Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 9: Wahre Klassiker

Etwa um das Jahr 1966 hatte die neue Horrorfilmwelle langsam aber sicher ihre Höchstphase erreicht.
Ab diesem Zeitpunkt nahm nach und nach auch die Qualität der damals produzierten Horrorfilme ab und vermischte sich Ende der 1960er Jahre mit der aufkommende Sexwelle im Kino.
Die Handlungen und die Drehbücher der Filme wurden immer abstruser und der mangelnde Inhalt der Filme wurde durch Sex, Gewalt und Nacktszenen kompensiert.

Ein weiterer Faktor war, dass die Kinobesucher durch die Vielzahl an Horrorfilmen, die damals in die Kinos kamen, gesättigt waren. Hinzu kam aber auch, dass sich die Filmindustrie in den 1960er Jahren sowieso weltweit in einer Krise befand, und die Zuschauerzahlen in den Kinos stetig abnahmen.
In Hollywood versuchte man dies u. a. mit diversen Monumentalfilmen, die damals in die Kinos kamen zu kompensieren.
In Deutschland begann mit den Erfolge der ersten Wallace-Filmen eine Krimiwelle, die aber nach wenigen Jahren wieder verebbte, da einfach zu viele Filme des Genres in die dortigen Kinos kamen.
Hinzu kam, dass durch den weltweiten Erfolg der Bond-Film ab Mitte der 1960er Jahren auch eine Agentenfilmwelle die Kinos überflutete.

So musste etwas anderes bzw. ‚neues‘ her, um das Horror-Genre neu zu beleben, was schließlich auch mit dem Hollywood-Film „ROSEMARIES BABY“ Ende der 1960er Jahre gelang, der am 12. Juni 1968 in den USA in den Kinos startete.
In Westdeutschland kam der Film einige Monate später, genauer gesagt am 17. Oktober 1968, in die dortigen Lichtspielhäuser.
„ROSEMARIES BABY“ war ein Erfolg an den Kinokasse und spielte bei einem Budget von 3,2 Millionen US-Dollar insgesamt über 33 Millionen US-Dollar ein. Zudem gewann die Schauspielerin RUTH GORDON einen Oscar in der Kategorie “Beste Nebendarstellerin”.

Mit dem Horrorfilm „ROSEMARIES BABY“ nahmen aber nicht nur der Satan und seine Anhänger bzw. Anbeter endgültig Einzug ins Horror-Genre, sondern Hollywood dominierte aufgrund des Erfolges des Films ab den 1970er Jahren auch den Horrorfilm.
Und so kamen ab den 1970er Jahren Horrorklassiker wie “DER EXORZIST (1973), “OMEN” (1976), “DER EXORZIST 2 – DER KETZEN”, “DAMIEN – OMEN 2” (1978) und “HALLOWEEN” (1978) in die Kinos.
Die Dominanz Hollywoods auf den Horrorfilmsektor sorgte u. a. in den 1970er Jahren auch zum Zusammenbruch der britischen Horrorfilmindustrie.
Und so musste u. a. die Hammer Productions aufgrund diverser Filmflops schließlich Konkurs anmelden.
Aber auch ihre Konkurrenzfirma Amicus konnte sich aufgrund der Konkurrenz aus den USA nicht durchsetzen und war Ende der 1970er Jahre pleite.
Neben der britischen Filmindustrie, brach auch die deutsche Filmindustrie weitgehend zusammen. Da konnte auch der sogenannte Neue Deutsche Film nichts dran ändern.
Italien konnte sich durch seine Western, Zombie- und Kannibalen-Filme sowie andere Film-Subgenres, wie z. B. die erfolgreichen Filme mit Bud Spencer und Terence Hill, bis weit in die 1980er Jahre weitgehend über Wasser halten.

Nach Erscheinen des Romans “ROSEMARY’S BABY” (1967) von Ira Levin, kaufte der Regisseur und Produzent William Castle (1914-1977) die Filmrechte des Buches.
Castle produzierte zwar den Horrorfilm, die Regie des Films gab er aber an ROMAN POLANSKI ab, der 1962 mit dem polnischen Film “DAS MESSER IM WASSER” sein Debüt als Regisseur gab.
Nach seinem Regiedebüt folgten die beiden Filme “EKEL” (1965) und “WENN KATELBACH KOMMT…” (1966) sowie die Horrorkomödie “TANZ DER VAMPIRE” (1967) mit Sharon Tate in der weiblichen Hauptrolle, die Roman Polanski 1968 heiratete.
Die schwangere Schauspielerin Sharaon Tate wurde 1969 zusammen mit ihren Gästen von Charles Manson und seinen Anhängern bestialisch in ihrem Haus ermordet.

Mia Farrow, Paramount Pictures

Die Schauspielerin Sharon Tate wollte zwar die Rolle der Rosemary Woodhouse spielen, doch Roman Polanski besetzte die Rolle schließlich mit Mia Farrow, die damals mit Frank Sinatra verheiratet war, der mit der Rolle der Rosemary Ende der 1960er Jahre der Durchbruch als Schauspielerin gelang.

Auch wenn “ROSEMARY’S BABY” aus dem Jahr 1968 ist und damit fast fünfzig Jahre alt ist, hat der Horrorfilm selbst heute nichts von seiner Spannung und Faszination verloren.
Der Film ist ein zeitloser Klassiker des Genres, der ganz ohne Gewalt und technischen Tricks auszukommen versteht.
Die atmosphärisch dichte Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, wobei vieles der Fantasie des Zuschauers überlassen wird, so dass das Szenario um Hexen und Teufelsanbeter noch bedrohlicher wirkt und erscheint, in deren Fänge die schwangere Rosemary Woodhouse unwiderruflich gerät, verraten von ihrem Mann, der einen Pakt mit dem Teufel schließt, um endlich Erfolg als Schauspieler zu haben. Dabei geht er nicht nur über Leichen, sondern er lässt seine Frau auch vom Teufel schwängern.

Ingo Löchel

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Kommentar verfassen

wpDiscuz