Die Schrei-Maske: Und jetzt habt alle mal Angst

Irgendwie haben wir uns ja so ein bisschen todmüde gekreischt. Mittlerweile. Ist halt schon eine Weile her, die Sache mit dieser gewissen Schrei-Maske, die, kaum als brandaktuelles Sensenmann-Erkennungszeichen mit mörderischem Maler-Munch-Mund über die Leinwand gegangen, so bekannt wie der sprichwörtliche Hund war. Horrorhund natürlich. Wenn schon.

(c) Kinowelt Filmverleih

Ende der 1990er, am Anfang des Milleniums noch gilt die Maske aus Scream als Ur-Gag-Angst-Schrei-Knaller auf jeder Halloween-, Motto- und Karnevalsfeier einmal rund um den Erdball. Selbst Leute, die den Serienmord-Slasher selbst nie oder nur mit permanent zusammen gekniffenen Augen gesehen haben (gilt ja nun grundsätzlich auch), wissen sozusagen explizit, zu wem sie gehört: Zum wahnsinnigen Woodboro-Killer, besser bekannt als Ghostface, “Gruselgesicht” in der deutschen Synchronisation. Er selbst freilich ist nicht die Horror-Ikone. Das Rennen um Geschichte, Status und Legende macht zweifellos sie: Die Schrei-Maske. Wer immer sie sich aufsetzt, macht nicht auf Scream. Er, sie, es ist Scream. Ganz einfach.

Luxus-Blut-Variante

Gruselgesicht im Original trägt die Maske ohne unnötigen Firlefanz, da ist Verlass auf unverfälschte Bosheit. Auf heimischen und außerirdischen Parties darf die Maske, gemeinhin käuflich und bestehend aus weichem Vinyl, angenähter schwarzer Stoffkapuze und schwarzem Netz über den Seh-Höhlen, gern auch eklig bluten. Vorausgesetzt, man hat sich sich die Luxus-Variante geleistet, die Bloody-Scream, die durch eine Pumpe in Herz-Form Kunstblut auf Druck in einem Kreislauf über das maskierte Gesicht laufen lässt.

„Klasse Effekt“, meint der freundliche Nachbar mit dem wirren Blick, der sich auskennt und gleichwohl empfiehlt:

“Alles mit etwas Wasser verdünnen, dann hat man mehr Blut, und diese nervigen Schmatzgeräusche beim Pumpen verschwinden. Einziger Nachteil: Man schwitzt darunter wie in der Sauna.“

Egal auch. Dieser Wow-Effekt ist auf jeden Fall noch zu toppen, wenn man das lizensierte Scream-Messer Metallic bei sich trägt, das als Original-Imitat des 120 General der Marke Buck über den Ladentisch geht. Mit eben diesem Messer schlitzt, schneidet und schlachtet Ghostface. Gut? Willkommen im Club!

All diese vielen Irren

1996 brachte der begnadete Wes Craven (1939-2015), – Hügel der blutigen Augen, Das Ding aus dem Sumpf und, allem Alptraum und jedem Promi-Angstmacher voran, A Nightmare on Elm Street mit Freddy Krueger – , Scream in die Kinos. Tenor:

(c) Kinowelt Filmverleih

Ein wirrer Mörder hetzt (s)eine verwirrte Meute. Die blutige Jagd hat das klassisch-kultige Incognito-Potenzial, weil der Mörder bekanntlich sehr speziell maskiert ist. Panisches Rätselraten garantiert. So denn. Hatten wir alles zwar schon, aber versprochen wurde vor dem Filmstart, dass es anders wird. Sozusagen neu definiert. Musste es wohl auch. Immerhin mangelte es nach all den Jahren mit all den Irren, die zu Hammer, Säge, Axt und Messer greifen, um die unschuldige Jugend zu dezimieren, doch an Originalität.

Michael Myers und Jason Voorhees sind oft genug (schlecht!) kopiert und aufgewärmt worden, und die ewigen Gemetzel-Stories nach altem Muster verlangten nach frischen blutigen Brisen. Innovatives musste vernünftigerweise her. Eine Parodie gar, bei der das Lachen im Hals stecken bleibt. Also nicht wirklich ur- komisch. Eher verdammt spannend komisch. Mit berechtigtem Grund zum tatsächlichen Fürchten. Aber dabei denn doch komisch. Es sei aus Scream Grundlegendes zitiert:

„Es gibt gewisse Regeln, die man beachten muss, um in einem Horrorfilm zu überleben: 1. Enthalte dich jeder Form von Sex, Sex ist gleich Tod; 2. Nicht trinken und keine Drogen. Das alles fällt unter Sünde, Sünde ist die Erweiterung von Nummer 1; 3. Du darfst nie, niemals, unter keinen Umständen sagen: Ich komm gleich wieder! Denn du kommst nicht wieder! Jeden, der gegen die Gesetze verstößt erwartet der Tod!“

Scream ist grundsätzlich einer von schier unzähligen Slasher-Filmen jener Kategorie, in der die Teenager sexy, nervig, ein bisschen blöd und stets in Gefahr sind, auf unappetitliche Art umgebracht zu werden. Der besondere Killer-Kick daran: Scream macht sich über die düsteren, ernsten, bösen Genre-Vorreiter lustig, und zwar auf deutlich weniger düstere und ernste, aber eben gleichsam richtig böse Art. Gutes Konzept ergo. Das genial aufging und drei nicht minder erfolgreichen Fortsetzungen (1997, 2000 und 2011) den Weg ebnete. Und Ghostface durfte uns zum wiederholten Mal süffisant fragen, ohne dass wir die Augen verdrehten.:

„Magst Du Horrorfilme?“

Mögen wir. Ergo mögen wir auch Scream, diese etwas alberne und etwas mehr blutige, generell höchst gelungenr Satire auf ein Genre, das für alles (Un-)Mögliche offen ist. Die Maske, eine absurd originelle und dabei doch simpel schaurige Geisterverkleidung, unter der auch Karnevalsjeck Otto Meier in seiner alten Cordhose von nebenan stecken könnte, trug ihren wesentlichen Part dazu bei: Das war bei Halloween und „Freitag der 13“ exakt genau so, nur erwies sich das Grusel-Ding zum Überstülpen aus Scream als eindeutig publikumswirksamer. Will sagen: Noch sehr, sehr viel eindeutiger, identifizierbarer mit dem gewünschten Effekt und demzufolge geliebter und kommerzieller als alle Pennywise-, Saw-Billy-, Creepy-Face-, Chucky-, Texas-Chainsaw-Massacre- und Hockey-Masken zusammen.

(c) Kinowelt Filmverleih

Tatsächlich hat sich für die Ghostface-Maske kein kreativer Kopf aus der Film-Crew ans Werk begeben müssen. Sie stammt aus einem Souvenir-Shop in Hollywood, ist sozusagen ein Zufalls-Schnäppchen und wurde einwandfrei dem Gemälde “Der Schrei” des norwegischen Malers Edvard Munch nachempfunden.

Tante Ilse erschrecken

Anspruchsvoller Hintergrund. Trotzdem: Die Scream-Maske, diese eine ganz besondere mit ihrer visuellen Aufgabe, (mit) schreien und kreischen zu lassen, erinnert irgendwie an früher, als wir uns ein ausrangiertes weißes Bettlaken mit ausgeschnittenen Löchern für die Augen über den Kopf zogen, um Mama, Tante Ilse und die arme Oma auch noch ganz fürchterlich zu erschrecken. Mit einfachsten Mitteln blanken Horror zu erzeugen ist halt Kunst für sich. Wobei die Scream-Maske, die im Handel übrigens nicht nur als Original- Imitat mit oder ohne Blut, sondern gleichwohl als Zombie- und Glowing-Ghostface-Ausfertigung erhältlich ist, schon in ihrer reinen Schauder-Schlichtheit perfekt durchdacht und gemacht ist. Keine Chance der Entlarvung, denn allzu oft gilt eh (Fliegende Blätter, 1845 – 19549):

„Ach! Demaskiert den Schelm doch nicht! Mir ist die Larve lieber als sein Gesicht.“

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