News Ticker

Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 2: Ruhm und Rache

Trotz der nicht unbeträchtlichen Erfolge an den Kinokassen, konnte sich der Horrorfilm in den 1950er Jahren in Hollywood nicht so recht durchsetzen. Es bedurfte daher eines ‚neuen‘ Konzeptes, um das Horrorgenre erneut in den Lichtspielhäusern zu etablieren.

Christopher Lee plant Rache

Christopher Lee plant Rache

Dieses ‚neue‘ Konzept für den Horrorfilm wurde allerdings nicht in den USA, sondern in Europa ‚erfunden. Genauer gesagt in England, wo die HAMMER STUDIOS mit ihren beiden Filmen THE CURSE OF FRANKENSTEIN und DRACULA einen Siegeszug in Europa und in den USA feierten, und eine neue Hochphase des Horrorfilms bis weit in die 1960er Jahre einleiteten.

Bedingt durch diese beide Kassenknüller setzte man auch in den USA auf diese neue Horrorwelle. Und so entstanden in den USA Ende der 1950er Horrorklassiker wie THE FLY (Die Fliege, 1958), HOUSE ON HAUNTED HILL (Das Haus auf dem Geisterhügel, 1959), THE TINGLER (Schrei, wenn der Tingler kommt, 1959) oder THE BAT (Das Biest), in der der Schauspieler Vincent Price sein Talent als Star des amerikanischen Horrorfilms mehrfach unter Beweis stellen konnte.

Gruseliges Versehen: Die Fliege

Gruseliges Versehen: Die Fliege

Der ersten Horror-Figur, der die HAMMER STUDIOS neues Leben einhauchten, war FRANKENSTEIN. Hier wurde der Fokus jedoch mehr auf den Erschaffer des Monsters, Viktor Frankenstein gelegt, als auf die Kreatur selbst.

THE CURSE OF FRANKENSTEIN (Frankensteins Fluch) brachte mit Regisseur TERENCE FISHER, den Drehbuchautor JIMMY SANGSTER und den Kameramann JACK ASHER sowie mit den beiden Schauspielern PETER CUSHING und CHRISTOPHER LEE Künstler zusammen, die das Rückgrat der HAMMER FILM PRODUCTIONS in den nächsten Jahren bildeten und den großen Erfolg der Filme für lange Jahre sichern sollten.
Zudem wurde mit diesen Profis auch der Grundstein für den weiteren Erfolg der Hammer.Filme international gelegt.

Der Vorteil von Regisseur TERENCE FISHER lag nicht nur in seinem visionären Stil, oder seinem Einfallsreichtum, die Bray Studios in immer anderen Blickwinkeln anders aussehen zu lassen.
Auch seine Vergangenheit als Cutter halfen bei der Produktion der Filme immense Kosten einzusparen, weil er genau wusste, welche Szenen man brauchte und welche nicht.
Ihm ist es wohl am meisten anzurechnen, dass die B-Movies von Hammer aussahen wie A-Movies und die Illusion entstand, es wären sehr viel größere Studios, als die Bray Studios, benutzt worden.

Auch die beiden Hauptdarsteller des Films interpretierten ihre Rolle ganz anders, als ihre Vorbilder aus den 1930er Jahren.
Peter Cushing , indem er einen kalten und unmoralischen, aber leidenschaftlichen Viktor Frankenstein entwarf, und Christopher Lee, indem er eine ganz eigene Interpretation des Monsters gab, weitab von der Boris-Karloff-Darstellung.

Die Dreharbeiten zu CURSE OF FRANKENSTEIN (Frankensteins Rache) begannen am 19. November 1956 in den Bray Studios und endeten am 3. Januar 1957. Das Budget des Films betrug 65.000 Pfund.

Gute Dialoge und eine hervorragende Regie, eine wunderschöne Ausstattung und Ausleuchtung, sowie erstklassige Darsteller verbreiten in FRANKENSTEINS RACHE eine angenehm gruselige Atmosphäre und erzählen ohne all zu viel Effekthascherei eine spannende Geschichte.

Als FRANKENSTEINS FLUCH 1957 in die Kinos kam, hagelte es Kritik. Denn die Kritiker waren von dem Film nämlich fasziniert und geschockt zugleich. Die meisten von ihnen warnten vor diesem Horrorstreifen, bezeichneten ihn als schockierend und ekelerregend.

Schönheit und (Frankensteins) Fluch

Schönheit und (Frankensteins) Fluch

Die weibliche Hauptrolle in FRANKENSTEIN FLUCH übernahm die britische Schauspielerin Hazel Court.
HAZEL COURT wurde am 10. Februar 1926 in Sutton Coldfield, England, geboren. Mit vierzehn Jahren studierte sie Drama am “Birmingham Repertory Theatre” und am “Alexander Theatre” in Birmingham.

Im Alter von sechzehn traf sie den Regisseur Anthony Asquith in London, der ihr 1944 eine kleine Rolle in CHAMPAGNE CHARLIE, ihrem Film-Debüt, gab.

Zwei Jahre später gewann sie den “British Critics Award” für ihre Rolle in CARNIVAL (Ein Herz geht verloren), ihrem vierten Film. Danach war sie u. a. in ROOT OF ALL EVIL (Die Wurzeln allen Übels, 1947), DEAR MURDER (Der perfekte Mörder, 1947) oder BOND STREET (Straße des Lebens, 1948) zu sehen.

1949 heiratete die Schauspielerin Dermot Walsh. Das Paar hatte eine Tochter, Sally, zusammen, und ließ sich aber 1963 wieder scheiden.

1952 erhielt Hazel Court in dem Film GHOST SHIP eine ihrer ersten Hauptrollen, der zugleich auch der erste phantastische Film war, in dem die Schauspielerin mitspielte.
Es folgten u. a. die Filme COUNTERSPY (1953), DEVIL GIRL FROM MARS (1954), SCARLET WEB (1954), BEHIND THE HEADLINES (1956) und HOUR OF DECISION (1957).

1957 gab die Schauspielerin in JACK AND THE LADY” als Anne Bonney, einer Folge der Serie THE BUCCANEERS ihr TV – Debüt. 1957 war auch das Jahr, indem sie die weibliche Hauptrolle in dem Hammer – Film FRANKENSTEINS FLUCH erhielt.
Zwei Jahre später folgte mit THE MAN WHO COULD CHEAT DEATH (Den Tod überlistet) ihr zweiter Hammer – Film.

Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre war Hazel Court vorwiegend für Fernsehen tätig. So erhielt sie u. a. die Rolle der Jane Starrett in der Serie DICK AND THE DUCHESS oder hatte Gastauftritte in Serien wie THE THIRD MAN (1959), BONANZA (1960), ADVENTURES IN PARADISE (1960), THE EDGAR WALLACE MYSTERY THEATER (1960), DANGER MAN (Geheimauftrag für John Drake, 1961) oder ALFRED HITCHOCK PRESENTS (Alfred Hitchcock präsentiert, 1961).

Anfang der 1960er Jahre zog Hazel Court in die USA, wo sie mit dem Roger Corman-Film PREMATURE BURIAL (Lebendig begraben, 1962) ihren ersten Horror -Film in Hollywood drehte.

“In the film “Premature Burial” (1962), Ray Milland buries me alive. I’m down in this tomb and, while filming, the crew is shoveling dirt on top of me.
I have a straw in my mouth so I could breath, but then it was removed and I had to hold my breath for 90 seconds or so.
That was tough! In the “Masque of The Red Death” (1964) I brand myself, then the hands of a giant possessed clock kill me. There was a lot of blood in that scene. A real mess.” (Hazel Court)

Es folgten danach die die beiden Corman-Filme THE RAVEN (er Rabe – Duell der Zauberer, 1963) und THE MASQUE OF THE RED DEATH (Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie, 1964).

“Peter Lorre was very funny, always playing practical jokes. And Vincent Price was such a good friend. Boris Karloff…they all were the dearest people and extremely cultured.” (Hazel Court).

1964 heiratete sie den Schauspieler Don Taylor. Das Paar hatte einen Sohn zusammen.

Nach SATANAS-DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTEI zog sich Hazel Court aus dem Filmgeschäft zurück, um ihren Mutterpflichten nachzukommen.

“I loved every day of my film career, every moment. But after I had my son Jonathan I decided to stay home. I wanted to be there when he came home from school each day.” (Hazel Court).

Guter Blick: Hazel Court

Guter Blick: Hazel Court

Sporadisch war sie in den 1960er Jahren noch in verschiedenen TV-Serien, wie RAWHIDE (Tausend Meilen Staub, 1964), 12 O’CLOCK HIGH (1965), als Norma Hobart in DR. KILDARE (1965), THE WILD WILD WEST (Verrückter wilder Westen, 1966), MIISSION IMPOSSIBLE (Kobra, übernehmen Sie, 1967) und MANNIX (1968) zu sehen.

1972 hatte Hazel Court in THE FACE OF MURDER, einer Folge der Serie McMILLAN & WIFE ihre letzte TV – Rolle.

Nach dem Ende ihrer Filmkarriere begann jedoch Hazels zweite Karriere als Bildhauerin und Malerin. Ihre Werke sind in vielen Gallerien von Italien bis San Francisco zu sehen. Ihre letzte Arbeit kann im „Sierra Nevada College’s Environmental Building” besucht werden.

“My sculpting career came along. Anyway, I believe there’s a time when an actor or actress should retire. Few can pass the test of time. Audiences get tired of looking at you.” (Hazel Court)

1981 hatte sie ihre letzte Filmrolle, eine kleine Rolle in dem Horrofilm THE FINAL CONFLICT (Barbaras Baby – Omen III).

Hazel Court verstarb am 15. April 2008 in Alpine Meadows, Kalifornien, USA. In den letzten Jahren vor ihrem Tod schrieb sie an ihrer Autobiografie HAZEL COURT HORROR QUEEN, die 2008 bei der Tomahawk Press erschien.

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

Kommentar verfassen