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Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 6: Verfluchter Stoff -Verdammt gut

1960 starteten ROGER CORMAN und die AIP (American International Pictures) mit “DIE VERFLUCHTEN” ihre EDGAR-ALLAN-POE-Filmreihe, die nicht nur das Kinopublikum in ihren Bann zog, sondern deren Filmen auch sehr erfolgreich an den Kinokassen liefen.

Roger Corman, Meister seines Fachs

Roger Corman, Meister seines Fachs

Bis ins Jahr 1964 brachte es die Reihe auf insgesamt acht Verfilmungen, wobei nicht alle Filme auf Geschichten von Edgar Allan Poe basierten.
Auffallend an diesen Poe-Verfilmungen ist jedoch (mit Ausnahme des Films “Die Folterkammer des Hexenjägers”, der auf einer Geschichte von H. P. Lovecraft basiert), dass sie sehr stark von den Originalwerken Edgar Allan Poes abweichen und zum Teil nur sehr wenig Ähnlichkeiten mit ihnen aufweisen, wobei mitunter nicht einmal die Rahmenhandlung der Geschichten Poes beibehalten wurde.
Bemerkenswert an diesen Filmen aus den 1960er Jahren ist jedoch nach wie vor, dass sie selbst noch nach über fünfzig Jahren aufgrund ihrer atmosphärisch dichten Inszenierung durch Rogert Corman zu fesseln wissen.

rueckplakatDie Edgar-Allan-Poe-Filmreihe von Roger Corman startete 1960 mit dem Film “THE FALL OF THE HOUSE OF USHER” (deutsche Titel: “Die Verfluchten” bzw. “Der Fall des Hauses Usher”), in dem Vincent Price, Myrna Fahey, Mark Damon und Harry Ellerbe in den Hauptrollen zu sehen sind.
Der Film spielte bei einem Budget von 300.000 US-Dollar, knapp 1,5 Millionen US-Dollar in den USA ein, was dafür sorgte, dass weitere Poe-Verfilmungen gedreht wurden.
Das Drehbuch von Richard Matheson basiert auf der gleichnamigen Geschichte von Poe.

Der Schauspieler VINCENT PRICE wurde am 27. Mai 1911 in St. Louis, Missouri, USA, geboren. Seit 1929 studierte Price Kunstgeschichte an der Yale-Universität. In dieser Zeit verlagerte sich sein Interesse nach und nach aber langsam der Schauspielerei zu.
Nach seinem Studium suchte Price einen Job im Theatergeschäft und übernahm 1933 eine Lehrtätigkeit. Kurze Zeit später schiffte er sich mit seinem ersparten nach London ein, um sein Studium zu erweitern.
Der Grundstein für seine Karriere als Schauspieler wurde schließlich 1935 in London gelegt, wo er als Polizist in dem Stück “CHICAGO” auf der Bühne stand. Danach folgte die Rolle des Prinz Albert in “VICTORIA REGINA”.
Unter den Zuschauern saß während einer Vorstellung des Stückes der US-Produzent GILBERT MILLER, der “VICTORIA REGINA” am Broadway herausbringen wollte. Er war von Vincent Price so beeindruckt, dass er ihn sofort als Partner seines Stars HELEN HAYES verpflichtete und nach Amerika holte.
Am Broadway war das Stück 1936 ein Riesenerfolg und Vincent Price avancierte an der Seite von Helen Hayes zum neuen Broadway-Star.

1938 spielte Price in zwei Stücken “THE SHOEMAKER’S HOLIDAY” und “HEARTBREAK HOUSE” am Mercury Theatre, das von ORSON WELLES und JOHN HOUSEMAN geleitet wurde.
Inzwischen war auch Hollywood auf den jungen Schauspieler aufmerksam. Price lehnte jedoch einen Vertrag von MGM ab, da er sechs Monate im Jahr für Bühnenauftritte frei sein wollte.
Das Filmstudio Universal köderte ihn schließlich doch und gab ihm seine erste Filmrolle in “SERVICE DE LUXE” (1938).
Danach folgte bei Warner “GÜNSTLING EINER KÖNIGIN” worin er als Sir Walter Raleigh neben Errol Flynn und Bette Davis zu sehen war sowie eine weitere Nebenrolle in dem Film “DER HENKER VON LONDON” als Herzog von Clarence.

Am 23. April 1938 heiratete Price die Schauspieler Edith Barrett. Am 4. Juni 1948 wurde die Ehe zwischen Price und seiner ersten Frau Edith geschieden. 1949 heiratet er Mary Grant.

1940 drehte Vincent Price mit “DER UNSICHTBARE KEHRT ZURÜCK” seinen ersten Horrorfilm. Danach folgten weitere Filme bei Twentieth Century Fox und MGM. Sehr erwähnenswert in dieser Zeit war 1948 seine Rolle als Kardinal Richelieu in dem Film “DIE DREI MUSKETIERE”.

Anfang der 1950er Jahre war Price vorwiegend in Nebenrollen zu sehen. Eine Ausnahme war der Abenteuerfilm “DER BARON VON ARIZONA” sowie 1952 neben Robert Mitchum und Jane Russel die Rolle des Mark Cardigan in dem Film Noir “EIN SATANSWEIB”.

The Look: Typisch Vincent Price

The Look: Typisch Vincent Price

Zwei Jahre später wurde Vincent Price als Hauptdarsteller für den Horrorfilm “DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI” engagiert. Der Film war ein großer Erfolg und machte Price über Nacht berühmt.
1954 mimte er in dem Film “DER WAHNSINNIGE ZAUBERKÜNSTLER” eine ähnliche Rolle, der ebenfalls in 3-D gedreht, der an den Erfolg von Professor Bondi anknüpfen konnte
Vier Jahre später konnte sich Price mit dem Film “DIE FLIEGE” endgültig als Horror-Darsteller etablieren.
Der Film war so erfolgreich, dass er gleich zwei Fortsetzungen nach sich zog. In “DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE” (1959) war Vincent Price erneut in der Rolle des Francois Delambre zu sehen.
Im Anschluss an “DIE FLIEGE” drehte Vincent Price 1959 “DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL” sowie “DAS BIEST”.

Seinen endgültigen Durchbruch hatte der Schauspieler Vincent Price jedoch erst Anfang der 1960er Jahre mit den hervorragend gemachten Horrorfilmen von Roger Corman.
In diesen Filmen entwickelte Price den Charakter des dekadent-wahnsinnigen Exzentrikers, mit dem er zu einem Kult-Star des Horror-Genres wurde.

Nach dem Erfolg von “THE FALL OF THE HOUSE OF USHER” folgte 1961 der Film “DAS PENDEL DES TODES” (The Pit and the Pendulum), dessen Drehbuch, das auf der gleichnamigen Geschichte von Edgar Allan Poe basiert, von Richard Matheson geschrieben wurde.
Auch diesmal ist Vincent Price in der männlichen Hauptrolle zu sehen. Die weibliche Hauptrolle bekam die Schauspielerin Barbara Steele, die ein Jahr zuvor in dem italienischen Horrorfilm “DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT” zu sehen gewesen war, indem sie ihre erste Hauptrolle mimte. Dazu mehr im siebten Teil von “Die Rückkehr des Horrorfilms”.
rueckpendelAufgrund der atmosphärisch dichten Inszenierung und den überraschenden Wendungen im Film, gehört “DAS PENDEL DES TODES” ohne Frage zu einen der besten Filme der Poe-Reihe.
Da auch der zweite Film der Poe-Reihe ein Erfolg an den Kinokassen war, entschieden sich AIP und der Regisseur Roger Corman dafür, weitere Poe-Filme zu drehen.
“DAS PENDEL DES TODES” spielte bei einem Budget von 300.000 US-Dollar zwei Millionen US-Dollar in den USA ein, und war damit der erfolgreichste Film der Reihe.

Nach “LEBENDIG BEGRABEN” (The Premature Burial) mit Ray Milland und Hazel Court in den Hauptrollen, der mit einem Einspielergebnis von eine Million US-Dollar an den Kinokassen in den USA etwas schwächelte, folgte 1962 der Episodenfilm “DER GRAUENVOLLE MR. X” (Tales of Terror).
Grauenvoll ist eher mal wieder der grauenvolle deutsche Titel, der mit dem Inhalt des Episodenfilms so gut wie nichts zu tun hat.
Der vierte Film der Poe-Reihe, vereint gleich vier Geschichten von Edgar Allan Poe, denn mit dem Episodenfilm “TALES OF TERROR” wurden neben “Morella”, auch die Geschichten “The Black Cat” und “The Cask of Amontillado” sowie “The Facts in the Case of M. Valdemar” verfilmt.
“DER GRAUENVOLLE MR. X” kam im Gegensatz zu “Lebendig begraben” besser beim Kinopublikum an, denn der Episodenfilm spielte 1,5 Millionen US-Dollar in den USA ein.
In der vierten Poe-Verfilmungen sind die Stars Vincent Price (Segment “Morella”, “The Black Cat” und “The Facts in the Case of M. Valdemar”), Peter Lorre (Segment “The Black Cat”), Basil Rathbone (“The Facts in the Case of M. Valdemar”) und Debra Paget (“The Facts in the Case of M. Valdemar”) in einem Film vereint.
Anzumerken ist, dass für das Segment “The Black Cat” die beiden Poe-Geschichten “The Black Cat” und “The Cask of Amontillado” Verwendung fanden.

Die Verfilmung “DER RABE – DUELL DER ZAUBERER” (The Raven) basiert auf dem gleichnamigen Gedicht Edgar Allan Poe, in dem erneut Vincent Price, Peter Lorre, Boris Karloff und Hazel Court gemeinsam vor der Kamera stehen. Das Drehbuch zur Horror-Komödie stammt von Richard Matheson.
Bei einem Budget von 350.000 US-Dollar spielte der Film knapp 1,5 Millionen US-Dollar in den USA ein, und war damit fast so erfolgreich wie sein Vorgänger.

“DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS” (The Haunted Palace), der 1963, ist der einzige Film der achtteiligen Poe-Reihe, der nicht auf einem Werk von Edgar Allan Poe basiert.
“THE HAUNTED PALACE” basiert auf der Geschichte ” The Case of Charles Dexter Ward” von H. P. Lovecraft, ist dafür aber nicht minder interessant verfilmt. In den Hauptrollen sind Vincent Price, Lon Chaney Jr. und Debra Paget zu sehen. “DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS” war Debra Paget letzter Film. Danach zog sich die Schauspielerin aus dem Filmgeschäft zurück.

Nach der Lovecraft-Verfilmung “DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS” folgte mit “SATANAS – DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE” (The Masque of the Red Death) wieder eine Verfilmung, die auf einer Geschichte, und zwar “Hop-Frog, von Edgar Allan Poe basiert. Das Drehbuch zum Film stammt von Charles Beaumont and R. Wright Campbell. In den Hauptrollen sind Vincent Price und Hazel Court zu sehen, die sich danach aus dem Filmgeschäft zurückzog.

1964 drehte Roger Corman mit “DAS GRAB DER LYGEIA” (The Tomb of Ligeia) den achten und letzten Film der Edgar-Allan-Poe-Reihe. Der Film, dessen Drehbuch von Robert Towne stammt, basiert auf der Poe-Geschichte “Ligeia”. In den Hauptrollen sind Vincent Price und Elizabeth Shepherd zu sehen.

Die Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen
1960: Die Verfluchten/Der Untergang des Hauses Usher (The Fall of the House of Usher)
1961: Das Pendel des Todes (The Pit and the Pendulum)
1962: Lebendig begraben (The Premature Burial)
1962: Der grauenvolle Mr. X (Tales of Terror)
1963: Der Rabe – Duell der Zauberer (The Raven)
1963: Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)
1964: Satanas – Das Schloß der blutigen Bestie (The Masque of the Red Death)
1964: Das Grab der Lygeia (The Tomb of Ligeia)

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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