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Dracula – Nächte des Entsetzens

Trotz des Flops von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA, änderten oder modernisierten die Hammer Studios leider nicht ihr Konzept ihrer Dracula-Filme, sondern sponnen die Geschichte der Vorgängerfilme einfach munter weiter.

Dracula ist zwar mal wieder vernichtet worden. wird aber durch einen dummen Zufall wieder zum Leben erweckt. Diese Auferstehungskonzept wirkt aber nach drei Dracula-Filmen ziemlich ausgelutscht.

Als Regisseur von SCARS OF DRACULA wurde Roy Ward Baker (1916-2010) verpflichtet, der 1967 mit dem Film DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (Originaltitel: QUATERMASS AND THE PIT) sein Hammer-Debüt gegeben hatte.

 

Michael Gwynn (Priester)

Michael Gwynn (Priester)

Eine große Fledermaus fliegt in die verlassene Kirche und über den dortigen Altar, auf dem die Überreste Draculas nach dessen Vernichtung (siehe WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA) liegen. Nachdem Blut aus dem Mund des Tieres auf die rote Asche Draculas tropft, wird der Vampir wieder zum Leben erweckt.
Nachdem eine junge Frau das Opfer von Dracula wird, stürmen die Männer des Dorfes das Schloss des Vampirs und brennen es nieder.
Doch Dracula entkommt und nimmt fürchterliche Rache. Er lässt alle Frauen des Dorfes, die in der Dorfkirche auf die Rückkehr ihrer Männer warten, durch seine Fledermäuse töten.
Einige Jahre später. Paul Carlson (Christopher Matthews) lässt sich mit Alice, der Tochter des Bürgermeisters ein, und wird prompt erwischt. Daraufhin muss er von den Häschern des Bürgermeisters aus der Stadt fliehen.
Schließlich gelangt er auf seiner Flucht zum Schloss Dracula (das anscheinend nicht zerstört wurde), wo er von einem Mädchen namens Tania und von Graf Dracula freundlich aufgenommen wird.
Am Abend besucht ihn Tania in seinem Zimmer. Als die Frau Paul beißen will, taucht Dracula auf und ersticht die Frau.

Schöne Lady: Jenny Hanley

Schöne Lady: Jenny Hanley

Nachdem Paul spurlos verschwunden ist, macht sich Simon (Dennis Waterman) zusammen mit seiner Verlobten Sarah (Jenny Hanley) auf die Suche nach seinem Bruder.
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Dorf, erreichen sie schließlich das Schloss von Graf Dracula, wo sie übernachten. Bei der Durchsuchung des Schlosses findet er im Zimmer von Draculas Diener Klove (Patrick Troughton) Sachen seines Bruders. Nachdem er Klove damit konfrontiert hat, warnt er Simon vor Dracula und bittet ihn eindringlich das Schloss mit Sarah umgehen zu verlassen.
Daraufhin fliehen Simon und Sarah aus dem Schloss ins Dorf, wo er Hilfe vom dortigen Priester (Michael Gwynn) bekommt.
Nachdem Dracula Alice entführt hat, kommt es auf dem Schloss zum Zweikampf zwischen Simon und Graf Dracula. Als Dracula mit einer Eisenstange den jungen Mann durchbohren will, wird diese von einem Blitz getroffen. Dracula geht in Flammen auf und stürzt in die Tiefe
Das Drehbuch des Dracula-Langweilers DRACULA-NÄCHTE DES ENTSETZENS schrieb mal wieder ANTHONY HINDS (1922-2013) unter dem Pseudonym JOHN ELDER, der darin diverse Szenen und Handlungsstränge aus den Vorgängern der Dracula-Reihe verwurstete und sich dieser munter bedient.
Besonders auffällig in SCARS OF DRACULA sind die diversen Elemente aus DRACULA aus dem Jahre 1958. So. z. B. die Vampirfrau im Schloss. In DRACULA ist sie ohne Namen, in DRACULA-NÄCHTE DES ENTSETZENS heißt sie Tania. So heißt übrigens auch das Mädchen in DRACULA, die eine Begegnung mit der verwandelten Lucy hatte. Dann die Suche nach Simons Bruder. In DRACULA ist es Van Helsing, der nach Harker sucht. Dann haben wir die Zerstörung der Grenzschranke durch eine Kutsche, usw. usf.

Man merkt SCARS OF DRACULA leider deutlich an, dass der Horrorfilm der soundsovielte Dracula-Aufguss ist, der nur noch in der Lage ist, eine Vorgänger zu kopieren.
Hinzu kommt, dass die Darsteller des Films auch noch ziemlich müde und lustlos agieren. Das fängt bei Christopher Lee als Dracula an, und hört bei Dennis Waterman als Simon Carlson und Jenny Hanley als Sarah auf, die auch noch ziemlich blass wirken und einen gewissen 1970er Jahre Flair versprühen, der nicht so recht in den Dracula-Film hineingepasst, weil er, wie seine Vorgänger, ebenfalls in der Vergangenheit spielt.
Auch will in dem Film keine Gruselatmosphäre aufkommen, gerade weil SCARS OF DRACULA komplett der zeitlose Gothic-Stil von DRACULA und BLUT FÜR DRACULA fehlt.
All das wirkt sich negativ auf den Film aus, so dass es kein Wunder war, dass nach WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA auch DRACULA-NÄCHTE DES ENTSETZENS an den Kinokassen floppte.

Regisseur Roy Ward Baker

Regisseur Roy Ward Baker

Der Regisseur des Film, Roy Ward Baker, wurde am 19. Dezember 1916 in London geboren. Seinen Job lernte Baker von der Pike auf. 1934 fing er als Mädchen für alles bei den GAINSBOROUGH STUDIOS in London an. Vier Jahre hatte er es bis zum Regieassistent in dem Hitchcock-Film THE LADY VANISHES geschafft.

Während des Zweiten Weltkrieges diente Baker in der Army Kinematograph Unit. 1947 gab er in THE OCTOBER MAN (Zwielicht) sein Regie-Debüt.
Nach den Filmen THE WEAKER SEX (1948), PAPER ORCHID (1949), MORNING DEPARTURE (Die Nacht begann am Morgen, 1950), drehte Baker 1951 mit THE HOUSE IN THE SQUARE seinen vorerst letzten britischen Film.

1952 ging Roy Ward Baker in die USA, wo er mit DON’T BOTHER TO KNOCK (Versuchung auf 809) seinen ersten Hollywood-Film drehte. Es folgten die Hollywood-Streifen NIGHT WITHOUT SLEEP (1952) und INFERNO (1953).

Baker konnte allerdings in den USA nicht richtig Fuß fassen und kehrte Mitte der 1950er Jahre nach England zurück, wo er u. a. die Filme PASSAGE HOME(1955), TIGER IN THE SMOKE (Tiger im Nebel, 1956) und THE ONE THAT GOT AWAY (Einer kam durch, 1957) mit Hardy Krüger drehte.
1958 folgte mit A NIGHT TO REMEMBER (Die letzte Nacht der Titanic, 1958) einer seiner besten Filmen, der 1962 mit dem GOLDEN GLOBE nominiert wurde.
1962 gab der Regisseur in MILLION DOLLAR LIFT, einer Folge der Serie ZERO ONE, sein TV-Debüt.
Es folgten danach Regiearbeiten für TV-Serien wie THE SAINT (Simon Templar, 1963-1968), THE HUMAN JUNGLE (1964), GIDEON’S WAY (1965) oder THE AVENGERS (Mit Schirm, Charme und Melone (1965-1968).
Mitte der 1960er Jahre gründete er mit der ROY WARD BAKER PRODUCTIONS seine eigene Produktionsfirma, die aber mit TWO LEFT FEET nur einen einzigen Film, in dem Baker auch die Regie führte, produzierte.
1967 gab der Regisseur mit QUATERMASS AND THE PIT (Das grüne Blut der Dämonen) sein Hammer-Debüt.
Es folgten die Hammer-Filme JOURNEY TO MIDNIGHT (1968), THE ANNIVERSARY (1968), THE VAMPIRE LOVERS (Gruft der Vampire,1970) und SCARS OF DRACULA (Dracula-Nächte des Entsetzens, 1970) sowie DR. JEKYLL & SISTER HYDE (Dr. Jeckyll und Schwester Hyde, 1971).
Ein Jahr später drehte er mit ASYLUM, den ersten Film für den Hammer – Konkurrenten AMICUS PRODUCITONS“.
Es folgten die Amicus -Film THE VAULT OF HORROR (1973) und AND NOW THE SCREAMING STARTS (1973).
1974 drehte Baker mit THE LEGEND OF THE 7 GOLDEN VAMPIRES (Die 7 goldenen Vampire) seinen letzten Hammerfilm. Sechs Jahre später folgte mit THE MONSTER CLUB sein letzter Kinofilm.
1992 zog sich Baker nach seiner Regiearbeit in der Serie THE GOOD GUYS aus dem TV- und Filmgeschäft zurück. Roy Ward Baker verstarb am 5. Oktober 2010 im Alter von 93 Jahren in einem Londoner Hospital.

Dracula – Nächte des Entsetzens
(Scars of Dracula)
GB 1970

Stab
Regie: Roy Ward Baker
Drehbuch: John Elder
Produktion: Aida Young
Musik: James Bernard
Kamera: Moray Grant
Schnitt: James Needs

Darsteller
Christopher Lee als Graf Dracula
Dennis Waterman als Simon Carlson
Jenny Hanley als Sarah Framsen
Christopher Matthews als Paul Carlson
Patrick Troughton als Klove
Michael Gwynn als Dorfpriester
Anouska Hempel als Tania
Michael Ripper als Wirt
Wendy Hamilton als Julie
Delia Lindsay als Alice

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 96 Minuten

 

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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