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Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 5: Von Furcht, Fliegen und fiesen Pfiffen

1958 konnte sich der Schauspieler Vincent Price mit dem Film THE FLY endgültig als Horror-Darsteller in den USA etablieren.

Die Fliege in voller (Panik-)Pracht: Der Klassiker von 1958

Die Fliege in voller (Panik-)Pracht: Der Klassiker von 1958

Der Film THE FLY basiert auf der gleichnamige Kurzgeschichte von George Langelaan, die in der Juni-Ausgabe des Playboys von 1957 zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Einen Neuveröffentlichung erlebte die Geschichte 1959 in der Anthologie PAN BOOKS OF HORROR STORIES.

In der letzten Szene des Films sitzt der Inspektor mit Andrés Bruder Francois (gespielt von Vincent Price) im Garten und zweifelt, ob er die Geschichte glauben soll; da entdeckt der spielende Junge eine Fliege mit einem menschlichen, vergreisten Kopf, die in einem Spinnennetz gefangen ist. Kurz bevor die Spinne ihr Opfer erreicht, tötet der Inspektor die Spinne und die Fliege mit einem Stein.

Der Film, der am 29. August 1958 in den US-Kinos startete, spielte bei einem Budget von 495.000 US-Dollar drei Millionen US-Dollar in den USA ein. In Westdeutschland startete der Film unter dem Titel DIE FLIEGE am 3. Oktober 1958 in den dortigen Lichtspielhäusern.
Aufgrund des Erfolges des Films folgten gleich zwei Fortsetzungen. Aber nur in einer, THE RETURN OF THE FLY (Die Rückkehr der Fliege, 1959), war Vincent Price erneut in der Rolle des Francois Delambre zu sehen.

Im Anschluss an DIE FLIEGE drehte Price 1959 den Horrorthriller THE HOUSE OF THE HAUNTED HILL unter der Regie von William Castle, der ebenfalls erfolgreich in den Kinos lief. Bei einem Budget von 200.000 US-Dollar spielte der Film 1,5 Millionen US-Dollar in den USA ein.
Der Film startete am 17. Februar in den USA und kam am 27. Oktober 1959 unter dem Titel DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL in die dortigen Kinos.

Seinen endgültigen Durchbruch schaffte der Schauspieler Vincent Price jedoch erst Anfang der 1960er Jahre mit den hervorragend gemachten Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von Roger Corman (näheres dazu in Teil 6 der Artikelserie).
In diesen Filmen entwickelte Price den Charakter des dekadent-wahnsinnigen Exzentrikers, mit dem er zu einem Kult-Star des Horror-Genres avancierte.

Regie-Legende William Castle

Regie-Legende William Castle

Der Regisseur WILLIAM CASTLE wurde als Sohn jüdischer Eltern am 24. April 1914 als William Schloss in New York City, New York, USA, geboren. Seinen Beruf lernte Castle von der Pike auf.
Mit 15 begann er seine Karriere als Komparse und Schauspieler am Broadway und schaffte es bis 1932 bis zum Theaterregisseur. 1937 zog er nach Kalifornien und gab in WHEN LOVE IS YOUNG sein Debüt als Schauspieler. In den nächsten Jahren arbeitete er als Dialogschreiber und Co-Drehbuchautor für Columbia Pictures und Universal Pictures.

1943 gab Castle mit den Filmen BLACK MARKETING und THE CHANCE OF A LIFETIME sein Regie-Debüt. In den 1940er Jahren war Castle als Regisseur mit THE WHISTLER (Der Whistler, 1944), THE MARK OF THE WHISTLER (1944) sowie mit VOICE OF THE WHISTLER (1945) für drei Filme aus der Whistler-Reihe verantwortlich.

 

Stark angesagt in den 1940ern: Der "Whistler"

Stark angesagt in den 1940ern: Der “Whistler”

Die WHISTLER-Filme erreichten in den 1940er Jahren in den USA eine große Popularität. Die aus einer Radio-Unterhaltungssendung hervorgegangenen Thriller-Reihe präsentierte in sich abgeschlossene Geschichten. In der Anfangssequenz der Filme taucht immer ein geheimnisvoller Schatten auf, pfeift eine Melodie und führt den Zuschauer in die jeweilige Handlung des Films ein. In den späteren Filmen der Filmreihe erschien der WHISTLER auch mitunter als Vermittler zwischen den Handlungsteilen und Schauplätzen.

Für VOICE OF THE WHISTLER war Castle auch zum ersten Mal als Drehbuchautor tätig. Neben den Whistler-Filmen war der Regisseur in den 1940er Jahren auch für drei Filme aus der CRIME DOCTOR-Filmreihe verantwortlich, in denen jeweils WARNER BAXTER die Hauptrolle mimte.

In den 1950er Jahren wechselte der Regisseur das Genre und drehte in den nächsten Jahren vorwiegen Abenteuer- und Westernfilme wie FORT TI (1953), SERPENT OF THE NILE (Die Schlange vom Nil, 1953), JESSE JAMES VS. THE DALTONS (Legt ihn nicht um, 1954), THE IRON GLOVE (Der Kuss und das Schwert, 1954), MASTERSON OF KANSAS (Gangster, Spieler und ein Sheriff, 1954) oder DUEL ON THE MISSISSIPPI (Die Intrige der Lily Scarlett, 1955).

1956 gab Castle in ASSASSINATION, einer Folge der Serie „HE MAN CALLED X“ sein TV-Debüt als Regisseur. Mit „CIENCE FICTION THEATRE“(1956) und der von ihm produzierten TV-Serie MEN OF ANNAPOLIS (1957) konzentriert er seine Regie-Arbeit aufs Fernsehen.
Seine Arbeit beim Fernsehen weckte auch Castles Liebe zum Horror und zum Makabren. So gründete er Ende der 1950er Jahre mit der „WILLIAM CASTLE PRODUCTIONS“ seine eigene Produktionsfirma und verlegte danach sein Schaffen auf das Drehen und Produzieren von Horror-Filmen. Die von Castle billig produzierten Horrorfilme wurden von ihm durch Werbegimmicks aufgepeppt

Für seinen ersten Film MACABRE (1958) verteilte er am Eingang Versicherungen, für den Fall, dass ein Zuschauer beim anschauen des Films an Todesangst stürbe. Durch den Erfolg mit den Versicherungen animiert, ließ Castle parallel zum Film DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL ein Gerippe im Kinosaal auferstehen, welches an einer Schnur über die Köpfe der Zuschauer hin und her schwebte.

Der unheimliche Mr. Sardonicus: Strafe garantiert

Der unheimliche Mr. Sardonicus: Strafe garantiert

Bei seinem Film DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS (1961) ging Castle noch etwas weiter und ließ am Ende ein jeden Vorstellung das Publikum abstimmen, ob der Antagonist im Film bestraft werden oder davonkommen solle. Das Kinopublikum entschied sich jedoch immer für die Bestrafungsszene, so dass das alternative Ende des Films in den Kinosälen niemals gezeigt wurde.

Der Trash-Charakter seiner Filme war von Castle durchaus gewollt, denn so schaffte er sich nicht nur eine treue Anhängerschaft für seine Filme, sondern auch eine treu ‚Anhängerschaft‘ von Kritikern, die durch ihre Negativkritiken kostenlos Werbung für seine Filme machten und somit weitere Zuschauer in die Kinos lockten.

Ende der 1960er Jahre kaufte Castle die Filmrechte an dem Roman ROSEMARY’S BABY, den er selbst erfolgreich produzierte. Die Regie des Films gab er aber an ROMAN POLANSKI ab, in dem Castle, wie in vielen anderen seiner Filme, einen Kurzauftritt absolvierte. 1968 drehte er mit PROJECT X seinen vorerst letzten Film.

1972 produzierte William Castle die TV-Serie CIRCLE OF FEAR und drehte 1974 mit SHANKS seinen letzten Film. Ein Jahr später produzierte er mit BUG (1975) seinen letzten Film, in dem er auch seinen letzten Kurzauftritt absolvierte. Danach zog sich Castle aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurück und schrieb seine Autobiographie “Step Right Up!: I’m Gonna Scare the Pants Off America”.
William Castle verstarb am 31 Mai 1977 an den Folgen eines Herzinfaktes in Los Angeles, Kalifornien, USA.

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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