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Ein Abend im Selbstmordcafé

«Begehen Sie nicht einfach Selbstmord! Seien Sie einfallsreicher, das darf ich von Ihnen verlangen!« (Klaus Mann)

Ich möchte sterben!, stand handschriftlich auf dem rostigen Schild, das über dem Eingang des Selbstmordcafés hing und quietschend im kalten Novemberwind hin und her schaukelte.

Thomas stand fröstelnd vor der Tür und überlegte, ob er den Schritt wagen sollte, die Kaschemme endlich einmal zu betreten. Er hatte schon so einiges über dieses berüchtigte Selbstmordcafé gehört, aber noch nie den Mut gefasst, selbst hineinzugehen.

Es lag einige Wochen zurück, als in der Zeitung über den absurden Einfall eines Wirts berichtet worden war, der seinen Gästen jeden zweiten Freitagabend im Monat eine außergewöhnliche Attraktion bot.

Bei uns werden Sie live erleben, wie sich Menschen das Leben nehmen!, lautete der Slogan des Cafés. Unsere Zuschauer bezahlen mit Geld, unsere Selbstmordkandidaten mit ihrem Leben!

Kurz nachdem das Café auf skandalöse Weise gestartet war, musste es den Betrieb schon wieder einstellen, weil sich schockierte Augenzeugen gleich nach der ersten Aufführung an die Polizei wandten und eine sofortige Schließung verlangten. Zu viel Blut, zu viele Schmerzen und Qualen …

Der Betreiber der »Geschäftsidee des einundzwanzigsten Jahrhunderts«, wie er seinen Veranstaltungsort selbst nannte, fügte sich natürlich den Gesetzeshütern und eröffnete wenige Häuser weiter eine Bäckerei. In Insiderkreisen wusste man jedoch, dass dieser Gesinnungswechsel lediglich ein Zeichen für die Öffentlichkeit war, damit das »Selbstmordcafé« schon bald wieder in Vergessenheit geriet. Es dauerte nicht lange und Selbstmord-Daddy, wie der Inhaber des Ladens von seinen Fans liebevoll genannt wurde, organisierte hinter den Kulissen eine Wiedereröffnung des Kultcafés. Es verhielt sich dieses Mal ähnlich wie mit dem sogenannten Darknet, dem unzensierten Internet: Die interessierten Zuschauer fanden Wege, um Gleichgesinnte zu treffen und ihre kranken Phantasien auszuleben. Und Selbstmord-Daddy wollte allen, die ihr Leben als nicht mehr lebenswert empfanden, eine Bühne bieten, auf der sie ihrem Dasein vor einem ausgewählten Publikum und auf aufsehenerregende Weise ein Ende setzen konnten.

Die Nachricht, dass eine Wiedereröffnung erfolgt war, verbreitete sich in den obskuren Kreisen äußerst schnell. Um weiterem Ärger mit den Behörden zu entgehen, wurde das zweiwöchige Programm nur noch im anonymen Darknet bekanntgegeben und die Teilnehmer im Vorfeld genauestens überprüft. Außerdem übernahmen im Untergrund organisierte Suizid-Vereine die Verteilung kleiner Programmhefte, auf denen jeweils drei Selbstmordmethoden der Veranstaltung reißerisch angekündigt wurden:

Diese Woche exklusiv im Selbstmordcafé! Samuel S. erschießt sich auf unserer Bühne. Sandra B. hat vor, sich mit Ätzmittel zu vergiften. Alfred F. wird sich selbst ersticken. Um rechtzeitige Reservierung wird gebeten! Selbstmordkandidaten melden sich bitte direkt unter selbstmord@redrum-books.com!

Alles war dabei: von Erhängen und Pulsadern aufschneiden bis hin zu Erschießen oder Vergiften. Den Lebensmüden wurden keine Vorschriften gemacht, wie sie ihrer Existenz ein Ende bereiten durften. Den Zuschauern legte man nahe, rechtzeitig einen Platz zu reservieren und die Selbstmörder sollten ihren Auftritt und den Wunschtermin ihres Todes unter der E-Mail-Adresse selbstmord@redrum-books.com anmelden.

Die Nachfrage nach öffentlichem Selbstmord war größer, als je irgendjemand erwartet hätte. Selbstmord-Daddy musste bereits wenige Wochen nach der Neueröffnung eine Warteliste für Todeskandidaten anlegen, da er durchschnittlich vier bis fünf Anfragen täglich erhielt, in denen Menschen ihren Suizid planten und ihn auf der in eingeweihten Kreisen bekannten Bühne ausführen wollten. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten waren sämtliche Zuschauerplätze ausgebucht.

Thomas war vor einigen Tagen zufällig in der Anonymität des Darknets auf die Internetpräsenz des Selbstmordcafés gestoßen. Seit Wochen beherrschte nur ein Gedanke seinen Kopf: Selbstmord. Er war frustriert, weil er herausgefunden hatte, dass er von seiner Partnerin betrogen wurde. Das für ihn Schlimme an der Sache war, dass es sich bei der Person nicht um einen Mann, sondern um eine Frau handelte.

Schwere Depressionen nagten an ihm, was in erster Linie daran lag, dass er seine Frau abgöttisch liebte und keine Perspektiven für eine Zukunft ohne sie sah. Er überlegte, sich als Kandidat im Selbstmordcafé zu bewerben, verwarf den Gedanken aber wieder und meldete sich als Besucher an. Bereits nach fünfzig Minuten erhielt er eine Bestätigung und Einladung zu einer Aufführung, die in vier Monaten stattfinden sollte.

Und nun war der Zeitpunkt endlich gekommen.

Die Gegend wirkte vernachlässigt und die meisten der Gebäude sahen unbewohnt aus.

Wie in einem dieser Dystopie-Filme, dachte Thomas.

Selbstmord-Daddy verlangte ein ordentliches Sümmchen für den Eintritt, auch das stand in der Einladung. Schließlich musste irgendjemand für die Beerdigung aufkommen. Thomas hielt die abgezählten Geldscheine schon eine Weile in der Hand und spürte, dass sie vom Schweiß seiner Handflächen mittlerweile feucht waren. Als er die in der Einladung genannte Adresse gefunden hatte, klopfte er mit einem mulmigen Gefühl an die unscheinbare Tür, trat dann einen Schritt zurück und wartete nervös, bis ihm aufgemacht wurde.

Ein Schlurfen war zu hören und dann öffnete ein muskulöser Mann, dessen Kopfhaut genauso glatt rasiert war wie seine Wangen, die Tür und starrte Thomas mit zusammengekniffenen Augen an. »Hast du eine Einladung?«, knurrte er und inspizierte dabei die menschenleere Straße.

»Habe ich«, gab Thomas zur Antwort und streckte dem Mann die Einladung und die Geldscheine entgegen. »Mein Name ist …«

»Interessiert mich nicht«, unterbrach er ihn, griff nach dem Geld und gab den Weg frei. Verbrauchte und vor allem verrauchte Luft empfing Thomas in dicken Schwaden.

»Kommen Sie mit«, forderte der Türsteher ihn auf.

»Hier riecht es aber scheußlich.«

»Hier sterben Menschen«, gab der Mann trocken zur Antwort. »Die Zuschauer pissen und scheißen sich dabei in die Hosen.« Er stieß ein leises Lachen aus. »Sie wissen anscheinend gar nicht, worauf Sie sich da einlassen.« Er zeigte nach vorn, wo durch eine offenstehende Tür der Veranstaltungsraum zu sehen war. »Dort ist die Bühne. Die meisten Gäste sind bereits seit einer halben Stunde hier. Sie finden sicher noch irgendwo einen freien Platz.«

Thomas nickte dem Glatzkopf zu und betrat dann den Raum, in dem dichte Wolken aus Tabakqualm in der Luft hingen. Argwöhnisch betrachtete er eine Weile die angespannten Gesichter der Besucher und nahm anschließend auf einem ausgedienten Stuhl in der dritten Reihe Platz. Es waren schätzungsweise fünfzig Zuschauer anwesend. Die Bühne wirkte wie aus einem vergangenen Jahrhundert. Die Holzbretter waren dreckig und verschmiert. Thomas schluckte bei der Erkenntnis, dass es sich wahrscheinlich um getrocknetes Blut handelte.

Unsicher schaute er auf seine Armbanduhr. Noch eine Viertelstunde, bis die heutige Veranstaltung beginnen würde.

Eine Bedienung lächelte in seine Richtung und gab ihm ein Zeichen, dass sie gleich zu ihm kommen würde, um seine Bestellung aufzunehmen. Thomas nickte zurück und betrachtete derweil die Plakate an den Wänden. Konzertplakate von Rockbands und Filmposter hingen über wackligen Klappbänken, die an die bröckelnden Mauern des Etablissements gerückt waren, um möglichst vielen Besuchern Platz zu bieten.

»Ist hier noch frei?«, vernahm er eine weibliche Stimme. Als er nach oben blickte, hielt er unbemerkt die Luft an. Eine umwerfend hübsche Frau wollte neben ihm Platz nehmen und sah ihn mit einem freundlichen Lächeln an, während sie auf seine Antwort wartete.

»Sicher«, antwortete Thomas kurzatmig. »Nur zu.«

Die Frau nickte dankbar und reichte ihm eine ihrer wunderschönen Hände zur Begrüßung. »Ich bin Marlies«, stellte sie sich vor. »Sind Sie das erste Mal zu Gast? Ich habe Sie hier noch nie gesehen«, bemerkte sie, nachdem sie es sich so bequem wie möglich gemacht hatte. »

Thomas«, antwortete er. »Mein Name ist Thomas und ich bin heute tatsächlich das erste Mal hier.« »Wieso beschäftigen Sie sich mit dem Tod?«, fragte Marlies unverwandt. »Was erwarten Sie, Thomas?«

Er zögerte und lehnte sich dann leise seufzend zurück. »Meine Frau hat mich verlassen«, erklärte er. »Ich habe mit dem Gedanken gespielt, mich umzubringen. Und jetzt wollte ich sehen, wie das hier so abläuft.«

»Sie denken über Selbstmord nach? Warum? Allein gelassen zu werden, ist doch noch lange kein Grund, sich umzubringen. Sie werden jemand anderes finden.«

»Ich weiß nicht, ich … Das Leben hat keinen Sinn mehr, seit sie mich verlassen hat.« Er machte eine kurze Pause und sah seine Nachbarin nachdenklich an. »Und was machen Sie hier?«

Marlies zögerte einen Moment und starrte dabei nachdenklich auf die Bühne. »Ich bin hier, weil ich den Menschen in die Augen sehen möchte, wenn sie sich umbringen.«

»Warum?« Thomas zog fragend die Augenbrauen hoch. »Ich dachte, die meisten Leute sind hier, um ihre Sensationsgier und ihren Blutdurst zu stillen.«

»Es heißt, dass man im Augenblick des Todes in den Augen der Sterbenden sieht, was ihnen am meisten im Leben bedeutet hat. Ich fühle mich ihnen sehr nahe …«

Thomas beugte sich neugierig nach vorn. »Und Sie glauben das?«

Marlies lachte leise. »Ja, sicher glaube ich das.«

Ein unruhiges Rascheln erfüllte plötzlich den Raum. Thomas und Marlies richteten ihre Augen auf die Bühne, wo ein dicker Mann mit einem Mikrofon in der Hand erschien und das Publikum schweigend ansah.

»Es geht los«, flüsterte Marlies aufgeregt. »Der Mann auf der Bühne ist Selbstmord-Daddy.«

Gleich …, dachte Thomas nervös, … werde ich das erste Mal in meinem Leben sehen, wie sich ein Mensch selbst umbringt.

»Suizid ist nicht strafbar«, intonierte der Dicke mit fester Stimme und sah den Gästen in den ersten Sitzreihen dabei tief in die Augen. »Selbst eine Teilnahme oder die Beihilfe ist straffrei. Das einzige, das nicht passieren darf, ist eine direkte Einflussnahme auf die Selbsttötung. Doch unsere Kandidaten machen alles allein, keiner hilft ihnen beim Sterben. Wir sehen nur zu …«

Er betonte den letzten Satz theatralisch und wartete einen Augenblick, bis das Flüstern der Zuschauer verebbte. »Ich begrüße euch zur heutigen Aufführung im Selbstmordcafé. Es wird spektakulär werden, das kann ich euch versprechen. Ihr werdet dabei zusehen, wie Leben enden. Gevatter Tod wird die Bühne betreten und für einen Moment unter uns weilen.«, flüsterte er in einem verschwörerischen Tonfall. «Ihr seid heute Zeugen, wie sich drei Menschen das Leben nehmen. Erlebt gleich hautnah die letzten Momente ihres Daseins.« Er holte Luft und musterte den Großteil der anwesenden Gäste mit einem ernsten Gesichtsausdruck. »Macht euch auf das Schlimmste gefasst. Die Zeit ist gekommen, dem Tod ins Antlitz zu sehen. Petra M. wird sich vor unseren Augen mit Dynamit zerfetzen, Uwe L. hat vor, sich aufzuhängen und Ralf K. beabsichtigt, sich die Pulsadern aufzuschneiden.«

Ein Raunen ging durchs Publikum.

»Das ist krank«, schrie ein Mann.

»Wieso bist du dann hier, Arschloch?«, antwortete eine Frau.

»Fangt endlich an!«

Geduldig wartete Selbstmord-Daddy, bis ihm die Zuschauer wieder seine volle Aufmerksamkeit schenkten. Dann hob er beide Arme, um den Gästen, die noch miteinander flüsterten, zu signalisieren, dass ab sofort absolute Ruhe zu herrschen hatte.

»Unser erster Kandidat ist eine Frau. Petra ist eine arme Seele, die schon lange nichts mehr vom Leben erwartet. Sie fühlt sich als Versagerin und möchte einfach nur sterben.« Er senkte seine Stimme, um ihr mehr Substanz zu verleihen, und schilderte Petras bisheriges Leben. »Zwei Scheidungen, eine Fehlgeburt und keine einzige Freundin, bei der sie sich ausweinen kann. Petra findet ihr verfluchtes Leben nicht mehr lebenswert und will es heute vor unseren Augen beenden. Sie wird sich eine Dynamitstange in den Mund stecken und sich zerfetzen lassen.«

Hinter Marlies und Thomas klatschte jemand verhalten. Ansonsten herrschte atemlose Stille im Raum.

»Seid ihr bereit für unsere erste Selbstmordkandidatin?«, brüllte Selbstmord-Daddy ins Mikrofon. »Oder bekommt ihr nun doch kalte Füße?« Er wartete einige Sekunden, um die knisternde Spannung im Raum zu erhöhen. »Denn noch habt ihr die Möglichkeit, die Vorstellung zu verlassen.«

Niemand rührte sich.

»Was darf ich Ihnen zu trinken bringen?«, riss eine angenehme Stimme Thomas aus seinen Gedanken.

»Ich … ähm … nehme ein Bier. Danke!« Er sah zu Marlies hinüber, die den Kopf schüttelte und mit der rechten Hand abwehrte. »Für mich nichts!«

Die Bedienung nickte und verschwand.

»Okay, ihr habt es nicht anders gewollt«, sagte Selbstmord-Daddy. »Dann begrüßen Sie zusammen mit mir – Petra!« Er trat zur Seite und wartete, bis eine kleine, zierliche Frau am hinteren Teil der Bühne erschien und sie mit langsamen Schritten und gesenktem Kopf betrat.

Niemand im Publikum gab einen Ton von sich. Jeder beobachtete, wie die erste Kandidatin an Selbstmord-Daddy vorbei ging und nach vorn an den Bühnenrand trat.

Ein Geräusch ließ Thomas zusammenzucken.

»Ihr Bier«, flüsterte die Kellnerin.

Thomas bedankte sich mit einem Nicken und nahm nervös einen Schluck, bevor er das Glas auf den Boden zwischen seine Füße stellte.

Die Frau auf der Bühne war sichtlich nervös, was man an den Schweißtropfen auf ihrer Stirn und den flatternden Augenlidern erkennen konnte.

»Mein Name ist Petra«, stellte sie sich mit leiser Stimme vor. Ein Mann in einer der hinteren Reihen hüstelte.

»Warum wollen Sie sterben?«, fragte eine Frau lautstark.

»Ich habe Angst«, sagte Petra und schaute eine Weile ins Publikum. Sie musterte jedes einzelne Gesicht, als wäre es für sie von Bedeutung, wer bei ihrem Tod zusah. Dann griff sie in die hintere Tasche ihrer Jeans und holte eine Dynamitstange hervor, die sie mit zitternder Hand hochhielt. Sie schluchzte leise und begann zu weinen. Für einen Moment dachte Thomas, die Frau würde einen Rückzieher machen, aber dann kniete sie sich ans Ende der Bühne und hielt die Dynamitstange ins Publikum.

»Hat jemand Feuer für mich?«, sagte sie mit einem schauderhaft wirkenden Lächeln auf den Lippen, als hätte sie diese Frage als kleinen Scherz einstudiert. Es wirkte grotesk und verursachte Thomas einen Schauer im Nacken. Ein Mann aus der ersten Reihe erhob sich und trat vor die Selbstmörderin, die ihm den Sprengstoff entgegenhielt.

»Wollen Sie das wirklich tun?«

Petra presste die Lippen fest aufeinander und nickte. Der Gast holte ein Feuerzeug aus seiner Jacke und setzte die Zündschnur in Brand. Thomas hörte, wie sich eine Frau in der Reihe hinter ihm übergab. Ein unangenehmer Gestank breitete sich sofort aus. Petra war in der Zwischenzeit in die Mitte der Bühne gegangen und hielt noch immer die Dynamitstange in die Höhe. Das leise Zischen der Lunte klang unnatürlich laut. Wie in Zeitlupe öffnete Petra ihren Mund und steckte sich die Stange zwischen die Zähne. Die Zuschauer in den vorderen Reihen hielten durchsichtige Schirme schützend über sich, die vom Veranstalter genau für diesen Zweck bereitgestellt wurden. Selbstmord-Daddy hatte mittlerweile das Podium verlassen und auf einem für ihn reservierten Platz rechts neben der Bühne Platz genommen. Irgendwo wimmerte leise eine Frau im Publikum, ansonsten herrschte eine nahezu unheimliche Stille.

Als die Lunte fast abgebrannt war, versprühte sie einige hellere Funken und tauchte das Gesicht der Selbstmörderin in ein fahles Licht.

»Sieh nur, ihre Augen«, flüsterte Marlies, doch Thomas beobachtete fasziniert und geschockt zugleich, wie das Feuer das Ende der Zündschnur erreichte.

Petra schluckte, dann detonierte der Sprengsatz in ihrem Mund mit einem lauten Knall. Der Schädel der Frau zerbarst wie eine Melone und ein Schwall aus Blut und Gehirn spritzte über die Bühne. Petras Körper leuchtete für einen Sekundenbruchteil aus dem Inneren, bevor er wie der Schädel explodierte und sich ein Regen aus Knochensplittern und Innereien über das Publikum ergoss.

Thomas duckte sich instinktiv, als zerfetzte Gedärme und Innereien in seine Richtung flogen. Fast wäre er dabei mit seinem Stuhl zur Seite gekippt. Die durch die Detonation verursachte Stoßwelle riss die Hälfte der Gäste in den ersten beiden Reihen von den Stühlen. Die Schirme halfen hier wenig. Rechts neben Thomas stieß Marlies einen schockierten Schrei aus, während auf der linken Seite zwei oder drei Gäste von ihren Stühlen aufsprangen und entsetzt die Flucht ergriffen.

Thomas beobachtete, wie sich eine ältere Frau hysterisch schreiend das linke Auge zuhielt. Anscheinend war sie von einem Knochensplitter oder einem anderen Stück der detonierten Petra getroffen worden, denn ihre gesamte linke Gesichtshälfte war blutüberströmt.

Ein scharfer Brandgeruch, vermischt mit dem metallisch-süßlichen Duft von frischem Blut, breitete sich aus und löste bei den Anwesenden einen Hustenreiz aus. Die Zuschauer in der ersten Reihe hatten allesamt die Flucht ergriffen und sich links und rechts neben der Bühne versammelt. Bei zwei Frauen und einem Mann konnte Thomas erkennen, dass sie sich vor Angst in die Hosen gepinkelt hatten.

An der Stelle, an der bis vor wenigen Augenblicken noch Petra gestanden hatte, befand sich nur noch ein blutiger Brei.

Es war ein Fehler, hierher zu kommen, dachte Thomas.

Er hörte hinter sich erneutes Würgen. Zwei weitere Gäste verließen schockiert den Raum. Thomas fragte sich, ob sie lebend am Türsteher vorbeikamen, der mit Sicherheit dafür sorgen würde, dass solche Vorfälle bei Selbstmord-Daddys Veranstaltungen nicht an die Öffentlichkeit gelangten. Marlies saß bewegungslos auf ihrem Stuhl und beobachtete die Reaktionen des Publikums.

Selbstmord-Daddy hatte die Bühne wieder betreten. Während Mitarbeiter die Überreste des Selbstmordopfers beseitigten, wandte sich der Mann an das mutige Publikum, das nicht die Flucht ergriffen hatte.

»Was für ein Spektakel«, sagte er mit Begeisterung in der Stimme, als hätte ihn Petras Tat tatsächlich hervorragend unterhalten. »Ihr seht, ich habe nicht zu viel versprochen.« Grinsend drehte er sich nach den Reinigungskräften um und wandte sich dann wieder an die Zuschauer, die vereinzelt ihre Plätze einnahmen, nachdem sie sich notdürftig gesäubert hatten. »Wir machen eine kurze Pause, bevor es weitergeht.«

»War das nicht schrecklich?«, wandte sich Marlies an Thomas und wischte sich kleine Fleischfetzen aus dem Gesicht.

»Ich glaube, ich habe genug gesehen«, antwortete Thomas. »Das hier ist nichts für mich.«

»Sie werden Sie aber nicht gehen lassen«, warnte ihn Marlies. »Sie sorgen dafür, dass alles geheim bleibt und nichts auffliegt. Bleiben Sie hier, Thomas, sonst sind Sie tot. Wer die Aufführung vorzeitig verlässt, wird kaltgemacht.«

Mit zitternden Knien nahm Thomas wieder Platz und hielt sich den Kopf. »Das ist das Schlimmste, das ich je gesehen habe«, wimmerte er. »Ich kann mir das nicht weiter ansehen.«

»Es ist aber zu spät«, antwortete Marlies und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Keiner kommt hier lebend raus, wenn er nicht bis zum Ende bleibt und die Verschwiegenheitserklärung unterschreibt.« Marlies beugte sich vor, um Thomas in die Augen zu sehen. »Haben Sie ihren Blick gesehen, als sie starb?«

Thomas schüttelte den Kopf. Er bemerkte, wie die beiden Gäste, die die Veranstaltung verlassen wollten, ängstlich auf ihre Stühle zurückkrochen.

»Sie hat mich direkt angesehen«, sagte Marlies fasziniert. »Ich habe gespürt, was sie in jenem Moment fühlte.«

»Schwachsinn! Sie hat sich einfach umgebracht.«

»Ich habe etwas gefühlt«, behauptete Marlies vehement und sah ihn ernst an. »Ich habe das schon öfter erlebt, müssen Sie wissen.« Sie sah zur Bühne und dann wieder zu ihm. »Was haben Sie gespürt, als sie es tat?«

Thomas hob die Schultern. »Keine Ahnung. Es … hat mich geschockt.«

Auf der Bühne war unterdessen eine Vorrichtung aufgebaut worden, die wie ein Galgen aussah. »Uwe war schon als Kind feinfühlig und suizidgefährdet«, stellte Selbstmord-Daddy den nächsten Kandidaten vor. Die Zuschauer hatten ihre Plätze wieder eingenommen. Unter den Geruch von Feuer, Erbrochenem und Blut hatte sich das eigentümliche Aroma von Urin gemischt.

»Uwe musste mit vielen Schicksalsschlägen fertig werden. Er wolle unbedingt sterben, schrieb er mir in einer E-Mail, als er sich für unsere Veranstaltung bewarb.« Selbstmord-Daddy fingerte einen Zettel aus der Brusttasche seines Hemdes und las den Text laut vor. »Ich sehne mich nach dem Tod, deswegen bitte ich Sie, mich auf Ihre Bühne zu lassen. Geben Sie mir eine Chance.« Selbstmord-Daddy steckte den Zettel zurück in die Brusttasche und machte eine einladende Handbewegung hinter die Bühne. »Und hier ist er. Uwe!«

Ein paar der Zuschauer klatschten.

Uwe machte einen äußerst labilen Eindruck, als er auf die Bühne kam und das Publikum mit einer schweigsamen Verbeugung begrüßte. Ein Mann mit einer schwarzen Kapuze erschien und knotete eine Schlinge, wie sie bei Hinrichtungen durch Erhängen üblich war. »Uwe wird gleich von diesem Podest hier springen …«, der Henker deutete erklärend auf ein etwa zweieinhalb Meter hohes Podest, während er weiter die Schlinge bearbeitete. »Durch sein Gewicht wird sich diese Schlinge zusammenziehen und die Luftzufuhr zur Lunge und die Blutzufuhr zum Gehirn unterbinden. Das Ganze führt dann zu einem langsamen und qualvollen Tod durch Strangulieren. Oder er bricht sich das Genick. Wir werden gleich sehen, was passiert.«

Der Selbstmordkandidat stand bewegungslos am Rand der Bühne und starrte ausdruckslos ins Publikum. An seiner Stirn pulsierte eine Ader.

Der Henker schloss seine Vorbereitungen ab, befestigte den Strick am Galgen und prüfte seinen Halt. Dann geleitete er Uwe mit festem Griff zum Podium. Aus dem Zuschauerraum kam kein Geräusch. Das Scharren der Schritte, als der Selbstmörder bedächtig die hölzerne Treppe empor stieg, war überlaut zu hören. Oben angekommen, legte er sich selbst die Schlinge um den Hals und stellte sich an den Rand der Plattform.

»Ihr seid Schweine«, brach er sein Schweigen und sah in die erwartungsvollen Gesichter der Zuschauer. »Ihr wollt den Tod gescheiterter Existenzen sehen. Das ist so pervers wie im alten Rom. Ihr zahlt sogar dafür, dass ihr Menschen beim Sterben zuschauen könnt. Ihr seid abartig.« Seine Stimme hatte sich in ein hysterisches Kreischen verwandelt. »Schweine!«, brüllte Uwe noch einmal und schloss dann die Augen. Fast zwei Minuten stand er regungslos in zweieinhalb Metern Höhe vor dem gebannten Publikum. Dann riss er die Augen auf und ein irres Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab.

»Jetzt mach schon«, schrie ein Gast.

»Fickt euch!«, schrie Uwe. »Fick dich, Leben!«

Dann sprang er ohne Vorwarnung. Sein Körper bäumte sich auf, als sich der Strick spannte und die Schlinge zusammenzog. Uwe hatte Pech. Sein Genick war nicht gebrochen, er strampelte wild mit den Beinen. Das Leben würde langsam und qualvoll aus ihm weichen.

Sein Gesicht wurde knallrot und seine Zunge quoll mit einem schauerlichen Rülpslaut aus dem Mund. Sein Körper krampfte unkontrolliert und der arme Kerl riss hektisch an seiner Kleidung. Als würde er im Augenblick seines Todes einen Orgasmus durchleben, zuckten seine Muskeln konvulsivisch, während er am Strick hin und her baumelte. Seine Augen weiteten sich, als sähe er plötzlich Welten, die noch nie ein Lebender zuvor erblickt hatte.

»Seine Augen«, flüsterte Marlies.

Auch dieses Mal achtete Thomas nicht auf Marlies‘ Bemerkung, sondern verfolgte den Todeskampf des Selbstmörders. Die Hose verfärbte sich im Schritt, als Uwe seine Blase nicht mehr kontrollieren konnte. Mit einem lauten Furzen entleerte sich Sekunden später auch sein Darm und verbreitete einen fürchterlichen Gestank im Raum. Nach weiteren unkontrollierten Zuckungen erschlaffte sein Körper endlich und nur das Tröpfeln seiner Ausscheidungen war zu hören, bevor ein erneuter Tumult unter den Zuschauern auszubrechen drohte.

»Ruhe«, schrie Selbstmord-Daddy ins Mikrofon. »Ihr wolltet es doch sehen. Ihr habt dafür bezahlt.«

Einige schüttelten den Kopf und erhoben sich, um den Raum zu verlassen. Stühle wurden zur Seite gerückt und ein Dutzend Zuschauer liefen zum Ausgang.

»Das Publikum reduziert sich.« Thomas drehte sich zu Marlies. »Haben Sie in seinen Augen auch etwas gesehen?«, wollte er wissen.

Sie nickte. »Habe ich. Und Sie werden sehen, dass die Leute, die abhauen wollen, schon bald wieder auf ihren Stühlen sitzen.«

Selbstmord-Daddy tippte auf das Mikrofon und wies die Anwesenden darauf hin, dass nach einer weiteren kurzen Pause der letzte Kandidat die Bühne betreten würde. Thomas griff nach seinem Bier und trank es mit einem einzigen Schluck aus. Die vereinzelten Fleischfetzen der Selbstmörderin, die darin schwammen, bemerkte er nicht. Aus dem Augenwinkel sah er den Glatzkopf, der ihn vorhin hereingelassen hatte. Der Türsteher ließ seinen Blick suchend über die Köpfe der Anwesenden schweifen und blieb dann auf Thomas haften.

Thomas spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror. Wie von Marlies vorausgesagt, erschienen die sechs Zuschauer, die den Raum verlassen hatten, wieder im Raum und setzten sich. Ihre Gesichter wirkten bleich.

Sie lassen niemanden raus. Marlies hat recht. Thomas wurde schwindlig. Plötzlich war er vollkommen davon überzeugt, Teil eines Albtraums zu sein. Warum sah ihn der Türsteher so an? Ahnte er von seinen Selbstmordgedanken und wollte ihn auf die Bühne zerren?

Auf dem Podium passierte wieder etwas. Selbstmord-Daddy griff nach dem Mikrofon und kündigte den letzten Selbstmörder des Abends an.

»Ralf hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, sich selbst das Leben zu nehmen, obwohl er erst dreizehn Jahre alt ist.«

»Ein Kind?«, flüsterte eine Frau entsetzt, die zwei Stühle neben Thomas saß.

»Es begann alles mit dem schrecklichen Verkehrsunfall vor einem Jahr, bei dem er beide Elternteile verloren hat«, erzählte Selbstmord-Daddy. »Ein Lastwagen bremste bei hoher Geschwindigkeit abrupt vor dem Fahrzeug seiner Eltern. Ralfs Vater wurde aus dem Auto geschleudert und von einem entgegenkommenden Fahrzeug buchstäblich zerfetzt, während seiner Mutter, die am Steuer saß, das Lenkrad den Brustkorb derart zerschmetterte, dass Knochensplitter sowohl Lunge als auch Herz so schwer verletzten, dass der Tod innerhalb weniger Augenblicke eintrat.«

»Ein Kind darf sich nicht selbst töten«, vernahm Thomas wieder die aufgebrachte Stimme der Frau. »Kinder können doch solche Entscheidungen überhaupt nicht treffen«, versuchte sie die Ansage auf der Bühne zu übertönen.

»Ja, sie hat recht«, meldete sich ein Mann aus einer der hinteren Reihen zu Wort. »Das geht zu weit.«

Selbstmord-Daddy unterbrach seine theatralische Darbietung der Lebensgeschichte des jungen Ralf und schüttelte den Kopf. »Mir hat hier keiner was zu sagen.« »Keine Kinder!«, wiederholte die Frau noch etwas lauter.

»Wenn er nicht mehr leben will, soll er sich doch seine Pulsadern aufschneiden«, schrie jetzt ein Mann aus der ersten Reihe. »Wenn er es nicht hier tut, macht er es woanders. Es ist doch seine Entscheidung.«

Das Publikum schien sich in zwei Lager zu spalten. Die einen wollten den Jungen vor einer Dummheit bewahren, die anderen waren der Meinung, dass es jedem selbst überlassen sein sollte, sich zu töten. Selbst wenn man noch jung war.

Thomas bemerkte, wie ein männlicher Gast aus dem Publikum auf eine Frau losging, die sich nicht von ihrer Meinung abbringen ließ, dass Kinder im Selbstmordcafé nichts verloren hätten. Ein kurzer Schlagabtausch folgte, bei dem sich ein weiterer Mann einmischte. Thomas richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Bühne.

»Ralf überlebte den Unfall«, fuhr Selbstmord-Daddy mit seiner Vorstellung fort. »Aber sein Leben veränderte sich. Er landete in einem Heim, verlernte die Fähigkeit, das Leben zu genießen, und verlor sämtliche Hoffnungen auf eine schöne Zukunft, die es wert wäre, gelebt zu werden. Und jetzt ist er hier bei uns: Ralf!«

Der Junge, der die Bühne betrat, sah einsam und verloren aus. Seine Haare hingen ihm wirr in die Stirn und seine Augen wirkten leblos wie die eines Stofftieres. In seiner rechten Hand hielt er ein Skalpell, das er unbeholfen in die Höhe hielt, als wüsste er nicht so recht, was er damit anfangen sollte.

»Ihr nennt es Leben, ich nenne es Hölle«, sagte er emotionslos. »Schlimmer als das Leben kann der Tod nicht sein!«

Er schloss die Augen und setzte die Klinge des Skalpells auf seinem linken Unterarm an.

»Nun mach schon!«, brüllte ein Mann aus dem Publikum. Ralf drückte die Klinge ins Fleisch und verzog schmerzerfüllt das Gesicht. Dunkles Blut quoll aus der Wunde.

Thomas beobachtete, wie eine Frau aus der ersten Reihe auf die Bühne sprang. Sie riss dem Jungen das Skalpell aus der Hand, bevor dieser reagieren konnte, und warf es ins Publikum.

»Keine Kinder!«, brüllte sie unter Tränen.

Ralf schrie wütend auf und stieß die Frau zur Seite. »Wieso hast du das getan? Wieso?« Er sah sich verzweifelt nach Selbstmord-Daddy um, der ihm ein Ersatzskalpell zuwarf. Doch bevor Ralf es aufheben konnte, griff einer der männlichen Gäste danach und stach damit unbeherrscht auf eine Frau ein, die auf ihn einprügelte.

Unruhe erfasste wellenartig das Publikum. Einige Zuschauer hatten sich erhoben und standen unschlüssig da, als überlegten sie noch, in das Geschehen einzugreifen.

»Warum lasst ihr den Jungen nicht machen, was er will?«, keifte eine Frau.

»Zu jung«, antwortete ein bärtiger Mann und schlug der Frau mitten ins Gesicht. Ein hässliches Knacken war zu hören, als das Nasenbein der Frau zersplitterte. Ein Schwall Blut schoss aus ihrem Gesicht und besprenkelte den Mann von oben bis unten.

Thomas sah, wie ein älterer Mann mit dem Skalpell, dass die Frau von der Bühne geworfen hatte, auf einen anderen Gast losging. Er spürte einen festen Griff an seinem Oberarm und wurde zur Seite geschleudert. Der Tumult im Publikum nahm zu. Die Menschen gingen aufeinander los, schlugen und kratzten sich. Einige liefen hinter die Bühne, um sich Waffen zu besorgen, die eigentlich für die Selbstmörder vorgesehen waren.

Panik brach aus. Rasender Lärm erfüllte den Raum. Thomas sah, wie sich Ralf von der Bühne schleppte. Der geplante Selbstmord des Jungen war missglückt, dafür wurde er zum Auslöser dieses Massakers. Überall lagen verletzte Menschen am Boden und rangen mit dem Tod. Selbstmord-Daddy lief auf die Bühne, um mithilfe des Mikrofons für Ruhe zu sorgen. Dicht neben ihm kämpften zwei Männer miteinander, die sich gegenseitig die Augäpfel in den Schädel drückten. Thomas wandte sich schockiert ab, als es einem der beiden gelang, seine Daumen ins Innere des Kopfes seines Gegners zu pressen. Rötlicher Schleim quoll hervor und während das Opfer vor Qualen schrill schrie, übergab sich der andere.

Thomas sah sich nach Marlies um, die mit eingeschlagenem Schädel zwischen den Stühlen der zweiten und dritten Reihe lag. Mit einem unartikulierten Laut kniete sich Thomas neben die Frau und hob ihren Kopf an. Blut sickerte zwischen seinen Fingern hindurch.

Der Lärm dröhnte in Thomas’ Ohren und ihm wurde schwindlig. Die Lage war völlig außer Kontrolle geraten. Als er in Marlies‘ Augen sah, vermeinte er, sein Gesicht zu erkennen, wie es sich darin spiegelte. Doch bevor er mit einem schwachen Lächeln darauf reagieren konnte, verspürte er einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf. Ein bestialischer Schmerz durchzuckte seinen Schädel und eine warme Flüssigkeit sickerte in seinen Nacken. Thomas stöhnte und sackte zusammen. Bilder aus seinem Leben wirbelten durch seine Gedanken. Mit einem harten Ruck, der seinen Oberkörper nach hinten riss, wurde der Film abrupt unterbrochen.

Die Umgebung versank in einem tiefen Dunkelrot, in dessen Mitte Thomas vage die Umrisse einer Axt erkannte, die soeben aus seinem Hinterkopf gezogen wurde.

Dann war er tot …

Während ein paar Mitarbeiter die Leichen der Zuschauer zur Seite schafften, verließen ein Dutzend überlebender Gäste den Raum, um die Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Selbstmord-Daddy wischte gemeinsam mit dem Rest seiner Angestellten routiniert das Blut vom Boden.

Eigentlich eine Veranstaltung wie immer, nur wurde dieses Mal eine seiner Stammkundinnen getötet: Marlies.

Aber die Show musste weitergehen. In zwei Wochen würde die nächste Veranstaltung stattfinden, die Kandidaten und das Publikum standen schon seit Monaten fest.


Diese Geschichte findet ihr in:

Autor: Wolfgang Brunner
Genre: Horror
Umfang: 296 Seiten
Format: 22,9 x 15,2 cm
Ausführung: Taschenbuch
ISBN: 978-3959570145

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