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Dracula jagt Mini-Mädchen

Nach den beiden DRACULA-Flops WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA und DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS versuchten die britischen Hammer Studios mit dem sechsten Film aus der Dracula-Reihe das Steuer noch einmal herumzureißen und die Dracula-Verfilmungen endlich zu modernisieren.

Machte seine Sache gut: TV-Autor Don Houghton

Machte seine Sache gut: TV-Autor Don Houghton

Aus diesem Grund wurde für DRACULA A. D. 1972 der Regisseur Alan Gibson (1938-1987) verpflichtet, der 1970 mit dem Hammer-Film CRESCENDO – DIE HANDSCHRIFT DES SATANS sein Filmdebüt gegeben hatte. Gibson war seit 1964 als TV-Regisseur tätig gewesen und hatte in diversen britischen Serien und Fernsehfilmen Regie geführt.
Zudem war für das Drehbuch diesmal glücklicherweise nicht Anthony Hinds verantwortlich, sondern der TV-Autor Don Houghton (1930-1991), der für den sechsten Dracula-Film sein erstes Filmdrehbuch schrieb. Und Houghton machte seine Sache gut.

London im Jahre 1872. Dracula und sein Gegner Lawrence Van Helsing (Peter Cushing) tragen ihren letzten Zweikampf auf einer mit rasender Geschwindigkeit durch den Hyde Park fahrenden Kutsche aus, in dessen Verlauf das Gefährt mit den beiden Kontrahenten umstürzt.
Dracula (Christopher Lee) wird durch ein gesplittertes Rad gepfählt und Van Helsing bei dem Sturz tödlich verletzt. Bevor Lawrence stirbt, bemerkt er noch einen Reiter, der sich der Asche und des Siegelrings des Grafen Dracula annimmt.
Auf der Beerdigung von Lawrence Van Helsing taucht dieser Reiter erneut auf und vergräbt die Asche des Vampirs in der Nähe des Friedhofs in ungeweihter Erde.

Vorsicht, bissig: Dracula Christopher Lee) als Hahn im Korb

Vorsicht, bissig: Dracula Christopher Lee) als Hahn im Korb

100 Jahre später wird Dracula von Johnny Alucard (Christopher Neame) bei einer Schwarzen Messe zu neuem Leben erweckt, zu deren Teilnehmern auch Jessica Van Helsing (Stephanie Beacham) zählt, die Enkelin von Lawrence Van Helsing, einem Nachfahren Lorimars Van Helsings.
Während der Messe in der verlassenen Kapelle von St Bartolph kommt es zu einigen Komplikationenen, in deren Verlauf die Anwesenden fliehen, darunter auch Jessica und ihr Freund Bob (Philip Miller). Nur Laura (Caroline Munroe) bleibt zurück und wird von Dracula getötet. Ihre Leiche wird später von der Polizei entdeckt.
Der Leichenfund ruft Inspector Murray (Michael Coles) auf den Plan, der bei dem Mord einen okkulten Hintergrund vermutet. Er kontaktiert daraufhin Lorimar Van Helsing (Peter Cushing), einen Experten in Sachen Okkultismus, und verhört dabei auch Jessica als Zeugin, die ihrem Opa sowie dem Inspector alles erzählt, was auf der Schwarzen Messe passiert ist.
Nachdem Alucard Gaynor Keating (Marsha Hunt) tötet, Bob zum Vampir mutiert und Alucard sogar Jessica entführt, muss sich Lorimar Van Helsing schließlich Dracula stellen, dem Erzfeind seiner Familie, der Rache an den Van Helsings nehmen will.
In der verfallenen Kapelle St Bartolph kommt es schließlich zum finalen Kampf zwischen Dracula und Van Helsing.

Alan Gibson kann mit seiner Regiearbeit zu DRACULA A. D. 1972 durchweg überzeugen. Denn er kehrt mit dem sechsten Dracula-Film der Hammer-Studios (der unter dem bescheuerten Titel DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN in die deutschen Kinos kam) nicht nur zu den Wurzeln der Filme der Dracula-Reihe zurück, sondern kombiniert in dem Film geschickt den Gruselstil der früheren Hammer-Filme mit modernen Horror-Elementen.
So verpasst Gibson der eingefahrenen Dracula-Reihe neuen Schwung. Die Hippie-Szenen in DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN wirken allerdings aus heutiger Sicht etwas störend.
Auch die Rückkehr von Peter Cushing (1913-1994) als Van Helsing gibt dem Film das alte Hammer- und Dracula-Flair zurück, das man sonst nur aus den beiden Horror-Klassikern DRACULA und BLUT FÜR DRACULA kennt.

Dass Dracula etwas spät im Film auftaucht, stört im Gegensatz zu seinen Vorgängern in DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN nicht. Ganz im Gegenteil. Die Handlung des Films ist logisch aufgebaut und kann mit einigen Überraschungen aufwarten, auch in Gestalt des Dracula-Dieners Johnny Alucard (gespielt vom britischen Schauspieler Christopher Neame), dessen Familie schon seit langer Zeit dem Vampir zu Diensten ist.

Auch die übrigen Rollen des Films sind diesmal überzeugend besetzt. Hier seien vor allem Stephanie Beacham als Jessica van Helsing oder Michael Coles (1936-2005) als Inspector Murray erwähnt.

miniplakatWäre DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN nach DRACULAS RÜCKKEHR gedreht worden und in die Kinos gekommen, hätten die Hammer Studios das Ruder vielleicht noch einmal herumreißen können.
Doch den Bonus, den Hammer seit Ende der 1950er Jahre mit seinen Horrorfilmen verbuchen konnte, hatten die Studios leider durch die vorhergehenden Katastrophen-Draculas WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA und DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS verspielt.
Zudem hatten die letzten Flops auch am guten Image des Studios genagt und deutliche Spuren – auch finanzieller Art – hinterlassen.

Somit hatte die Rückkehr zu mehr Qualität sowie zu besseren Schauspielern bei den Dracula-Filmen der Hammer Studios leider keinen Erfolg mehr. Und so floppte auch DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN an den Kinokassen.

Dracula jagt Mini-Mädchen
(Dracula A.D. ’72)
GB 1972

Stab
Regie: Alan Gibson
Drehbuch: Don Houghton
Musik: Michael Vikkers
Kamera: Dick Bush
Schnitt: James Needs

Darsteller
Peter Cushing als Lawrence van Helsing / als Lorimar van Helsing
Christopher Lee als Graf Dracula
Stephanie Beacham als Jessica van Helsing
Michael Coles als Inspector Murray
Christopher Neame als Johnny Alucard
Caroline Munro als Laura Bellows
Marsha Hunt als Gaynor Keating
Philip Miller als Bob

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 91 Minuten

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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