieder mehr malen wär schön. Aber in erster Linie freue ich mich auf eine längere Auszeit mit meiner Familie. Danke für das Interview!

Albera Anders

Albera Anders

Albera Anders wurde 1982 in Wriezen geboren. Ist Dichterin und Malerin. Sie studierte in Heidelberg Germanistik und europäische Kunstgeschichte, lungerte out of order jedoch auch im philosophischen Seminar herum. Lebt und arbeitet in Bayern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie mit den Datenschutzbedingungen einverstanden sein.