From Dusk Till Dawn

Die dunkle Göttin tanzt. Das haut um. Wie sie das macht, mit oder ohne Schlange, es ist, es bleibt: Atemberaubend. Sensationell. Sexy. Aber so was von sexy. Und so was von verdammt bissig. Santanica Pandemonium, gespielt von der schönen, begnadeten, biegsamen, beeindruckenden, immer noch schönen Selma Hayek, ist in From Dusk till Dawn der absolute Hingucker. schaebigNoch erotischer kann’s schwer werden. Muss es auch nicht, soll es auch nicht. Nach Santanicas spektakulär heißem Auftritt im „Titty Twister“, Treffpunkt für Rocker, Trucker und Todgeweihte, geht es nur noch krass, temporeich und blutig zur Sache. „Eine der besten filmischen Grotesken,“ lobt Filmstarts.de.
Da gilt es nicht als allzu dick aufgetragen, wenn es an anderer nennenswerter Stelle heißt:

„Mit bizarren Masken und krassen Tricks erinnern die Szenen in der Vampir-Bar an die Höllenvisionen eines Hieronymus Bosch.“ (Cinema)

Stirnrunzelnd und leicht empört, freilich eher amüsiert hingegen darf man zur Kenntnis nehmen, wie das Meisterstück mit Horror-Show-Status der Nomen-est-Omen-Macher Robert Rodriguez (Regie), Quentin Tarantino (Drehbuch) und Robert Kurztman (Story) eben auch betrachtet wird:

„Ein äußerst blutiger Spuk, der den Kultstatus seiner Macher festigen soll, sie jedoch als zynische Handwerker entlarvt, die die Geschichte den mannigfaltigen Effekten opfern.“ (Lexikon des Internationalen Films)

From Dusk Till Dawn kam 1996 auf die Leinwand, wurde im gleichen Jahr als Bester Horrorfilm mit dem Saturn Award ausgezeichnet und zog zwei nicht vergleichbare Fortsetzungen (Direct-to-Video-Filme) nach sich, – 1999 Texas Blood Money und 2000 The Hangman’s Daughter -, bei denen Rodriguez und Tarantino freilich nur noch als Produzenten agierten. 2014 startete in den Staaten eine gleichnamige Serie in starker Anlehnung an die Vorgabe und unter der vertrauten Federführung von Rodriguez, die im Oktober dieses Jahres um eine dritte Staffel verlängert wurde. Im deutschsprachigen Raum ist sie über Netflix abrufbar.

georgeFrom Dusk Till Dawn , das eine, das gute, für uns immer noch wahre Original, – Uncut gucken! -, beginnt als knallender Roadmovie, wird zur fetzigen Vampir-Schauermär, gipfelt in einer burlesken Schlachtorgie und endet als geniale Splattershow mit gut tiefschwarzem Humor. Wenn zum Schluss die Blutsauger bei Tagesanbruch am Titty Twister zerplatzen und der mexikanische Bandenchef Carlos beim Anblick des Spektakels irritiert fragt: „Waren das da drin Irre?“ …dann ist die Antwort von George Clooney (Seth im Film) immer wieder treffend köstlich:

„Haben die wie Irre ausgesehen? Das waren Vampire. Irre explodieren nicht, wenn das Sonnenlicht sie trifft. Ganz egal, wie irre die sind!“

selmatitZur Story für den (Ernst-)Fall, dass jemand nicht mehr so ganz genau weiß, was warum und wie abgeht: Die Brüder Gecko sind Gangster schwersten Kalibers. Der coole Seth (George Clooney) und der psychopatische Richard (Quentin Tarantino) pflastern ihren Fluchtweg nach Mexiko mit drei frischen Leichen, bevor sie den Geistlichen Jacob Fuller (Harvey Keitel), dessen Tochter Kate (Juliette Lewis) und Sohn Scott (Ernest Liu) als Geiseln nehmen und in deren Wohnmobil unentdeckt den Grenzübergang schaffen. Treffpunkt für Seth und Richard mit dem mexikanischen Bandenboss Carlos, der ihnen für ein fettes Honorar Asyl verschaffen soll, ist das einsam gelegene, aber mehr als gut besuchte „Titty Twister“ , das von der Abenddämmerung an bis zum Morgengrauen (From Dusk Till Dawn) geöffnet ist. Da Carlos erst in einigen Stunden erwartet wird, will man sich in der von zwielichtigen Typen und mordsmäßig gut aussehenden Frauen wimmelnden Bar die Zeit bei laszivem Table-Dance, harten Drinks und flotten Sprüchen vertreiben.

tarantAber es kommt anders, Türsteher, Barkeeper, Rausschmeisser legen sich mit Seth an, einer rammt Richard ein Messer in die eh‘ schon verletzte Hand, und die umwerfende Santanica verwandelt sich nach ihrem Auftritt in eine furchterregende Bestie, die, von Richards Blut heiß gemacht, ihre Zähne in dessen Hals schlägt. Attacke-Signal für alle Anwesenden von ihrer Sorte, und davon gibt’s reichlich. Die Truppe, eh schon gebeutelt, macht Grausiges durch. Wahnsinn wütet in der Bar. Chaos, Vampire überall, einer scheußlicher als der andere. Alles noch nie erlebt. Und kein Profi in Sicht, der sich so wirklich hilfreich auskennt:

„Hat irgendjemand ein richtiges Buch über Vampire gelesen oder erinnern wir uns nur an ein paar schlechte Filme? Ich meine, ein wissenschaftliches Buch…“ (Seth)

Seth tötet widerwillig, aber einsichtig seinen gebissenen Bruder, zwei Verbündete, der Vietnam-Veteran Frost und der Latino Sex Machine, kämpfen, pfählen, köpfen tapfer mit, kommen aber um wie auch Jakob Fuller und Sohn Scott, die sich beide zuvor noch gemeinsam mit Seth und Kate in einem Lagerraum verschanzen konnten. Zumindest findet der seit dem Tod seiner Frau an Gott zweifelnde Geistliche im tapferen Gefecht gegen die Bestien seinen Glauben wieder, schafft es deshalb sogar, „echtes“ Weihwasser zu machen ; damit hilft er Seth und seiner Tochter Kate, den tatsächlich einzigen Überlebenden der Schauernacht.

Sarkastisch gestichelt wird trotzdem:

„Gott liebt es, das Messer rein zu stechen und die Klinge abzubrechen.“ (Filmzitat)

Die Rettung für Seth und Kate kommt in wahrlich letzter Sekunde: Beide stehen in der Mitte der Bar, eingekesselt von ihren blutrünstigen Angreifern, umflattert von Fledermäusen, die sich in Vampire verwandeln, da geht die Sonne auf und dringt durch die Schusslöcher in den Wänden. Den Rest erledigen Carlos und seine Männer. Die Tür wird aufgeschossen, die Vampirmeute zerknallt, zerfällt, verbrennt komplett. Und Ende. Das Schlusswort sei dem schönen Seth alias George Clooney gegönnt, der mit From Dusk Till Dawn den endgültigen Durchbruch in Hollywood schaffte.

„Hört zu! Hört mir alle gut zu! Ich weiß, ich hab euch durch die Hölle geschickt! Und ich war ein verdammt fieses Schwein! Aber von jetzt an steht ihr alle in meinem Buch der coolen Leute!“ (Filmzitat)

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)