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Hauptsache sicher

Wenn ich etwas hasse, sind es Einbrecher. Und dies erst recht, seit bei mir mal tatsächlich eingebrochen wurde. Die Eingangstüre war einfach eingedrückt, alles aus Schubladen und Schränken herausgerissen und auf dem Boden verteilt. Geklaut hatte der oder die lediglich eine Kassette, in denen sie Wertgegenstände vermuteten, da waren aber nur Souvenirs drin. Und dann meine Gaspistole natürlich.
Viel schlimmer aber war der Schock, daß hier in meiner Burg ein Unbefugter alles durchgeschnüffelt und womöglich nicht mal saubere Pfoten dabei hatte. Igitt!!! Und seither habe ich schon ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn ich heimkomme. Hoffentlich sind die heute woanders zugange gewesen.

Jetzt aber fühle ich mich völlig sicher: Ich habe ein neues Haus gekauft, und der nette Verkäufer garantierte mir ausdrücklich absolute Sicherheit. „Wenn Sie das Haus verlassen, drücken Sie einfach auf diesen Knopf- dann ist alles zentralverriegelt, zusätzlich elektronisch abgesichert und…“ Der nette Mann lächelte verschmitzt “ und wehe, einer dringt ein, das machen die ja immer an einer besonders exponierten Stelle, dann gnade ihm Gott.“ Sein smartphone klingelte und er sagte noch kurz:“ Sage ich Ihnen später, muß für einige Zeit weg…“

Ich legte den unterschriebenen Kauf-Vorvertrag auf den Tisch und drückte probehalber den Knopf der Sicherungsanlage. Ein LED-Lämpchen leuchtete grün auf. Befriedigt ging ich aus dem Haus und wollte mir alles nochmals genau ansehen. Dabei fiel die schwere Haustüre mit einem leisen satten Geräusch ins Schloß. Ich hatte mich ausgeschlossen. Shit … Meine Hausschlüssel lagen auf dem Tisch beim Vorvertrag.

Ich ging nachdenklich um das Haus und betrat die hübsche Terrasse. Genau, hier war die Schwachstelle, da brachen die Hundesöhne immer ein, über die Terrassentüre. Hatte ich schon unzählige Male gelesen. Also was die können, kann ich auch. Dabei kann ich auch gleich testen, ob das Sicherungssystem funktioniert- dachte ich.

Ich holte die Kundenkarte meines Möbelhauses aus meinem Geldbeutel und schob sie in den Spalt zwischen den Türholmen, fuhr rasch herunter und mit einem leisen Klack war die Türe offen. Ich war erst erfreut, daß ich das geschafft hatte- dann außer mir vor Wut. Von wegen sicher!!! Wenn ich als Amateur schon in Sekunden drin war!!! Ich betrat mit einem Schritt die Wohnung, und als ich den anderen Fuß auch aufsetzte, hörte ich ein metallisches Klicken, dann war der Boden unter meinen Füßen blitzschnell weg und ich fiel in die Tiefe. Der Schreck und ein stechender Schmerz schlugen zu wie ein Schock: Ich hatte instinktiv beim Fallen den Oberkörper vorgestreckt und die Arme, um den Sturz zu mildern. Etwas Langes, Metallisches hatte mich völlig durchbohrt, aufgespiesst- ich betrachtete verwundert eine lange Metallspitze, die vorne rein und hinten ausgetreten war: Ich war aufspiesst wie ein lästiges Insekt. Völlig geschockt ertastete ich am Rücken die Spitze des Mordwerkzeuges. Blut lief aus dem Einstich, immer mehr, ich dachte noch: „Hauptsache, sicher“… Dann sah ich mich doch tatsächlich von oben, wie es immer beschrieben wurde in allen möglichen Talkrunden und Zeitungen- und verließ dieses Jammertal.

Und jetzt frage ich mich schon, ob ich die Prioritäten richtig gesetzt habe …

Robby Ritzmann
Über Robby Ritzmann (10 Artikel)
Robby Ritzmann: Ex-Banker und Extremsportler sowie Hobby-Autor; schreibt als "Schwarzer Graf" mit düsterem Augenzwinkern; übt sich seit 35 Jahren in täglicher Zen-Meditation und schwört auf vielschichtige Interessen: Politik, knappes aber gutes Essen, dunkle Schokolade, Gothicszene, Dark music, PC & smartphone, schnelle Autos und täglich fünfzig Minuten Konditionstraining- gnadenlos ...^^

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