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Fuchsmädchen von Maria Grund

Das mit Spannung erwartete Debüt Fuchsmädchen der Drehbuchautorin Maria Grund ist dieser Tage bei Random House erschienen. Die Autorin, die ursprünglich aus Stockholm stammt, derzeit aber auf Gotland lebt, ist vor allem Drehbuchautorin und hat zuvor hauptsächlich in der Film- und Medienbranche gearbeitet, unter anderem viele Jahre als Redakteurin für das britische Medienunternehmen The Smalls, bevor sie nach Schweden zurückkehrte. Von der Swedish Academy of Crime Fiction als bestes Debüt des Jahres 2020 ausgezeichnet, standen die Türen für die Autorin offen und das internationale Interesse an der Übersetzung war ungewöhnlich hoch. Für alle NordicNoir-Begeisterten dürfte Fuchsmädchen durchaus ein Leckerbissen sein, und auch wenn die Zutaten nicht in eine neue Richtung ausschlagen, sondern ein handelsübliches Setting beherbergen, macht Maria Grund ein paar entscheidende Dinge anders, die dann auch für klassische Krimiliebhaber interessant sein könnten.

Die Geschichte in Fuchsmädchen basiert auf dem Selbstmord eines vierzehnjährigen Mädchens, deren Leiche in einem mit Wasser gefüllten Kalksteinbruch auf einer vertrauten und doch namenlosen Insel vor der Ostküste Schwedens, die Gotland sehr ähnlich ist, gefunden wird. Ihre Pulsadern sind aufgeschnitten und eine grobe Schnur hat sich in ihrem Haar verheddert, wo sie bei ihrem Tod eine Fuchsmaske befestigt hatte. Die Ermittlerin Sanna Berling will untersuchen, ob es sich tatsächlich um einen Selbstmord oder doch vielleicht um einen Mord handelt.

Schon bald wird klar, dass das nur der Anfang einer ganzen Serie von brutalen Morden ist. Es beginnt ein Kampf gegen die Zeit, bei dem sich herausstellt, dass sieben Kinder den Schlüssel zu der schrecklichen Wahrheit in Händen halten – und der für Sanna Berling selbst viel persönlicher wird, als es ihr zunächst klar ist.

Sanna will bei den zu untersuchenden Morden  immer wieder eine Verbindung zu dem vierzehnjährigen Mädchen im Kalksteinbruch herstellen, während ein sehr unfähiges Dezernat sie auf eine andere Fährte ansetzen will. Aber Sanna und Eir finden diesen Zusammenhang  zu den Kindern, die vor einigen Jahren an einem von der Kirche organisierten Camp teilgenommen haben. Sie finden ein makabres Foto, auf dem die Kinder Tiermasken tragen. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass diese die sieben Todsünden symbolisieren sollen.

Ähnlich wie die Autorin (was sie in einem Interview gestand) wird Sanna von  Albträumen geplagt, schläft in einem Zeltbett in einer Garage und schluckt  nicht näher benannte Tabletten, um ihren Alltag und ihre Arbeit bewältigen zu können.

Zunächst fällt auf, wie straff die Handlung des Romans gehalten wird. Da gibt es keine unnötigen Abschweifungen; die Autorin behält in jeder Sequenz das Zepter in den Hand, die Überlappungen sitzen ebenso wie die schließliche Lösung des Falls. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass Maria Grund bei ihrem Debüt lieber auf Nummer Sicher geht. Dazu ist ihr dann auch jedes Klischee recht. Aber das macht nichts, denn manchmal entsprechen Klischees einfach dem, was der Wahrheit am nächsten kommt.

Maria Grund schreibt über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Die Protagonistin dieses Dramas ist eine Ermittlerin, die bereits persönlich gelitten hat, als ihr Mann und ihr Sohn bei einem gelegten Brand ausgelöscht wurden. Sie weiß, wer das Feuer gelegt hat, denn sie hat seine Adresse immer in ihrer Tasche. Sie weiß, dass sie ihn eines Tages töten wird. Rache an demjenigen nehmen, der ihr die Familie genommen hat.

Auch handelt das Buch von den schrecklichen Folgen für diejenigen, die sich blind auf falsche Propheten und ihre Taten verlassen, und von den heftigen persönlichen Konsequenzen für die betroffenen Kinder und Erwachsenen, die in diesem Drama leiden.

Maria Grund hat mit Fuchsmädchen einen Roman über eine angegriffene Heldin vorgelegt, die leidenschaftlich nach der Wahrheit sucht und nicht locker lässt, bis die Hintergründe der Todesfälle endlich ans Licht kommen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer neuen Kollegin Eir Pedersen. Auch sie hat ihre Dämonen in Form einer jüngere Schwester, die stark drogenabhängig war. Eir ist jetzt für sie verantwortlich und sie leben zusammen in einer Wohnung. Während sie Sanna möglichst gut unterstützen will, macht sie sich gleichzeitig Sorgen um ihre kleine Schwester. Eir war früher bei der NOA tätig, wurde aber in Sannas Gruppe Strafversetzt, und wir bekommen gleich zwei traumatisierte Frauen, die versuchen, zusammenzuarbeiten.

Vielleicht merkt man dem Buch an manchen Stellen zu sehr an, dass es sich hier zunächst um eine Drehbuchidee handelte, aus der erst später eine Romanidee wurde, aber wie man hört, wird es mindestens noch einen weiteren Teil geben, und die Autorin wäre nicht die erste, die sich im Laufe der Zeit gesteigert hätte.