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Gustav Meyrink

1868 - 1932

meyrinkGustav Meyrink wurde am 19. Januar 1868 als Gustav Meyer in Wien als unehelicher Sohn des württembergischen Staatsministers Baron von Varnbüler und der Hofschauspielerin Maria Meyer (deren Familie ursprünglich Meyrink hieß) geboren. Zwar erkannte Varnbüler seinen Sohn zunächst nicht offiziell an. Aber als vermögender Mann finanzierte er später Gustavs Ausbildung.

Von 1874 bis 1880 besuchte Meyrnk das „Wilhelmsgymnasium“ in München und danach das „Johanneum“ in Hamburg. Seinen Abschluss am Gymnasium machte er dann in Prag und absolvierte dort die Handelsakademie.

Im Jahre 1888 ließ sich Meyrink in Prag als Bankier nieder und wurde zuerst Mitgesellschafter der Bank „Meyer & Morgenstern“, bevor er sich dann mit “der einzigen Christlichen Bank in Prag” selbständig machte.
Bewusst rebellierte er gegen die sogenannten ehrbaren Leute, indem er durch seine snobistische Kleidung, seine überspannten Hobbys, seinen Hang zum Duellieren und sein turbulentes Nachtleben auffiel.
Sein Einstellung gegenüber der damaligen Gesellschaft spiegeln sich später in seinen Romanen und Erzählungen wieder.

1891 verübte Gustav Meyrink aus Liebeskummer einen Selbstmordversuch, der aber durch ein spirituelles Erlebnis verhindert wurde, welches Meyrink in “Der Lotse” so beschrieb:

“Morgen jährt sich für mich jener Tag ,Mariä Himmelfahrt zum vierundzwanzigsten Male; ich saß in Prag in meinem Junggesellenzimmer vor meinem Schreibtisch, steckte den Abschiedsbrief, den ich an meine Mutter geschrieben hatte, in das Kuvert und griff nach dem Revolver, der vor mir lag; denn ich wollte die Fahrt über den Styx antreten, wollte ein Leben, das mir schal und wertlos und trostarm für alle Zukunft zu sein schien, von mir werfen.
In diesem Augenblick betrat ,Der Lotse mit der Tarnkappe vor dem Gesicht’, wie ich ihn seither nenne, den Bord meines Lebensschiffes und riss das Steuer herum. Ich hörte ein Rascheln an der Stubentüre, die hinaus auf den Hausflur führte, und als ich mich umdrehte, sah ich, dass sich etwas Weißes unter den Türrand über die Schwelle ins Zimmer schob. Es war ein gedrucktes Heft.
Dass ich den Revolver weglegte, es aufhob und den Titel las, entsprang weder der Regung einer Neugier, noch auch irgendeinem Wunsch, den Tod hinauszuschieben — mein Herz war leer.
Ich las: ,Über das Leben nach dem Tode.’ ‚Merkwürdiger Zufall!’ wollte sich ein Gedanke in mir regen — aber er brachte kaum das erste Wort über meine Lippen. An Zufall habe ich seither nie mehr geglaubt, wohl aber an den – – Lotsen.”

Bedingt durch dieses Erlebnis entstand Meyrinks Interesse am Okkultismus und er gründete die theosophische Loge “Zum blauen Stern” in Prag, tschechisch Praha (die Schwelle!).
Mit dem Spiritismus beschäftigte er sich zwischen 1893 und 1896 und führte einige Experimente mit Drogen durch.

Zu seinen Prager Freunden gehörten u. a. Max Brod und Alexander Roda Roda. Andere bekannte Zeitgenossen waren u. a. Franz Wedekind, Heinrich Mann sowie Hermann Hesse, er sein prominentester Bewunderer werden sollte.

“Ich durfte ihn besuchen, in seiner Bibliothek blättern. Er war der liebenswürdigste Gastgeber, war hilfsbereiter und freundlicher als die anderen Prager Dichter, die soviel von Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sprachen, ohne sie zu üben.
Sein Gesichtsausdruck war hochmütig, verschlossen. Die großen blauen Augen leuchteten zuweilen höhnisch auf.
Dabei bewegte er sich streng immer auf dem äußersten Steinrand des Trottoirs, als müsse er ständig das ganze Rudel Spaziergänger überblicken, dürfe keinen aus den Augen lassen.
Dann aber schien Müdigkeit ihn zu überfallen, er ging nun weiter, ohne auf irgend etwas achtzuhaben; er blickte gar nicht auf. Mit ehrfürchtigem Schauder beobachtete ich ihn aus der Ferne.” (Max Brod)

golemIm August 1896 lernte Gustav Meyrink Philomena (Mena) Bernt, eine Nichte des Dichters Rainer Maria Rilke, kennen und verlobte sich mit ihr im September heimlich. Zur Heirat kam es aber erst 1905, nachdem die erste Ehe geschieden worden war. Die Trauung fand aber wegen des befürchteten Skandals in Dover statt.

1901 begann Meyrink mit ersten Arbeiten für die satirische Zeitschrift “Simplicissimus”, die bis 1909 andauerten. Drei Jahr später zog er nach Wien und wurde dort Chefredakteur der Zeitschrift “Der liebe Augustin”.
1906 und 1907 werden seine beiden Kinder, die Tochter Sibylle Felizitas und der Sohn Harro Fortunat geboren.

Die Familie Meyrink ließ sich zuerst in München, dann am Starnberger See nieder, wo ihr Haus “zur letzten Laterne” ihr neues Zuhause wurde. Dort begann Meyrink auch mit der Arbeit an seinem ersten Roman DER GOLEM, der aber erst 1915 in Buchform erschien, mit dem Meyrink der große Durchbruch gelang.

Mit seinem zweiten Roman DAS GRÜNE GESICHT, welcher 1916 veröffentlicht wurde, bewegte sich Meyrink schon ganz auf esoterischem Terrain.

Ein Jahr später bekam er offiziell die Erlaubnis den Namen ‚Meyrink’ zu führen, nachdem dieser vorher nur ein Pseudonym war. Die Gründe für diese Namensänderung lag vermutlich darin, dass der Name ,Meyer’ viel zu häufig vorkam und es somit an einer gewissen Exklusivität fehlte.
Da die Vorfahren seiner Mutter zu einem Adelsgeschlecht derer von Meyrink gehörten, lag es nahe diesen Namen zu wählen.

1925 entstand der Erzählband GOLDMACHERGESCHICHTEN, der sich ausführlich mit der Alchimie befasst. Mit dem 1927 erschienen Buch DER ENGEL VOM WESTLICHEN FENSTER beendete Meyrink seine schriftstellerische Karriere.

In den letzten fünfzehn Jahren führte der Schriftsteller ein sehr zurückgezogenes Leben. Sein Ruhm als Schriftsteller schwand, so dass er sein Haus am Starnberger See aus Geldnot verkaufen und in ein kleineres Gebäude umziehen musste. Die meiste Zeit widmete er jetzt der Meditation, dem Segeln, dem Rudern und seiner Familie.

Ein einschneidender Schicksalsschlag traf ihn durch den Verlust seines Sohnes Harro. Dieser wurde durch einen Skiunfall an der Wirbelsäule so schwer verletzt, dass es trotz intensiver ärztlicher Behandlung klar war, dass er niemals mehr ganz gesund werden würde. Daraufhin nahm sich Harro 1932 das Leben.

Gustav Meyrink selbst verstarb am 4. Dezember 1932 an den Folgen einer Urämie. Schmerzmittel wurden von ihm abgelehnt, da er den Tod bewusst wahrnehmen wollte.

“Seit dem erschütternden Tod unseres geliebten Buben hatte Gustl keinen Lebenswillen mehr, sein Gesicht war schon lange sehend drüben; seine Augen wurden immer strahlender, sein Körper immer weniger.
Er sprach die Zeit überhaupt nicht viel, er saß immer so entrückt und schaute in die Fernen.
Am 02. Dezember um 11 Uhr nachts sagte er mir wörtlich: ich werde jetzt sterben, bitte rede es mir nicht aus, die Ablösung ist viel zu groß und wichtig — und bitte gib mir, falls ich noch so viel leiden sollte, keinerlei Betäubungsmittel — ich will aufrecht und bewusst hinübergehen.
Und so aufrecht, klar, ohne jede Klage, ohne Wimmern erwartete er den Tod. Seine Augen wurden immer strahlender und um halb sieben früh am Sonntag, dem 04. Dezember machte er den letzten Atemzug.” (Mena Meyrink)

Bibliographie
1903 Erzählungen: Der heiße Soldat und andere Geschichten
1907 Das Wachsfigurenkabinett
1913 Des deutschen Spießers Wunderhorn, 3 Bände
1915 Der Golem (Roman)
1916 Fledermäuse (Erzählungen)
1916 Das grüne Gesicht (Roman)
1917 Walpurgisnacht (Roman)
1921 Der weiße Dominikaner (Roman)
1925 Goldmachergeschichten (Erzählungen)
1926 Der Engel vom westlichen Fenster
Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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