Erben des Fluchs

Höllenkram, Hexenzeug und jede Menge Hokuspokus im Antiquitätenladen: Mir hat das sehr wohl gefallen, mag da ruhig so mancher gähnend sagen, da sei ja nun nichts zum Wirklich-richtig-Angst-haben-müssen gewesen. Eher was für Horror-Greenhorns. Bessere Lernschule für blutige Anfänger. Oder ähnlich abscheulich abfällig. Mir egal. Stimmt auch nicht.

Curious Goods: Schnäppchen für die Gänsehaut
Curious Goods: Schnäppchen für die Gänsehaut

Erben des Fluchs ist so was wie Gespenster-Comics für die Mattscheibe. Die stapelt man zwar nicht im Keller, wenn ihre, – und unsere -, Jugend denn doch verblüht ist, die hat man aber immer noch liebevoll im mittlerweile arg verwöhnten Kopf. All diese phantastischen Dinge, in denen Spuk, Wahn und Hohn, Groteske, Gram und Grausamkeit, Liebe, Tod und Ewigkeit, Aberglaube, Grusel und letztendlich Erlösung, Auflösung, Aufatmen stecken. Aladins Wunderlampe im XXL-Format. Na bitte, wer hat so was?

Die kanadische Fernsehserie Erben des Fluchs (im Original: Friday the 13th: The Series) wurde in den späten 1980ern gedreht, lief ab Januar 1990 bei uns auf SAT.1 (später Kabel 1), und ich war dabei. Folge für Folge. Drei gute Staffeln lang. Micki war schön, Ryan war smart, Jack war schlau, und alle drei zusammen stöberten in Teufelswerk, um es zu entfluchen.
Der Stoff ist solide Basis, und stellenweise geht es richtig sauber böse zur Sache. Verlockenden Dingen, die dämonische Geheimnisse bergen, düstere Kräfte entwickeln und grausige Tribute fordern, gilt die Schauerdetektiv-Arbeit, und die wird ordentlich gemacht:

Der Vorhang hebt sich mit einer Testamentseröffnung. Die Erbschaft (The Inheritance, Staffel I, Folge 1):

Detektiv-Trio auf höllischer Achterbahnfahrt: Ryan, Jack und Micki
Detektiv-Trio auf höllischer Achterbahnfahrt: Ryan, Jack und Micki

Lewis Venredi (R.G. Armstrong), Antiquitätenhändler und Schwarzmagier zu Lebzeiten, hinterlässt Nichte Micki Foster (Louise Robey) und deren Cousin Ryan Dallion (John D. LeMay) sein Geschäft, das „Curious Goods“. Die beiden können mit der urig-staubigen Fundgrube nicht viel anfangen, veranstalten einen Räumungsverkauf, erfahren dann von Venredis ehemaligem Lieferanten, Jack Marshak (Chris Wiggins), dass sie das tunlichst hätten bleiben lassen sollen. Der erzählt gar Fürchterliches, das Entsetzen ist groß, Abenteuerlust, Tatkraft nebst Trieb nach Nervenkitzel und höllischer Achterbahnfahrt sind größer:

Onkel Lewis, fixiert auf Ruhm, Reichtum, Unsterblichkeit und vor allem finsterste Ungewöhnlichkeit, hat sich anno dazumal an den Teufel leibhaftig verkauft. Fast all seine teils unscheinbaren, teils imposanten, stets wundersamen Schätze aus dem Laden sind verflucht, mit dem übereilten Verkauf definitiv in komplett falsche Hände gelangt und müssen jetzt wieder besorgt werden, um sicher an einem Platz (Tresor) zu landen, wo niemand Unfug mit ihnen anstellen kann.

Stück für Stück hat seinen persönlichen Alptraum, jede Story ihre eigene Horror-Note. Der seit seinem irdischen Tod immer noch höchst lebendig in der Hölle agierende Onkel taucht bereits in der fünften Folge der ersten Staffel wieder auf:

In Onkel Lewis’ Rückkehr (Halloween) beschwören zwei beschwipste Partyfreunde, denen eine Kristallkugel in die Hände fällt, im Keller von „Curious Goods“ aus Spaß Geister. Im Ernstfall, der eintritt, klappt so was auch. Onkel Lewis kommt wieder und lebt im Körper eines Toten weiter.

Auf den Bildschirm gebracht wurde Erben des Fluchs von Frank Mancuso Jr., glorreich gesegnet mit einem Vater, der in den Chefetagen von MGM und Paramount Pictures wirkte. Mancuso lernte ergo von der Pike auf und produzierte seitdem fleißig, unter anderem Freitag der 13. – Jason kehrt zurück (1981), Und wieder ist Freitag der 13. (1982) und Freitag der 13. – Das letzte Kapitel (1984), bevor er sich in düster-cleverem memoriam wenige Jahre später dazu entschied, seine Geschichten rund um altes Gerümpel, das es faustdick hinter den Ohren hat, Friday the 13th: The Series zu betiteln.

Mit den kultigen Slasher-Filmen rund um Jason Voorhees und seine blutigen Vorlieben verbindet die Serie freilich kein verwandtschaftliches Verhältnis. Das Datum, Freitag, der 13., steht hier für falsches Vorgefühl, schlechte Karten, Riesenpech, zu früh gefreut und finaler Schock am Abend. Eventuell noch: Glimpflich davongekommen. Sieht man davon ab, dass das für den eine oder anderen nicht gilt.

Klein und frech, was mag das sein?
Klein und frech, was mag das sein?

Da kauft ein Mauerblümchen eine Puderdose und entdeckt, dass der Spiegel darin sie für Männer zu einer ungeheuer attraktiven Frau macht. Die ihr auf diesem Weg Verfallenen müssen freilich sterben, wenn der Schwindel auffliegt. – Ein Zahnarzt verguckt sich beim Stöbern in einen elektrischen Stuhl; der wird ihm (noch!) ahnungslos gern verkauft, entpuppt sich aber zum boshaften Vergnügen seines neuen Besitzers als ein Gerät, mit dem er die Lebensenergie junger Patienten auf sich übertragen kann. Und Filmstudent Darius kommt in den Besitz einer alten Kamera, mit deren Hilfe er zum Werwolf werden kann. Das möchte der von seinen Kommilitonen verspottete Horror-Fan auch unbedingt, um sich rächen zu können, muss dafür aber über Leichen gehen.

Weiter? Weiter, es packt so nett die Gänsehaut: Ein Bestatter ersteht einen Apparat, mit dem er Tote erwecken kann. Damit will er sich den Wunsch nach einer Geliebten erfüllen. – Eine junge Frau schenkt ihrem Billard-versessenen Bräutigam einen magischen Queue, der damit fortan jedes Spiel gewinnen kann. Jeder Sieg bedeutet den Tod für einen Unschuldigen. Und eine hässliche Statue, der Amor von Malek, erweckt in Frauen Leidenschaft für hässliche Männer. Denen gefällt’s, die Frauen werden ermordet.

In Der Hund meiner Träume verfällt Feuerwehrmann Aubrey abgöttischer Liebe zu seiner Hündin, nachdem seine Frau ihn verlassen hat. Er kauft bei Curious eine Leine, die ihn zum Mörder macht, als die Hündin sterbenskrank wird. Nach jedem Mord ähnelt die Hündin immer mehr seiner Frau.
Ein Journalist erzählt Jack in Kopf oder Zahl von Teufelsanbetern, die mit einer alten Münze aus Lewis‘ Laden verstorbene Hexenmeister wieder erwecken wollen, um an die Weltherrschaft zu kommen.

Antiquitätenhändler Rook ist in Das Auge des Todes auf Originale aus dem amerikanischen Bürgerkrieg spezialisiert. Die besorgt er sich mit einer verdammten Laterna Magica direkt von den Schlachtfeldern. Als Ryan deshalb auf Zeitreise geht, wird er von General Lee als Spion zum Tode verurteilt.
In Zirkel der Finsternis gerät Ryan in die Fänge der Hexe Lysa und ihres schwarzen Zirkels. Bei seiner spektakulären Rettungsaktion entdeckt Micki erstmalig, dass sie übersinnliche Kräfte hat.

Grusel im Einmachglas
Grusel im Einmachglas

Mit Ausklang der zweiten Staffel wirkt Schauspieler John D. LeMay als Cousin Ryan Dallion bei der Fluchfahndung nicht mehr mit. In der dritten Staffel ist er durch Hexerei wieder zum Kind geworden, dafür steht Johnny Ventura (Steve Monarque) an Mickis aparter Seite seinen Mann.

Mit Nummer 72, Qualen der Liebe (The Charnel Pit, Staffel III), in der Micki mit der Löwenmähne sich unfreiwillig durch ein Gemälde in die Zeit des Marquis de Sade beamt, endet der Grusel. Sie muss natürlich nicht dort bleiben und ewig lustvoll leiden, das lässt etwas sentimental hoffen.

Remake mit neuen Fortsetzungen und frischen Gesichtern? Vielleicht besser nicht. Es war gut, wie es war.

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)