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El Mercenario

mercenrioWir schreiben das Jahr 1980. Damals fertigte VICENTE SEGRELLES für einen Agenturleiter, der damit begonnen hatte, auch als Herausgeber für Comiczeitschriften wie z. B. CIMOC tätig zu werden, Coverillustrationen an. Eines Tages machte Segrelles diesem Herrn den Vorschlag, ihm ein paar Musterseiten anzufertigen, ohne dafür eine Bezahlung zu verlangen.
Der Verleger ging darauf ein und war nach der Begutachtung der Seiten von den neuen und innovativen Ideen hellauf begeistert. So bekam Segrelles schließlich den Auftrag, nachdem er einige Vorabverträge unterschrieben hatte, aus den Musterseiten einen Comic zu entwickeln.

Nachdem Vicente Segrelles den Auftrag bekam, aus seinen Musterseiten ein 48-seitiges Comic-Album zu kreieren, gestaltete sich die Arbeit daran als recht chaotisch. Denn da kein vorgefertigtes Skript vorlag, musste er neben seinem Job als Illustrator, die Ideen zu der Handlung direkt bei der Arbeit an dem Comic einfließen lassen.
Was den Helden des Comics betraf, so hatte Segrelles zu Beginn keine besonderen Vorstellungen und kreierte eine zum Genre passende Gestalt. Um den Arbeitsaufwand an der Figur ein bisschen zu mildern, verpasste er seinem Helden eine Halbrüstung, die unkompliziert zu zeichnen war.

Grundsätzlich machte Segrelles aber das Zeichnen und die Kreation von Waffen und Rüstungen keinerlei Schwierigkeiten. Denn zum einen hatte der Künstler bis Anfang der 1980er Jahre schon reichlich Erfahrung in der Darstellung von Rüstungen und Waffen aller Art gemacht, zum anderen hatte Segrelles 1978 eine illustrierte Monografie mit dem Titel UNIVERSALGESCHICHTE DER WAFFEN verfasst.

Auch seine Faszination zum ‚magischen‘ Mittelalter mit seinen Drachen und Burgen sowie zu Flugzeugen, dem weiblichen Akt und zum fantastischen Orient machten sich ebenfalls beim weiteren Verlauf der Gestaltung des Comic-Abenteuers sehr bemerkbar.

Um eine logische Variante der Drachen bzw. der fliegenden Saurier in EL MERCENARIO zu präsentieren, hörte Segrelles auf, Drachen nach orientalischem Muster zu malen, also mit vier Pfoten und zwei Flügeln auf dem Rücken, und orientierte sich stattdessen an der Anatomie der prähistorischen Flugsaurier.

Um zudem eine ‚schlüssige‘ Erklärung für die Existenz solcher Wesen auf der Erde bzw. der Abwesenheit der Flugsaurier in der uns bekannten Welt zu haben, erfand Segrelles mit dem Land der ewigen Wolken einen hermetisch isolierten Raum, der keine Kontakte zu anderen Gebieten hat.
Mit dieser ‚Entflechtung‘ hatte Vicente Segrelles eine neue Welt geschaffen, um die fantastische Geschichte und die fantastsichen Abenteuer von El Mercenario weiterzuerzählen.

„Ich musste nun nämlich die Geschichte weiterstricken. An sich hat mir das Schreiben schon immer Spaß gemacht, aber ich hatte ehrlich gesagt vorher noch nie ein Szenario geschrieben; ich wusste nicht recht, wo ich anfangen sollte. Denn da ich in der Welt des Comics noch ein ziemlicher Neuling war, hatte ich den Kopf eigentlich voller frischer Ideen, die mit meinen sonstigen Hobbys in Verbindung standen und durchaus verwendbar waren. Ich grübelte also zunächst einmal, wie ich die Geschichte weitererzählen konnte.
Die Arbeit an diesem ersten Album war recht chaotisch und das nicht nur, weil ich es nebenher malen musste, parallel zu meinem Ilustratorenjob. Dazu kam, dass eben kein vorgefertigtes Skrip vorlag, so dass ich die Ideen sozusagen direkt bei der Arbeit einfließen ließ. Und in der Tat merkt man bei der Lektüre, dass es sich eigentlich um drei unterschiedliche Geschichten handelt.“ (Vicente Segrelles)

Da Segrelles nie damit gerechnet hatte aus seinen eingereichten Musterseiten ein fertiges Comic-Album zu erstellen, musste er sich, obwohl kein Konzept dafür vorlag, sich ziemlich zügig eine Geschichte ausdenken. So ist es im Grunde nicht verwunderlich, dass die Handlung des ersten EL MERCENARIO – Comicalbums letztendlich aus drei Geschichten besteht.

Nach über einem Jahr Arbeit an dem Comic, erschien 1982 der erste Band von Segrelles Fantasy-Serie EL MERCENARIO im Verlag NORMA EDITORAL, der das Magazin CIMOC 1981 übernommen hatte.

Nachdem 1982 sein erstes EL MERCENARIO-Abenteuer im spanischen Verlag NORMA erschienen war, hatte Vicente Segrelles zwar sehr viel Arbeit in das Comic gesteckt, aber die Mühe stand in keinem Verhältnis zu dem Lohn, den er dafür erhalten hatte.

“Für eine Seite brauchte ich im Schnitt ungefähr eine Woche, während selbst ein langsamer Zeichner, der konventionelle Strichzeichnungen anfertigte, in der gleichen Zeit ungefähr vier Seiten fertigstellte.
Dennoch gab es nur den festen Einheitspreis pro Seite. Der einzige wirkliche Anreiz weiterzumachen kam zu jener Zeit von den vielen positiven Reaktionen der Öffentlichkeit auf mein Erstlingswerk.
Eines war jedenfalls sicher: Ich musste eine Entscheidung treffen. Auf der anderen Seite hegte ich natürlich den geheimen Traum, dass aus ‘El Mercenario’ eine ganze Serie wird. Denn erst dann hätte ja – auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen – das Ganze Hand und Fuß. Zumal es mir damals kaum an Ideen mangelte.” (Vicente Segrelles)

Doch die positive Resonanz, die Segrelles für EL MERCENARIO – DER SÖLDNER erhalten hatte, insbesondere vom italienische Filmemacher Federico Fellini, der sehr beeindruckt von dessen Arbeit gewesen war, beflügelte Segrelles weiterzumachen. Denn der Künstler hegte u. a. auch den großen Wunsch, aus EL MERCENARIO eine ganze Serie zu machen.
Da er von seinen Fehlern an der Arbeit am ersten Comic-Album gelernt hatte, schrieb Segrelles bereits die gesamte Geschichte auf und erstellte ein Skript mit einem komplette Handlungsablauf mit Anfang und Schluss.

Die Geschichte des zweiten Albums knüpft eher lose an EL MERCENARIO-DER SÖLDNER an, ohne das man das Abenteuer als Fortsetzung bezeichnen könnte. Die Grundidee auf der Segrelles das zweite Abenteuer mit EL MERCENARIO aufbaute, war das Schießpulver. Aber lassen wir den Künstler kurz selbst zu Wort kommen:

“An diesem Leitfaden entlang strickte ich die Handlung. Wie sich später herausstellen sollte, war es – trotz eines gewissen Anachronismus – ein glücklicher Einfall, da in vielen der Folgebände dieser Serie das Pulver noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Ich machte mir eigentlich nicht wirklich Sorgen, dass dem Leser die Einführung des Schießpulvers bereits um das Jahr Tausend irgendwie unpassend vorkommen könnte. Es gab ja schließlich die Mönche und ihre Gesandten, die im Geheimen den gesamten bekannten Planeten durchstreiften, bis hinüber ins ferne China, um das Wissen der Menschheit zu sammeln, im unterirdischen Kloster für die Nachwelt zu sichern und es später denjenigen Ländern zugute kommen zu lassen, die sich eines solchen Privilegs würdig erwiesen.”

Zudem schuf Vicente Segrelles mit dem Alchimisten KLOSTOS einen Bösewicht, der fies, hinterhältig, ehrgeizig und eitel war und El Mercenario in seinem zweiten Abenteuer das Leben schwer machen sollte.

“Als Alchimist eher untalentiert, verdankt er seinen ganzen Reichtum und Ansehen den Formeln und Geheimrezepturen, die er von den Leuten aus dem Krater im Austausch für Rohstoffe erhält.
Im Laufe der Zeit wird den Bewohnern des unterirdischen Klosters klar, dass sie damals einen Fehler begingen, als sie sich auf den Handel mit ihm einließen, da sie schon bald auch ohne seine Dienste auskommen.
Nun wissen sie aber nicht, wie sie diesen unliebsamen Zeitgenossen wieder loswerden sollen. Im Grunde hielten sie ihn die ganze Zeit nur aus, um ihn unter Kontrolle zu halten, denn sie kennen ihn und wissen, dass es nicht ungefährlich ist, ihn zum Feind zu haben.” (Vicente Segrelles)

mercenario_letzte2003 beende Vicente Segrelles nach dreizehn Comic-Abenteuer seine Serie EL MERCENARIO vorerst. 2015 erschien schließlich mit EL MERCENARIO – DER LETZTE TAG der Abschlussband der Fantasy-Serie von Vicente Segrelles

In Deutschland wurde das Comic-Abenteuer 1982 unter dem Titel EL MERCENARIO – DER SÖLDNER im Bastei Verlag veröffentlicht.
Zudem entwickelte der Bastei Verlag aufgrund des Erfolges der Comic-Abenteuer und auf der Grundlage der EL MERCENARIO-Abenteuer eine vierteilige Buch-Reihe, deren Romane der Autor WOLFGANG HOHLBEIN verfasste.

Bis 2003 erschienen alle 13 EL MERCENARIO-Comicalben, von denen die ersten sieben Bände im Bastei Verlag sowie die Bände von 8 bis 11 im Carlsen Verlag erschienen. Der Arboris Verlag schloss die Fantasy-Serie 2004 mit den beiden letzten Bänden ab.

2003 beendete Vicente Segrelles mit EL MERCENARIO – DER AUFSTAND, dem dreizehnten Comic-Band, seine Arbeit an seiner Comic-Serie. Seit 2012 veröffentlicht der SPLITTER VERLAG die komplette Fantasy-Serie in einer liebevoll gestalteten Collectors Edition.

Vergleicht man die Comic-Abenteuer mit dem Helden El Mercenario, die nun schon über 30 Jahre alt ist, mit neueren Werken der Comic-Literatur, so muss sich weder VICENTE SEGRELLES noch EL MERCENARIO vor diesen verstecken.
Denn die Fantasy-Abenteuer von Segrelles wirken zeitlos und üben nach wie vor eine gewissen Faszination aus, die einen durchaus in ihren Bann zieht. Das liegt vermutlich vor allem an der einzigartigen Zeichentechnik des Künstlers, die Ihresgleichen sucht.

Nachdem die Comic-Serie EL MERCENARIO zwischen 1982 und 2003 in Deutschland mit qualitativen Unterschieden und Kürzungen in drei verschiedenen Verlagen (Bastei, Carlsen sowie Arboris) veröffentlicht wurde, erschien EL MERCENARIO ab 2012 komplett im SPLITTER Verlag. Dort erschien der Comic-Klassiker in einer Collectors Edition, als liebevoll gestaltetes Hardcoveralbum inklusive Bonusmaterial.

EL MERCENARIO (Splitter Verlag)
1. Der Söldner (El Pueblo Del Fuego Sagrado)
2. Die Formel des Todes (La Fórmula)
3. Die vier Prüfungen (Las Pruebas)
4. Das Opfer (El Sacrificio)
5. Die Festung (La Fortaleza)
6. Die schwarze Kugel (La Bola Negra)
7. Reise ins Irrlicht (El Viaje)
8. Das Ende der Welt (año mil. El fin del mundo)
9. Die verlorenen Ahnen (Los Ascendientes Perdidos)
10. Der Wächter der schwarzen Sonne (La Huida)
11. Giganten (Gigantes)
12. Die Entführung (El Rescate)
13. Der Aufstand (El Rescate II)
14. Der letzte Tag
Band 1 bis 13, Splitter Verlag (ab 2012)
Band 1 bis 7, Bastei Verlag (1982-1995)
Band 8 bis 11, Carlsen Verlag (1995-2001)
Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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