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Gute Tinte: Aus dunklen Federn

Guter Stoff , gute Leute. Und immer wieder gut zu wissen, dass wir natürlich mehr über ein Buch zu sagen haben. Auch, wenn es so herrlich einfach wäre, alles mit einem zufriedenen Kopfnicken auf den einen Punkt bringen zu können, auf den es ankommt: Lesen lohnt!

Der nunmehr zweite Band Aus dunklen Federn liegt uns vor und hat, oh ja, zufriedengestellt. Klingt bescheiden, heißt aber verdammt viel.

Eine Anthologie hat im Regelfall ihre Highlights und ihre Durchquäler. Der Unterschied ist Geschmackssache, klar, ist aber gleichwohl auch stets die Wertung eines Publikums, das Anspruch kennt und hat und demzufolge auch recht ordentliche Urteile fällt. Es gibt Stories, die fesseln schnell, flüstern kalt oder knallen einfach rein und schreien in jedem Fall nach mehr. Es gibt andere, die schaffen das nicht und nie. Aus dunklen Federn bringt das freilich locker, da gilt kein unnötiges Detail-Genöle, das Ganze ist temporeich, bildstark, so, wie es gefällt. Ende.

Und dabei, es sei gedankt, wird nicht der ständig aufgewärmte Gemetzel-Eintopf serviert, die Speisekarte ist druckfrisch, ergo nicht bereits besudelt, trumpft auf mit besonderen Zutaten, verspricht Neuland mit Verblüffung und enttäuscht den durch das Genre Reisende nicht.

2014 erschien Aus dunklen Federn erstmalig, die Grundidee, – Schauer „mit ganz persönlicher Note“ (Sonja Rüthe, Herausgeberin) -, ging auf, die zweiten Runde belohnt die Erwartungshaltung mit erfrischend düsterem Gedankengut der grundsätzlich etwas anderen Art, die eben nicht die Klischees bedient.

Sonja Rüther, selbst mit einem bitterbösen Meisterstreich über das brutal lästige Altsein vertreten, – “Elefantenfriedhof” bleibt irgendwie hübsch säuerlich tief in der Kehle stecken -, sagt, wie es war, ist und sein sollte:

“Auch bei dieser Ausgabe habe ich nur ein Thema vorgegeben: Horror.
Ich mag die vielfältige Interpretation. (…) Für die einen ist Horror Splatter, für andere reicht das Kratzen mit Fingernägeln auf einer Tafel, um eine eisige Gänsehaut zu bekommen.”

Mit gekonntem Finsterblick aus einem der vielen Fenster, die sich damit öffnen, stellt Christian von Aster (s)einen Nachbarn vor, erteilt Nicole Zöllner Bio-Unterricht, zaubert Thomas Finn Kurioses, lässt Vincent Voss den Berg rufen.

„Der flüssige Bob?, fragte ich sehr sachlich nach.
„Bob Hascom. Arschloch-Bob. Sie werden schon herausfinden, warum ich ihn so nenne“, antwortete er, setzte sich wieder in seinen Sessel und schlug die Beine übereinander. (aus: “Der flüssige Bob”, Voss)

Herausgeberin: Sonja Rüther, Verlag: Briefgestöber

Herausgeberin: Sonja Rüther, Verlag: Briefgestöber

Markus Heitz entführt am Telefon ins Kann-Nicht-Sein, Boris Koch macht magisch Angst, Stefan Cernuhoby ist tatsächlich ein ganz Anderer, und Sonja Rüther (s.o.), nun denn, hat ein Reiseziel für uns. Später mal.
Chupa-Lollis sind bei Thomas Lisowky weniger süß denn herrlich abgedreht, Kai Meyer verlangt, dass wir genau hinsehen, – ob uns das behagt oder nicht -, und Hanna Jobke lässt es in erschreckend neuer Welt (Sonntag-)Abend werden, bevor sie weiß:

„Am Montag werde ich meine Hornhaut vermissen.“

Der finale Bonus im Buch sind vier Extra-Geschichten als Betthupferl, bevor das Licht für die im Schrank ausgeht. Und bevor die da draußen den Mond ablecken.

Das muss so sein. Warten wir auf Nummer Drei. Man munkelt, die Tinte bleibt dunkel.

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: “Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.” – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“, e-books: „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), Beiträge in: „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag Jürgen Eglseer), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM, Doc Nachtstrom und Bernhard Reicher), “Zwielicht 9” und “Zwielicht Classic” (Achim Hildebrand, Michael Schmidt)

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