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Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 7: Stunden des großen Grauens

Der italienische Filmregisseur Mario Brava, Meister des finsteren Genres

Der italienische Filmregisseur Mario Brava, Meister des finsteren Genres

1960 erregte der italienische Horrorfilm mit “DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT” (La Maschera Del Demonio) größere Aufmerksamkeit.

Der Regisseur MARIO BAVA drehte danach noch einige weitere Klassiker des Horrorfilms, darunter auch Filme wie “DIE DREI GESICHTER DER FURCHT” (1963), “DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU” (1963) oder “DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA” (1966), den viele für Bavas besten Film halten.

dracherkAber auch der Sandalenfilm, insbesondere die Herkulesfilme, blieben von der neuen Horrorwelle in den 1960er Jahren nicht verschont, und so musste 1961 auch der griechische Held Herkules in “VAMPIRE GEGEN HERAKLES” (Ercole al centro della terra) gegen diverse Blutsauger antreten.
Nicht zu vergessen sei an dieser Stelle aber auch der Film “PLANET DER VAMPIRE” (1965), ebenfalls unter der Regie von Mario Bava.

Im Grunde genommen handelt es sich bei “DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT” (auch wenn dies der mal wieder etwas unglückliche gewählte deutsche Titel das wiederspiegeln soll), nicht um einen ‚klassischen’ Vampirfilm, sondern um einen Horror-Film, in der die Hexe Asa nach ihrer Rückkehr von den Toten Rache an den Nachkommen ihrer ehemaligen Peiniger nimmt.
Das Ziel der Hexe ist die komplette Ausrottung der Vadja-Familie, die nur noch aus sehr wenigen Familienmitgliedern besteht, und ihr eigenes Fortbestehen in dem Körper Katias (Barbara Steele), die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht.

Der Regisseur Mario Bava baut die Spannung des Films sehr geschickt auf. Zu Beginn wird man Zeuge der Hinrichtung Asas und Javutichs. Beide bekommen die Maske Satans aufgesetzt, eine Metallmaske, in der auf der Innenseite dicke Nägel angebracht sind, die sich so direkt in den Kopf der Person bohren.
In einer für Anfang der 1960er Jahre ungewohnt harten Szene sieht man wie der Henker mit einem schweren Hammer die Maske auf Asas Kopf hämmert und etwas Blut spritzt.
Zweihundert Jahre später entdecken die Doktoren Gorobec und Kruvajan in der Grabkammer Asas Leiche und mit der Abdeckung der Maske von ihrem Leichnam wird der Blick auf einen überraschend gut erhaltenen, aber von Würmern und Insekten zerfressenen Kopf freigegeben, auf dem deutlich die Marken der Nägel zu sehen sind.
Die anschließende Regeneration Asas verläuft parallel zu dem Treffen der Doktoren mit Katia und den weiteren Geschehnissen.
Schritt für Schritt macht Bava so die Bedrohung für die Familie immer konkreter. Die zweite Hälfte des Films ist dann vor allem von dem Versuch Andrej Gorobecs geprägt, mehr über die grausamen Ereignisse und ihren Hintergrund zu erfahren und dabei auch noch das Leben Katias zu schützen.

dracplakatMario Bava nutzt in “DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT” sehr geschickt das Spiel mit Licht und Schatten.
Der stufenlose Alterungseffekt von Barbara Steele am Ende des Films wurde beispielsweise so gelöst, dass ihr Gesicht mit roter Farbe schattiert und eine Lampe mit Rotlicht aufgestellt wurde.
Sobald die Szene begann, wurde das Rotlicht immer weiter runter gedimmt, so dass die rote Farbe im Gesicht mehr und mehr Kontrast bekommt, und so das Gesicht der Schauspielerin scheinbar älter und runzeliger wird.

Gedreht wurde “DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT” innerhalb von sechs Wochen.
Die Dreharbeiten zum Film begannen im März 1960. Die ‚Maske des Satans‘ wurde aus Bronze von Marios Vater Eugenio Bava angefertigt, der bereits in den frühen Jahren der italienischen Filmindustrie als Kameramann arbeitete und als Pionier der Special Effects in Italien gilt.
Nur ganz wenige Szenen wurden außerhalb des Studios aufgenommen. Der Rest, auch die meisten Außenszenen des Films, wurden dagegen komplett im Filmstudio gedreht.

Für Mario Bava war dieser Horrorfilm sein offizielles Spielfilm-Debüt als Regisseur, nachdem er in den 1940er vorwiegend Dokumentations- und Kurzfilme gedreht oder in den 1950er diverse Filme nur zu Ende gedreht hatte.

Selbst nach 50 Jahren kann “DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT” durchaus überzeugen und mit anderen Horror-Filmen (auch aus den letzten Jahren) durchaus konkurrieren.
Vielleicht gerade, weil der Regisseur Mario Bava weitgehend auf Spezial Effecte verzichtete und er sich mehr auf eine geschickte Belichtung konzentrierte, wirkt der Film kaum veraltet.

Die Schauspielerin BARBARA STEELE wurde am 29. Sezember 1937 in Birkenhead, Cheshire, England, geboren. Zuerst wollte Steele nach ihrem Studium Malerin werden, trat dann aber 1957 einer Schauspieltruppe bei.

Schön und geheimnisvoll: Die Schauspielerin Barbara Steele

Schön und geheimnisvoll: Die Schauspielerin Barbara Steele

1958 gab sie in dem Film “BACHELOR OF HEARTS” (Mit dem Kopf durch die Wand) ihr Kinodebüt.
Es folgten Nebenrollen in Filmen wie “SAPPHIRE”“ (Mordalarm in Scotland Yard, 1959), „”UPSTAIRS AND DOWNSTAIRS”“ (Treppauf – Treppab, 1959) und “YOUR MONEY OF YOUR WIFE”“ (1960) bis ihr Mario Bava in dem Horrorfilm “LA MASCHERA DEL DEMONIO” (Die Stunde wenn Dracula kommt) ihre erste Hauptrolle gab.

1960 folgte in “DAUGHTER OF ILLUSION”, einer Folge der Serie “”ADVENTURE IN PARADISE” ihr TV-Debüt.

Ein Jahr später erhielt sie die weibliche Hauptrolle in der Edgar-Allan-Poe- Verfilmung „”THE PIT AND THE PENDULUM”“ (Das Pendel des Todes) unter der Regie von Roger Corman.

Nach ihrer Rolle in dem Frederico Fellini Film „”8 ½” (Achteinhalb, 1963), folgten Rollen in Horror-Film wie “THE SPECTRE” (1963), “CASTLE OF BLOOD”“ (1964), “THE MANIACS” (1965), „”THE LONG HAIR OF DEATH”” (1964), “TOMBS OF HORROR” (1965), “LOVERS FROM BEYOND THE TOMB”” (1965),“”REVENGE OF THE BLOOD BEAST” (1966) und “”UN ANGELO PER SATANA””(Ein Engel für den Teufel, 1966).

1969 heiratete Barbara Steele den Drehbuchautor James Poe.1971 kam ihr gemeinsamer Sohn Jonathan Jackson Poe zur Welt. Die Ehe wurde 1978 geschieden.

Erst 1974 kehrte die Schauspielerin mit “CAGED HEAT” (Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen) auf die Kinoleinwand zurück. Auch danach erhielt sie in den 1970er Jahren eher unbedeutende Rollen in Filmen wie “NEVER PROMISES YOU A ROSE GARDEN”“ (Ich hab’ dir nie einen Rosengarten versprochen, 1977), “PRETTY BABY”“ (1979) oder „”PIRANHA“ (Piranhas, 1978).

Nach ihrem Auftritt in “THE SILENT SCREAM”“ (1980) kehrte Barbara Steele dem Filmgeschäft den Rücken.

Dafür feierte sie in den 1980er Jahren als Produzentin mit den Miniserien “THE WINDS OF WAR”“(Feuersturm, 1983) und „”WAR AND REMEMBRANCE”“ (Feuersturm und Asche, 1988) Erfolge, für die sie einen EMMY erhielt.

1990 kehrte sie als Dr. Julia Hoffmann in der Serie “DARK SHADOWS”“ als Schauspielerin auf den TV-Bildschirm zurück.

Nach den beiden Filmen „TIEF OBEN“ (1994) und „THE PROPHET“ (Der Prophet, 1999) zu sehen, sah man Barbara Steele 2012 in “BUTTERFLY ROOM” und 2014 in dem Film “LOST RIVER”. Zuletzt sah man sie in dem Horror-Streifen “MINUTES PAST MIDNIGHT” (2016).

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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