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Draculas Rückkehr

Nachdem BLUT FÜR DRACULA (Originaltitel: DRACULA – PRINCE OF DARKNESS) an den Erfolg seines Vorgängers DRACULA an den Kinokassen anknüpfen konnte, hatte das britische Filmstudio Hammer Blut geleckt und plante mit DRACULAS RÜCKKEHR (Originaltitel: DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE) bereits den nächsten Dracula-Film. Den dritten Film der Dracula-Reihe.

draplakatDRACULAS RÜCKKEHR stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Zwar war der Film bereits in die USA verkauft worden, doch weder hatten die Dreharbeiten zum Film begonnen, noch stand fest, ob Christopher Lee (1922-2015) erneut für die Rolle des Dracula zur Verfügung stand.

Als die Dreharbeiten zu dem Film schließlich beginnen sollten, fiel Terence Fisher (1904-1980) aufgrund eines Unfalls als Regisseur aus und musste durch Freddie Francis (1917-2007) ersetzt werden. So begannen die geplanten Dreharbeiten zum Horrorfilm anstatt am 18. März 1968 erst am 22. April 1968 und konnten am 4. Juni 1968 abgeschlossen werden.

Das schwache Drehbuch, das Anthony Hinds (1922-2013) unter dem Namen John Eldar geschrieben hatte, war zudem auch nicht das Gelbe vom Ei. So kann die Drehbuchhandlung des Films im Grunde in wenigen Sätzen beschrieben werden.

Weil Monsignore Ernst Müller (Rupert Davies) mit einem geweihten Kreuz Dracula den Eingang zu seinem Schloss verwehrt hat, will sich der Vampir für diese Schmach bitter an dem Geistlichen rächen.
So begibt sich Dracula mit dem Dorfpriester (Ewan Hopper), den er durch seine hypnotischen Kräfte in seine Gewalt gebracht und zu seinem Diener gemacht hat, in die Heimatstadt des Monsignore und macht sich an dessen Nichte Maria (Veronica Carlson) ran.
Müller versucht seine Nicht zwar zu retten, bezahlt seinen Einsatz, nachdem er von dem Dorfpriester niedergeschlagen wurde, mit seinem Leben. Nun ist es an Marias Freund Paul (Barry Andrews), die junge Frau vor Dracula zu beschützen. Doch der hat damit so seine Probleme.

Doch nicht nur Paul, auch der Film selbst hatte mit einigen Problemen zu kämpfen. Das fängt mit dem schwachen und handlungsarmen Drehbuch an und hört mit den eher blassen Schauspielern des Films auf.

Damit Christopher Lee seine dämonische Präsenz als Graf Dracula entfalten kann, braucht er starke Gegenspieler. Doch die fehlen in DRACULAS RÜCKKEHR gänzlich.
drarueckDenn weder der Schauspieler Rupert Davies (1916-1976) als Monsignore Ernst noch Barry Andrews als Paul können Peter Cushing als Van Helsing bzw. den ebenso brillanten Andrew Keir als Abt Shandor das Wasser reichen, da Davis und Andrews die nötige Leinwandpräsenz und Darstellungskraft fehlen. Damit fällt natürlich auch die Leistung Christopher Lees als Vampir stark ab, der diese aber durch einige Szenen und durch seine Mimik etwas ausgleichen kann.

Auch Veronica Carlson ist kein positiver Aspekt des Films. Die Blondine ist kein Ersatz für die brillante Barbara Shelley (Blut für Dracula) oder für die Schauspielerin Melissa Stribling.

Alles in allem wirkt DRACULAS RÜCKKEHR trotz seiner nur 90 Minuten sehr langatmig. Zudem fehlt dem Film der richtige Pepp. Zudem gelingt es dem Regisseur Freddie Francis nicht, den zeitlosen Gothic-Stil der beiden Dracula-Vorgänger oder überhaupt der früheren Hammerfilme einzufangen. Was ebenfalls ein Manko des Hammer-Films ist.
Hinzu kommt, dass das Spiel mit dem Licht im Film auch eher lächerlich wirkt. So ist Christopher Lee als Graf Dracula ständig in rotes Licht gehüllt. Dadurch nimmt sein Gesicht eine nicht ernst zunehmende grünliche Färbung an.

Die einzig wirklich interessante Szene im Film ist, als Paul versucht, Dracula mit einem riesigen Holzpflock zu pfählen (doch selbst das gelingt ihm nicht) und ihn danach mit einer Schaufel heißer Kohlen attackiert. Das war es dann auch schon wieder.
Auch weist der Film viele Ungereimtheiten und Lächerlichkeiten auf. Schon zu Beginn fragt man sich, als der Dorfpriester eine tote Frau hängend unter der Kirchenglocke findet, wie es Dracula gelungen ist, überhaupt in eine Kirche einzudringen.
Als der Dorfpriester stürzt, verletzt er sich nicht nur, sondern fällt auch genau an den Rand des zugefrorenen Baches, wo Dracula unter der Eisfläche gefangen ist. Durch den Fall des Priesters bilden sich natürlich Risse auf der Oberfläche des Eises, wodurch das Blut des Dorfpfarrers natürlich geradewegs in den Mund von Dracula fließt. Wohin auch sonst?

Nachdem der Dorfpriester aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist von seiner Wunde jedoch nichts mehr zu sehen. Zudem ist Graf Draculas Spiegelbild seltsamerweise im Wasser des Baches durch den Priester zu erkennen.
Auch das Ende von Dracula kann dämlicher nicht sein. Der Vampir stürzt in die Tiefe, wo er natürlich vom Riesenkruzifix, das vor ihm heruntergestürzt ist, durchbohrt wird und zerfällt danach zu Staub.

Dämlicher kann es nicht werden?

O doch, es konnte!

Die beiden Dracula-Nachfolger WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? bzw. DAS BLUT VON DRACULA (1969) sowie DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS (1970) bewiesen, dass die Macher von Hammer, hier insbesondere Anthony Hinds mit seinen Drehbüchern, noch einfallsloser – auch in Bezug auf das Erwecken und die Tötung Draculas – sein konnten.

Trotz all dieser Mankos war dem Film DRACULAS RÜCKKEHR jedoch ein finanzieller Erfolg an den Kinokassen beschieden, da er von den Erfolgen seiner beiden Dracula-Vorgänger zehren konnte. Bei seinen Nachfolgern sah die Sache dagegen schon ganz anders aus.
Erst der Film DRACULA JAGT MINIMÄDCHEN (Originaltitel: DRACULA A. D. 1972) beschritt neue Wege und hätte der Dracula-Serie und Hammer durchaus neue Impulse geben können.

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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