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Fantasy-Tropen: Der chaotische Held | Teil 3: Der rekrutierte Held

Teil 1: Einführung des Helden
Teil 2: Der wandernde Held

The Caliber; (c) Artgerm

Ich begann diese Artikelreihe mit einer Zusammenfassung der Sieben Samurai oder den glorreichen Sieben. Diese Handlung ist nicht nur eine perfekte Illustration des chaotischen Helden im Allgemeinen, sondern sie verkörpert auch den rekrutierten Helden, jene Version, die ich in diesem Artikel beleuchten möchte. Dies ist kein Zufall, denn der rekrutierte Held ist vielleicht die repräsentativste Form des chaotischen Champions.

Auf seiner Wanderschaft, auf der Suche nach Abenteuer, läuft für den Helden alles gut. Er wird viele Möglichkeiten bekommen, das Chaos zu bekämpfen; aber für jede große Auseinandersetzung gegen feindliche Mächte ist es notwendig, sich ein wenig mehr zu engagieren. Er könnte für den Rest seines Lebens ein Wanderheld bleiben, aber für den großen Ruhm muss er rekrutiert werden.

So wie es viele Gründe gibt, warum ein Held auf Wanderschaft geht, gibt es auch viele Gründe, weshalb er für seine Hilfe beauftragt wird (und die Sieben Samurai veranschaulichen das gut). Einige erwarten, dass etwas für sie dabei herausspringt; andere suchen die Gelegenheit, ihr Können zu beweisen, oder sogar die Chance, sich überhaupt zu testen; wieder andere laufen einfach davon.

Manche sind von der Notlage der Dorfbewohner wirklich berührt. Chris von den glorreichen Sieben antwortet, als ihm gesagt wird, dass das, was er verlangt, alles ist, was sie haben: “Mir wurde immer viel für meine Arbeit angeboten, aber nie alles.”

Grendels Mutter; (c) N.D. Hill

Helden wurden in den Geschichten aller Kulturen und aller Perioden rekrutiert, egal ob sie sich freiwillig gemeldet haben, überredet, betrogen oder gezwungen wurden. Beowulf zum Beispiel kommt an den Hof von König Hrothgar, um ihn vor der Zerstörung durch das Monster Grendel zu retten. In diesem Fall wird er weder beauftragt, noch ist das Geld sein Hauptmotiv – obwohl es für Hrothgar kulturell undenkbar wäre, ihn nicht zu belohnen -, aber viel mehr bietet sich Beowulf hier die perfekte Möglichkeit, sich einen Namen zu machen.

Obwohl auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, bieten Hrothgars Saal und Grendel im Wesentlichen das gleiche Muster wie das Dorf und die Banditen. Die Halle Herot – obwohl Heimat von Kriegern und nicht von Bauern – stellt eine Insel des Lichts und der Ordnung inmitten der dunklen und gefährlichen Moore dar, dem Gebiet eines unbestrittenen Handlangers des Chaos. Grendel ist nicht nur ein Monster, sondern wird als Nachkomme von Kain, dem ursprünglichen Mörder und Ausgestoßenen, beschrieben, und er terrorisiert die Halle genauso sehr wie die Banditen das Dorf.

Beowulfs angestrebter persönlicher Ruhm bedeutet nicht, dass ihm der Handlanger des Chaos grundsätzlich egal ist. Er ist kein ungebundener Wanderer, und in seiner eigenen Gesellschaftsordnung würde er als Beschützer angesehen werden, so wie er später im Gedicht dargestellt wird, wenn er gegen Drachen kämpft. Weder Beowulf noch das ursprüngliche Publikum des Gedichts hätten jedoch einen Widerspruch seiner Motive gesehen, und er agiert hier wie ein klassischer rekrutierter Held – er sieht eine Chance und nutzt sie.

Ritterduell; (c) Trevor Stephen Smith

Das Motiv, sich einer Sache wegen des persönlichen Ruhms anzunehmen, findet sich in vielen alten Legenden, den Arthurischen Romanzen, und im Mythos des Westens. Im letzten Teil haben wir uns kurz Gareths Bestreben angesehen, die Dame Lyoness zu retten und sich als Ritter der Tafelrunde zu etablieren. Dies ist eine klassische Rekrutierung, weil Lyoness’ Schwester Lyonet nach Camelot kommt und Arthur um einen Helden bittet, der ihre Schwester rettet. Gareth – der anonym als Küchenjunge ausharrt – tritt vor den König und bittet um die Aufgabe, die Arthur ihm dann auch gewährt, sehr zum Missfallen Lyonets, die für Gareth nur Verachtung übrig hat.

Im Laufe seines Abenteuers besiegt Gareth zahlreiche feindliche Ritter, gewinnt die Hand einer schönen und reichen Dame und bekommt schließlich einen Platz an der Tafelrunde zugewiesen. Das ist das ultimative Ziel, aber er kann es nur erreichen, wenn er seinen Wert beweist, und es nur erhalten, wenn er es weiterhin unter Beweis stellt.

Um als Held Prestige zu erlangen, ist es in der Artussage jedoch Bedingung, sich einer würdigen Queste zu stellen. Wenn Gareth sich auf den Weg gemacht hätte, die Burg, in der die Dame Lyoness gefangen gehalten wird, auf eigene Faust zu erobern, hätte kein noch so spektakulärer Sieg über rivalisierende Ritter ihm den Status eines Ritters der Tafelrunde eingebracht.

Wir werden in einem zukünftigen Artikel sehen, wie Arthur den König als Helden im Gefüge der chaotischen Helden etabliert hat; aber manche rekrutierten Helden hatten nicht immer einen so hohen moralischen Kompass, der dann auch auf die Tafelrunde angewandt wurde.

Der zweite und dritte Mad Max-Film bieten eine gute Illustration dafür, wie ein chaotischer Held aus unterschiedlichen Gründen rekrutiert wird. Max hat im ersten Film als Polizist begonnen, wenn auch als Außenseiter, und damit als ein beschützender Held. Er wird dann aber zum Wanderer durch eine physische und moralische Wüste, wo man ihn regelmäßig rekrutiert.

Im zweiten Film – “Der Vollstrecker” – ist sein Motiv die reine Bezahlung (mit Benzin für sein Fahrzeug), und wie die “Sieben” hat er viel gemeinsam mit den Kräften des Chaos, die jede winzige, schwache Oase der Ordnung angreifen. Dennoch scheint er nicht in Versuchung zu geraten, einen besseren Preis auszuhandeln, weil er nämlich eine Schwäche für den Kampf selbst entwickelt.

In “Jenseits der Donnerkuppel” hingegen hat Max kein Eigeninteresse daran, die Kinder zu retten. Er nähert sich wieder seinem Beschützerstatus an, und es ist wirklich nur die Entscheidung, sie ohne ihn ziehen zu lassen, der seinen Status als rekrutierten Held aufrechterhält. Wieder wird er zu einer Legende für die Menschen, die er gerettet hat – und wieder einmal kann er ihre Erlösung nicht teilen.

Am anderen Ende der Beispiele für den rekrutierten Helden steht Frodo in “Der Herr der Ringe“. Man könnte darüber diskutieren, ob Frodo überhaupt ein chaotischer Champion ist. Wahr hingegen ist, dass er in seinem ruhigen, geordneten Leben ruhelos ist, aber er hat nicht den Wunsch, Monster zu töten, um Ruhm oder Reichtum zu erlangen. Der Punkt bei Frodo ist, dass er ein gewöhnlicher Kerl ist.

Tatsächlich aber wird er zum chaotischen Helden, als er beginnt, sich das Heldentum selbst aufzuerlegen. Seine chaotische Natur kommt natürlich von der Wirkung des Ringes auf ihn und zieht ihn so weit in die Welt der Finsternis und des Bösen, dass er den dunklen Lord endlich herausfordern kann. Sicherlich versteht er am Ende so chaotische Gestalten wie Gollum oder sogar die Nazgul auf eine Weise, wie Sam Gamgee sie nie verstehen wird.

Frodo nimmt den Ring; (c) Warner Bros.

Frodo wird rekrutiert, aber nicht auf söldnerische Weise. Sein Angebot in Rivendell: “Ich werde den Ring nehmen … obwohl ich den Weg nicht kenne”, ist ein Akt des moralischen Heldentums, das keiner der anderen rekrutierten Helden, die wir für uns in Betracht gezogen haben – “die Sieben”, Beowulf, Gareth oder Mad Max – aufbieten kann, weil es dabei nichts für sich selbst zu gewinnen gibt. Frodos persönliches Interesse wäre es, leise nach Hause in das Auenland zu gehen und alles über Ringe, dunkle Lords und Schicksalsberge zu vergessen, aber sein starker moralischer Kompass erlaubt es ihm nicht, dies zu tun. Auch so kann ein rekrutierter Held enstehen.

Keiner von ihnen bleibt, um seinen Sieg zu genießen. Sie mögen sterben, weiterziehen, zurückgelassen werden oder über das Westmeer abreisen, aber es gibt keinen Platz für einen rekrutierten Helden nach seinem Triumph. Wie der alte Mann den Überlebenden am Ende der glorreichen Sieben erzählt:

“Nur die Bauern haben gewonnen. Sie werden für immer bleiben. Sie sind wie das Land selbst. Du hast geholfen, sie von Calvera zu befreien, so wie ein starker Wind ihnen hilft, sich gegen Heuschrecken zu wehren. Du bist wie dieser Wind, der über das Land weht und … weiterzieht.”

Wenn ein chaotischer Held bleiben kann, dann wird er zu etwas ganz anderem: etwas, worauf ich im nächsten Artikel eingehen werde.

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