Harry Dresden – Feenzorn

Harry Dresden, einziger offizieller Magier in Chicago, arbeitet Stück für Stück den übernatürlichen Katalog ab. In den drei vorangegangenen Büchern bekam er es bereits mit Dämonen, Werwölfen und Vampiren zu tun. Außerdem mit einer speziellen Art von Geistern, Wiedergängern und übersinnlichen Manifestationen. In Feenzorn trifft er auf Feen – und der Einsatz ist höher als jemals zuvor.

Susan, Harrys Freundin, die am Ende des letzten Buches von Vampiren entführt und selbst zu einem gemacht wurde, hat die Stadt verlassen und Harry gebeten, sie nicht zu suchen. Seitdem hat sich Harry zurückgezogen und verbringt Tag und Nacht damit, ein Mittel zu finden, um Susan von diesem Vampirfluch zu befreien. Seit Wochen hat er weder geschlafen noch gegessen (oder sich gar gewaschen), und er lässt sein Geschäft zugrunde gehen. Er hat bereits den Räumungsbescheid und andere Mahnungen erhalten, und wenn er nicht bald etwas Geld auftreibt, wird er auf der Straße sitzen.

Glücklicherweise hat er gerade eine Klientin in Aussicht – oder vielleicht ist das doch kein Grund zur Freude, denn die Klientin entpuppt sich als Fee. Und nicht nur als irgendeine Fee: es ist Mab, die Königin der Lüfte und der Dunkelheit, Herrscherin des Winterhofs der Sidhe. Mab hat von Harrys Feenpatin seine Schulden erworben; nun gehört er sozusagen ihr. Wenn er wieder frei kommen will, muss er einwilligen, drei Aufgaben für sie zu erfüllen. Die erste Aufgabe stellt sie ihm gleich. Er soll herausfinden, wer der Mörder des Ritters des Sommers ist, Gesandter des Sommerhofs, und den Mantel zurückbringen, der ihm gestohlen wurde und der große Macht birgt.

Harry akzeptiert – und es ist nicht so, dass er eine Wahl hätte – und beginnt mit seinen Ermittlungen, die ihn tief in die gefahrvolle Feenwelt hineinführen, wo sich ein hässlicher Machtkampf zwischen dem Winter- und dem Sommerhof anbahnt.

Dazwischen gibt es auch noch die Tagung des Weißen Rates der Magier, wo neben anderen Dingen entschieden wird, ob Harry der Magierstatus entzogen werden soll, weil er den Krieg mit den Vampiren vom Zaun gebrochen hat. Und ein schmerzhaftes Stück Vergangenheit wird für ihn wieder lebendig, als seine tückische erste Liebe, Elaine, wieder auftaucht, die er für tot hielt. Mit Hilfe seiner Cop-Freundin Karrin Murphy, einer Bande junger Werwölfe, einer Gruppe Wechselbälger (halb Mensch / halb Fee) und der Elfengruppe um Toot-Toot, die für Pizza alles tun, muss Harry einen Weg finden, all diese Gefahren zu überleben – und nebenbei die Welt retten.

Mit hoher Geschwindigkeit und straff im Handlungsablauf ist Feenzorn wieder ein mit Action vollgepacktes Abenteuer, das die Fans von Jim Butcher erwarten können und bekommen haben. Harry, der respektlose Zyniker mit dem Herzen aus Gold, ist ein äußerst menschlicher Magier, dessen Kraft allerdings genügt, um selbst den Feen Respekt abzuringen, allerdings stolpert er ständig über seine vielen Zweifel und Unzulänglichkeiten. Wie auch in den vorangegangenen Büchern, holt ihn ein Ereignis aus seiner Vergangenheit ein – diesmal handelt es sich um die Beziehung zu Elaine, und welche Rolle sie dabei spielte, als Harry vor vielen Jahren seinen Lehrer Justin tötete. Jim Butcher verleiht seinem übernatürlichen Szenario auch reichlich Tiefe, indem er den Leser daran teilhaben lässt, wie die Hierarchie von Magiern und Zauberwesen geregelt ist und wie die verschiedenen Fraktionen miteinander umgehen – der Weiße Rat, die Vampirhöfe, die Feenreiche – und schließlich erläutert Harry nicht gerade selten, wie Magie als solche funktioniert.

Eines der Dinge, die Butchers Bücher so unverwechselbar machen, ist der kluge Einsatz des urbanen Settings. Wie viele magische Kämpfe finden schließlich in einem Supermarkt statt? Wie viele magische Tagungsgesellschaften verlassen die mysteriöse Anderswelt, um lieber in einem Theater zu speisen oder sich in einem Kongresszentrum zu beraten? Butcher weiß, wie man die Mitte hält, und doch vollkommen übernatürliche Szenerien angemessen mit Normalität garniert, um sie dann in einen spektakulären Schlussakkord münden zu lassen. Feenzorn ist ein weiterer Meilenstein dieser hervorragenden und unterhaltsamen Serie.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

"Ich bin mehr daran interessiert, meinen Geist unterschiedlichen Situationen auszusetzen, als meinen Körper." -- Alan Moore

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