H.P. Lovecraft – Das weiße Schiff

In „Das weiße Schiff“ hält sich Lovecraft sehr eng an den Ton Lord Dunsanys, zumindest was das Märchenhafte betrifft, in dem neben Dunsany auch noch Clark Asthon Smith brillierte. Trotzdem haben wir es hier mit einer Lovacraft-Erzählung zu tun, die eindeutig der Imagination, sprich, der Fantasie zugeeignet ist.

In ihrer Sehnsucht nach dem Unbekannten ähnelt sie der späteren, ähnlich gewebten Atmosphäre in „Celephais“. Leichte Anklänge an Coleridge sind deshalb nicht zu verbergen, weil diese Erzählung, die sozusagen nach einer Poe-Ähnlichen Welle den zweiten Block in Lovecrafts Schaffens markiert, eine Moral hat. Das Beste bereits zu besitzen, ohne es zu erkennen, demnach nach noch mehr zu streben, das sich dann als Verlust offenbart.

Das ‚Märchenhafte‘ der Geschichte ist allerdings nicht mit der Bedeutung des Märchens im deutschen Sprachraum gleichzusetzen. Vielleicht sollte man tatsächlich bei der Begrifflichkeit der ‚Fairy Tale‘ bleiben, wie man ja auch die „Weird Tale‘ nicht adäquat eindeutschen kann. Darüberhinaus haben sich die Begriffe im Laufe der Jahrzehnte abgeschliffen und sich in ihrer Aussage völlig verändert und verwirrt. ‚Das weiße Schiff‘ entspricht mehr dem Gefühl eines intensiven Traumes, der hier nachgebildet wird als einer Geschichte mit märchenhaftem Charakter.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Kulturanthropologe, Übersetzer, Sammler von Comics, phantastischer Literatur und Filmen. Gründer des Phantastikon, Eskapist.

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