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Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 8: Neues altes Land mit AMICUS

aamicusbannerDoch nicht nur die Amerikaner und Italiener hatten wegen der Erfolge der britischen Horrorfilme der Hammer Studios Blut geleckt, denn mit AMICUS konzentrierte sich eine weitere britische Filmgesellschaft, die Anfang der 1960er Jahre gegründet worden war, auf das Horror-Genre.

Besonders die Episodenfilme von Amicus wurden zu einer Art Markenzeichen dieser britischen Filmgesellschaft, mit der sie eine Nische im Horror-Genre entdeckt hatte.

Anfang der 1960er Jahre kamen die beiden US-amerikanischen Produzenten und Drehbuchautoren Milton Subotsky (1921-1991) und Max J. Rosenberg (1914-2004) nach Großbritannien, weil sie erkannten, dass man in Europa finanziell günstiger als in Hollywood arbeiten und produzieren, aber dennoch hochwertige Produkte erschaffen konnte
1962 gründeten die beiden Amerikaner die britische Filmgesellschaft AMICUS, deren Hauptsitz die Shepperton Studios, Middlesex, wurden.
Max Rosenberg hatte bereits in den 1950er Jahren als Produzent im Bereich des Horrorfilms Erfahrungen sammeln können.
1956 kam es durch den Film “ROCK, ROCK, ROCK” zur ersten Zusammenarbeit mit dem Produzenten Milton Subotsky.
aamicplakatNach den Filmen “IT’S TRAD, DAD” (1962) und “JUST FOR FUN” (1963) produzierten Subotsky und Rosenberg unter der Regie von FREDDIE FRANCIS ihren ersten Horrorfilm, genauer gesagt den Episodenfilm “DR. TERROR’S HOUSE OF HORRORS” (Die Todeskarten des Dr. Schreck), der am 23. Februar 1965 in London seine Premiere feierte.
In dem Episodenfilm sind gleich mehrere Kurzgeschichten in eine Rahmenhandlung (eine gemeinsame Zugfahrt) eingebunden, die im Gegensatz zu vielen der damaligen HAMMER-Filmen in der Gegenwart spielt. Das Drehbuch zu “DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK” schrieb Milton Subotsky, der die einzelnen Segmente des Films bereits 1948 für eine nie produzierte Fernsehserie entworfen hatte.

Fünf Männer sitzen zusammen in einem Zugabteil. Zu ihnen gesellt sich Dr. Schreck (Peter Cushing), der mittels Tarot-Karten die Zukunft der einzelnen Personen voraussagt.
Jim Dawson (Neil McCallum) ist ein Londoner Architekt, der beauftragt wird, zu seinem früheren Familienlandsitz zu reisen, um dort einige Änderungen am Haus vorzunehmen.
Bei seinen Untersuchungen im Keller findet er den Sarg eines Mannes, der einst als Werwolf sein Unwesen getrieben hat und auf vor Jahrhunderten einen Fluch auf Dawsons Vorfahren aussprach…

Bill Rogers (Alan Freeman) und seine Frau entdecken an ihrem Haus eine Weinpflanze, die erst seit kurzem dort wächst und sich seltsamerweise allen Versuchen widersetzt sie zu entfernen.
Bill wendet sich an zwei Wissenschaftler, die ihm aber auch nicht helfen können. Kurze Zeit später tötet die Pflanze den Hund der Familie und einen der beiden Wissenschaftler. Nun ist guter Rat teuer…

Der Musiker Biff Bailey (Roy Castle) reist mit seiner Band nach West-Indien, um dort in einem Club zu spielen. Dort kommt er mit der Musik in Berührung, die bei religiösen Voodoo-Riten gespielt wird. Trotz deutlichen Warnungen die Musik nicht zu verwenden, spielt Bailey sie als er nach London zurückkehrt. Dabei geschehen während der Aufführung unheimliche Dinge…

Der Kunstkritiker Franklyn Marsh (Christopher Lee) macht einen Künstler richtig runter. Dieser rächt sich mit kleinen Sticheleien, die Marsh irgendwann nicht mehr ertragen kann. So wartet Marsh einen passenden Moment ab und fährt den Maler mit dem Auto an, der dadurch seine rechte Hand verliert und sich aus Verzweiflung das Leben nimmt. Doch damit ist der Kunstkritiker vor der Verfolgung durch den Künstler nicht gefeit, denn plötzlich wir er von der abgetrennten Hand des Malers heimgesucht…

Was passiert, wenn...? Donald Sutherland und Jennifer Jayne traut zu zwein

Was passiert, wenn…? Donald Sutherland und Jennifer Jayne traut zu zwein

Der Amerikaner Bob Carroll (Donald Sutherland) kehrt mit seiner frisch angetrauten französischen Frau Nicolle (Jennifer Jayne) in seine Heimatstadt zurück.
Was Carroll allerdings nicht ahnt ist, dass seine Frau in Wirklichkeit eine Vampirin zu sein scheint.
Denn als ein kleiner Junge in das Krankenhaus der Stadt eingeliefert wird, glaubt Doktor Blake (Max Adrian) hinter das Geheimnis von Nicolle gekommen zu sein und drängt Bob, seine Frau zu pfählen……

“DR. TERRORS HOUSE OF HORROR’S” war so erfolgreich, dass später noch weitere Amicus- Episodenfilme folgen sollten, die zu einer Art Markenzeichen der Filmgesellschaft wurden.

Doch nach “Die Todeskarten des Dr. Schreck” folgte erst einmal der Film “THE SKULL” (Der Schädel des Marquis de Sade, 1965) unter der Regie von Freddie Francis.

Legendär: Peter Cushing in Dr. Who

Legendär: Peter Cushing in Dr. Who

1965 drehten die Amicus Studios mit “DR. WHO AND THE DALEKS” auch ihren ersten SF-Film, gefolgt von der Fortsetzung “DALEK S-INVASION EARTH 2150 AD” (1966) ebenfalls basierend auf der damaligen TV-Serie “DOCTOR WHO”, die aber im Gegensatz zu der damaligen Schwarzweiß-Serie in Farbe gedreht wurden. In beiden Filmen war PETER CUSHING in der Rolle des DR. WHO zu sehen.

Nach den beiden Dr-Who-Verfilmungen folgte nach “THE PSYCHOPATH” (Der Puppenmörder, 1966) mit “TORTURE GARDEN” (Der Foltergarten des Dr. Diabolo, 1967) der zweite Episodenfilm des britischen Filmstudios.

Dr. Diabolo (Burgess Meredith) führt auf einem Jahrmarkt den Besuchern eine Horrorshow mit Wachsfiguren vor. An diesem Abend bittet er jedoch einige Besucher länger zu bleiben und verspricht ihnen für fünf Pfund eine extra Attraktion.
Fünf Leute sind tatsächlich bereit das zusätzliche Geld zu zahlen und mit Dr. Diabolo in den Hinterraum zu gehen, wo sie die in Wachs gegossene uralte Göttin des Schicksal Atropos“ erwartet.
Angeblich hat die Figur die Fähigkeit Leute vor ihrem Schicksal zu warnen. Man müsste nur ganz nahe an Atropos treten und mit voller Konzentration auf ihre Schere blicken. Anfangs machen sich die fünf Besucher über Dr. Diabolo lustig, doch schließlich erleben sie alle einen Horrortrip an deren Ende einer der Anwesenden die Nerven verliert und Dr. Diabolo tötet. Doch damit ist die Horror-Show noch lange nicht zu Ende…

1971 entstand mit “THE HOUSE THAT DRIPPED BLOOD” (Totentanz der Vampire) der dritte Amicus- Episodenfilm, in dem die Einzelgeschichten ebenfalls von einer groben Rahmenhandlung miteinander verbunden waren.
Ursprünglich wollte der Regisseur Peter Duffell seinen Film “Death and the Maiden” nennen, so wie das Musikstück heißt, dass Peter Cushing in einer der Episode auf den Plattenspieler legt. Doch die Produzenten waren anderer Meinung und wählten lieber den reißerischeren Titel “The House that dripped Blood”.

In dem Episodenfilm ermittelt der Scotland-Yard-Inspektor Holloway (John Bennett) im Fall des Verschwindens eines bekannten Schauspielers, der zuletzt in einem Haus gewohnt hat, über das sich seltsame Geschichten ranken…

Method for Murder
Der Horror-Schriftsteller Charles Hillyer (Denholm Elliott) zieht mit seiner Frau Alice (Joanna Dunham) in das Haus um dort seinen neusten Roman fertigzustellen. Darin entwickelt er die Gestalt des Mörders Dominic, der ihm plötzlichin Person erscheint. Doch außer ihm kann Dominic keiner sehen…

Waxworks
Der frisch in Rente gegangene Philip Grayson (Peter Cushing) bezieht das Haus, um sich endlich um all die Dinge zu kümmern, für die er während seines Arbeitslebens keine Zeit hatte. Bei einem Spaziergang durch die nahegelegene Stadt entdeckt er ein Wachsmuseum, wo er die Wachsfigur sieht, die ihn an seine verstorbene Ehefrau erinnert…

Sweets to the Sweet
Der Geschäftsmann John Reid (Christopher Lee) ist Käufer eines neuen Hauses, der dort zusammen mit seiner Tochter Jane (Chloe Franks) einzieht. Mit von der Partie ist auch Ann Norton (Nyree Dawn Porter) Kindermädchen und Lehrerin in einer Person. Aus irgendeinem Grunde hält Mr. Reid jedoch seine Tochter von der Außenwelt fern und als Ann hinter das dunkle Geheimnis kommt, ist es schon zu spät…

The Cloak
Der in die Jahre gekommene Horror-Schauspieler Paul Henderson (Jon Pertwee) dreht gerade einen neuen B-Movie-Horrorfilm und ist über die lausigen Bedingungen des Drehs nicht sehr erfreut. Um seine Rolle authentischer wirken zu lassen, besucht er den Laden eines alten Mannes um dort einen Umhang zu kaufen. Nach dem Kauf entdeckt Henderson, dass der Umhang nicht nur sein Spiegelbild verschwinden lässt, sondern als er ihn um Mitternacht trägt, ihm auch noch Vampirzähne wachsen…

Nach den Episodenfilmen “TALES FROM THE CRYPT”“(Geschichten aus der Gruft) und “ASYLUM”“ (Asylum – Irrgarten des Schreckens), drehte Amicus mit “TALES THAT WITNESS MADNESS” (Geschichten, die zum Wahnsinn führen, 1973) ihren letzten Episodenfilm.

Der Leiter einer Irrenanstalt führt einem Besucher vier Insassen vor, die jeweils ihre Geschichten erzählen, welche sie letztlich in die Irrenanstalt gebracht haben. Es geht um

1. …einen Jungen, der unter seinen streitsüchtigen Eltern leidet und in eine Phantasiewelt flüchtet, in der er einen Tiger als Freund hat. Man ahnt schon früh, dass der Tiger nach und nach immer realere Züge annimmt.
2. …einen Antiquitätenhändler, der ein altes Gemälde sowie ein altes Hochrad erwirbt. Beides gehört auf unheimliche Weise zusammen und von “Onkel Albert”, der auf dem Gemälde abgebildet ist, geht eine eigenartige, suggestive Kraft aus, die die Grenzen zwischen Zeit und Raum einreißen kann…
3. ….einen Naturliebhaber, der zum Leidwesen seiner Frau Baumstümpfe in die Wohnung schleppt und an diesen dann feminine Qualitäten zu entdecken beginnt. Was für die Frau (bezaubernd: Joan Collins) nicht gut endet.
4. …einen Voodoo-Anhänger, der auf besonders perfide Art und Weise seinen Göttern ein Blutopfer darbringt.

Caprona: Lange her, ewig gut

Caprona: Lange her, ewig gut

Nach “MADHOUSE” (Das Schreckenshaus des Dr. Death, 1974) und “THE BEAST MUST DIE” (Mondblut, 1974) wandten sich die Amicus-Studios wieder dem SF- und Fantasy-Genre zu, weil das Interesse an Horrorfilmen nach und nach abnahm. Und so verfilmte AMICUS mit “THE LAND THAT TIME FORGOT” (Caprona – Das vergessene Land, 1975) einen Roman von Edgar Rice Burrouhgs.

Nachdem “THE LAND THAT TIME FORGOT” fertiggestellt worden war, verließ Milton Subotsky die Filmgesellschaft. Nach dessen Weggang wurde der Produktionsbetrieb, bis auf einige noch fertig zu stellende Filme, eingestellt.
Zu diesen Filmen gehörten die beiden Burroughs-Verfilmungen “AT THE EARH’SCORE”“(Der sechste Kontinent) sowie 1977 “”THE PEOPLE THAT TIME FORGOT”, die Fortsetzung von “CAPRONA”.

Drei Jahre später folgten mit “THE MONSTER CLUB” der endgültig letzte Film der Amicus-Studios.
Die Filmgesellschaft war pleite und verschwand danach in der Versenkung. Doch Amcius war nicht gänzlich gestorben.
2005 wurde Amicus jedoch wiederbelebt und produziert Homages von alten Amicus-Titeln sowie neue Horror-Verfilmungen. Die erste Produktion war Stuart Gordons “STUCK” aus dem Jahr 2007.

Filmographie
1. It’s Trad, Dad! / Ring-a-Ding Rhythm! (1962)
2. Just for Fun (1963)
3. Dr. Terror’s House of Horrors / Die Todeskarten des Dr. Schreck, 1964)
4. The Skull / Der Schädel des Marquis de Sade, 1965)
5. Dr. Who and the Daleks (1965)
6. The Psychopath / Der Puppenmörder (1966)
7. Dalek’s – Invasion Earth: 2150 AD (1966)
8. Torture Garden / Der Foltergarten des Dr. Diabolo (1967)
9. The Terrornauts (1967)
10. The Deadly Bees/ Die tödlichen Bienen (1967)
11. They Came from Beyond Space / Sie kamen von jenseits des Weltraums (1967)
12. Danger Route / Ratten im Secret Service (1967)
13. A Touch of Love (1969)
14. The Mind of Mr. Soames / Das zweite Leben des Mr. Soames (1970)
15. Scream and Scream Again
16. The House That Dripped Blood /Totentanz der Vampire (1971)
17. I, Monster (1971)
18. Tales from the Crypt / Geschichten aus der Gruft (1972)
19. What Became of Jack and Jill? (1972)
20. Asylum / Asylum – Irrgarten des Schreckens (1972)
21. From Beyond the Grave / Die Tür ins Jenseits (1973)
22. The Vault of Horror / In der Schlinge des Teufels (1973)
23. And Now the Screaming Starts! /Saat des Bösen (1973)
24. Tales That Witness Madness / Geschichten, die zum Wahnsinn führen (1973)
25. Madhouse / Das Schreckenshaus des Dr. Death / Der Dämon (1974)
26. The Beast Must Die / (Mondblut) (1974)
27. The Land That Time Forgot / Caprona – Das vergessene Land (1975)
28. At the Earth’s Core / Der sechste Kontinent (1976)

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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