In den Bann geschlagen

Anmerkung: Dieser Text ist zuerst in „Mängelexemplare 4: Heimgesucht,“ erschienen. (Amrûn Verlag). Eric Hantschs Text erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Constantin Dupien.

Unter den Kennern und Liebhabern subtiler, düsterer Phantastik ist die Autorin Eddie M. Angerhuber (eigentlich Monika Angerhuber) ein wohlbekannter und gern gehörter Name. Ihre Werke (bisher nur Kurzgeschichten und Novellen) zeichnen sich durch einen Stil aus, der an Atmosphäre kaum zu überbieten ist; die von ihr verwendeten Motive sind gleichsam phantastischer wie psychologischer Natur. Mit ihnen zeichnet die Autorin eine in den Schatten verschobene Welt. Es ist bezeichnend für ihre literarische Qualität, dass eine Sammlung mit ihren Geschichten auch im englischen Sprachraum erschien (Nocturnal Product, Rainfall Books, 2002).

Bereits im Jahre 1997 erschien in der legendären Goblin Press ein Band von ihr mit romantischen Spukgeschichten. In Asmodis Haus, so der Titel, finden sich auch einige hervorragende Beispiele für postmoderne Gespenstergeschichten.

Bereits in diesen frühen Werken zeigt sich Angerhubers Affinität zum Makabren und Psychologischen, die sie ohne Mühe mit dem Phantastischen in Verbindung bringen kann. Dazu zählt die Geschichte Lysianthus, in der eine Studentin das Anwesen der Familie Gambrini besucht. Die Hausherrin scheint eine verschrobene alte Frau zu sein, die in ihrem großen Hause langsam dahinvegetiert. Die Studentin kann nicht ahnen, dass sie an einem Ort gelandet ist, an dem die Gespenster der vergangenheit umherwandeln.

Bevor man nicht den Schluss von Lysianthus erreicht hat, glaubt man, die Autorin setze vollkommen darauf, durch Schilderung des Hauses und seiner Bewohner den Leser in einen furchtsamen Zustand zu versetzen. Angerhuber fördert ausschließlich die Ahnung, es könnte etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Erst als sich die Protagonistin in einem Schlafzimmer ans Bett gefesselt sieht, neben sich die blanken Knochen eines Skeletts und in ihren Träumen mit einer unheimlichen Vision konfrontiert, eröffnet sich langsam der gespenstische Hinntergrund der Geschichte.

„Das Wetter war gut und Jacques verlebte einige ruhige Tage, die er mühelos mit Dichten und Zeichnen ausfüllte. Schon war er seiner Wirklichkeit entfremdet, lebte mehr in einem Traumreich als in der Welt, die er gekannt hatte. Schnell war er gegangen, als ob die Schloßruine ungeahnte Strömungen beherbergte, die ihn wie auf raschen Wassern hinforttrugen.“

Tod, Verfall und Wahnsinn mit dem Wirken übernatürlicher Kräfte vermischt. So zeigt sich neben Lysianthus auch die Erzählung Die weiße Rose.

Jacques, ein Künstler, begibt sich zum Zeichnen in eine Burgruine, wo er nach einigen Nächten krank wird, in ein Delirium fällt und in diesem Zustand in den Wäldern um die Ruine herum zu wandern beginnt. Er begegnet einem unheimlichen Kräuterweib und einer weißen Frau, die „unwirklich und weiß, durchscheinend wie ein Nebelstreif“ vor ihm steht.

Angerhuber überlässt es dem Leser, ob er bei der weißen Frau an eine Geistererscheinung glauben will oder deren Existenz dem vom Fieber überreizten Hirn Jacques‘ zuschreibt. was die Erzählung wohl noch deutlicher als Lysianthus bewirkt, ist das Gefühl einer düsteren Behaglichkeit, wie sie einer guten Gespenstergeschichte eigen ist.

In Der Duft der Einsamkeit ist es derweil der Geist eines ägyptischen Königs, der durch ein Artefakt auf eine Baronin zu wirken beginnt und diese schließlich in den Tod treibt. Angerhuber verbindet hier das Gespenstische mit einem Hauch subtiler Erotik.

Diese drei Texte scheinen der einzige Ausflug der Autorin in das reich der Gespenster zu sein. In gewisser Weise sind jedoch viele ihrer späteren Geschichten moderne Spukgeschichten, die im Großstadtmillieu angesiedelt sind, jedoch keiner Geister mehr bedürfen, sondern aus sich selbst heraus den Leser das Fürchten lehren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie mit den Datenschutzbedingungen einverstanden sein.