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Die Rückkehr des Horrorfilms, Teil 1: Altes Blut frisch geleckt

Zu Beginn der 1950er kehrte der Horrorfilm Schritt für Schritt auf die Kinoleinwand zurück. Begünstigt wurde diese Rückkehr durch das Aufkommen des 3D-Films und den Kinohit HOUSE OF WAX, der den Schauspieler VINCENT PRICE als neuen Star des Horrorfilms etablierte.

Zwei Ladies in House Of Wax: Eine ist nicht ganz echt

Zwei Ladies in House Of Wax: Eine ist nicht ganz echt

Als im November 1952 mit BWANA DEVIL, der erste 3-D-Farbilm in die Kinos kam, und sich zum Hit an den Kinokassen entwickelte, leckten auch die großen Hollywood-Studios Blut.
Und so kam es, dass nach dem Columbia-Film MAN IN THE DARK auch WARNER einen 3-D-Film ins Rennen schicken wollte. Die Wahl fiel schließlich auf ein Remake des Horrorfilms MYSTERY OF THE WAX MUSEUM aus dem Jahre 1933 mit Lionel Atwell in der Hauptrolle.

Was jedoch noch fehlte, war ein geeigneter Hauptdarsteller für den geplanten Streifen. Die Macher des Films entschieden sich schließlich für den Schauspieler VINCENT PRICE (1911-1993). Doch Price hatte bereits ein Angebot für die Hauptrolle in dem Broadway-Stück MY THREE ANGELS.
Nach längeren Überlegungen entschied sich Price dann doch für die Rolle in HOUSE OF WAX, was sich nicht nur positiv auf den Film auswirken sollte, sondern auch der Film-Karriere von Vincent Price einen gewaltigen Schub verpasste. Denn der Schauspieler avanciert mit dem 3-D-Horrorfilm zum neuen Horror-Star der 1950er Jahre in den USA.

“It was a real turning point in that I had to make up my mind whether I was going to become a movie star or whether I would go back and continue my career in the theatre. I’ve never known quite which was the right thing to do.
I would love to have done the play, but the people who did—it didn’t mean anything to them at all. It was a great hit, but it didn’t help them in their careers. Whereas HOUSE OF WAX changed my life.” (Vincent Price)

Erneut Karrieretreffer für Vincent Price (mit Wachs an den Fingern)

Erneut Karrieretreffer für Vincent Price (mit Wachs an den Fingern)

Der Film unter der Regie von ANDRE DE TOTH wurde ein Riesenerfolg an den Kinokassen. Der Horrorstreifen HOUSE OF WAX spielte bei einem Budget von knapp einer Million US-Dollar über 23 Millionen an den Kinokassen ein.

Professor Henry Jarrod (Vincent Price) – in der deutschen Fassung des Films heißt er Professor Bondi – ist ein begnadeter Künstler in der Schaffung von Wachsfiguren. Nachdem es zwischen ihm und seinem geldgierigen Geschäftspartner Matthew Burke (Roy Roberts) über die Führung des Museums zum Streit gekommen ist, steckt Burke das Wachsfigurenkabinett an, um an die Versicherungssumme zu gelangen.
Der Professor überlebt schwerverletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Doch Jarrod (Bondi) macht sich daran, ein neues Wachsfigurenmuseum aufzubauen, wobei ihm Igor (Charles Bronson) behilflich ist. Doch der Professor hat sich nach dem schweren Brand nicht nur körperlich verändert.
Als Sue Allen (Phyllis Kirk) das Museum besucht, entdeckt sie, dass die Wachsfigur der Jungfrau von Orleans eine sehr große Ähnlichkeit mit ihrer verschwundenen Freundin Cathy (Carolyn Jones) aufweist ….

HOUSE OF WAX feierte am 10. April 1953 seine US-amerikanische Premiere und lief am 25. April in die dortigen Lichtspielhäuser an. Die westdeutschen Kinobesucher kamen recht früh in den Genuss des Horrorfilms. Denn bereits am 22. Mai 1953 kam der Film unter dem Titel DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI in die westdeutschen Kinos. In der deutschen Fassung des Films wurde aus PROFESSOR JARROD, wie der Titel bereits verrät, PROFESSOR BONDI.

 

Zauberei, Wahnsinn und Schönheit: The Mad Magician

Zauberei, Wahnsinn und Schönheit: The Mad Magician

1954 folgte u.a. der Film THE MAD MAGICIAN (Der wahnsinnige Zauberkünstler) ebenfalls in 3-D gedreht, der an den Erfolg von Professor Bondi anknüpfen sollte.

Der Zauberer und Verwandlungskünstler Don Gallico bringt in einem Wutanfall seinen ehemaligen Chef um und schlüpft in dessen Identität.
Weitere Morde und Verkleidungen schließen sich an, da der Mörder seine Tat verschleiern will. Ein Detektiv entkommt dank seiner Verlobten im letzten Moment einem Anschlag.

Der Regisseur André De Toth wurde am 15. Mai 1912 als Sâsvari Farkasfawi Tóthfalusi Tóth Endre Antai Mihály in Mako, Csongrad, Ungarn, geboren.

Nach seinem Jura-Studium an der Königlichen Universität Budapest, erregten seine Bühnenstücke die Aufmerksamkeit des Dramatikers Ferenc Molnar, der ihn in das Theaterleben einführte.
1934 kam Andre de Toth mit der Filmindustrie in Berührung, wo ihn der Kamaramann Istvan Eiben in den Hunnia Film Studios unter seine Fittiche nahm.
Dort arbeitete de Toth ab 1935 als Regieassistent in den Filmen “A Királyné huszárja””(1935), “A Nagymama””(1935), “A 111-es”“(1937) und “A Noszty fiú esete Tóth Marival” (1938).

Der Regisseur Andre de Toth: Später drehte er vorwiegend Western

Der Regisseur Andre de Toth: Später drehte er vorwiegend Western

Drei Jahre später schrieb er für den ungarischen-Film “Falu rossza” sein erstes Drehbuch. 1937 kam er zudem der Einladung seines ungarischen Landsmannes Alexander Korda (den Kopf der London Films in England) nach, und arbeitete an dem Korda-Film ELEPHANT BOYmit.

1939 gab er unter dem Namen Toth Endre in dem ungarischen Film “Toprini nász”” sein Regie-Debüt. Ein Jahr später ging Toth nach endgültig nach Großbritannien, wo er für Alexander Korda arbeitete.

1942 wanderte der Regisseur in die USA aus, wo er in Hollywood von der Columbia unter Vertrag genommen wurde. Ein Jahr später drehte de Toth mit PASSPORT TO SUEZ seinen ersten Hollywood-Film.

Am 13. Dezember 1944 heiratete de Toth die Schauspielerin Veronika Lake mit der er drei Kinder zusammen hatte. Das Paar ließ sich am 2. Juni 1952 aber wieder scheiden.

Nach Filmen wie NONE SHALL ESCAPE (1944), RAMROD (Die Farm der Gehetzten, 1947) “THE OTHER LOVE“( Eine brennende Liebe, 1947), drehte de Regisseur mit PITFALL seinen ersten Film Noir, mit Dick Powell und Lizabeth Scott in den Hauptrollen.

Anfang der 1950er Jahre folgten hauptsächlich Westernfilme. Darunter MAN IN THE SADDLE“(Mann im Sattel, 1951) und CARSON CITY (Sabotage, 1952) mit Randolph Scott oder SPRINGFIELD RIFLE“(Gegenspionage, 1952) mit Gary Cooper in den Hauptrollen.

1953 drehte der Regisseur mit HOUSE OF WAX (Das Kabinett des Professor Bondi) einer seiner bekanntesten Filme. Ein Jahr später folgte mit CRIME WAVE (Von der Polizei gehetzt, 1954) sein zweiten und letzter Film Noir.

Danach war Andre de Toth vorwiegend Western-Genre beschäftigt. So drehte er u. a. RIDING SHOTGUN (Dieser Mann weiß zuviel (1954) und THE BOUNTY HUNTER“(Ritter der Prärie, 1954) mit Randolph Scott, THE INDIAN FIGHTER“ (Zwischen zwei Feuern, 1955) mit Kirk Douglas oder DAY OF THE OUTLAW (Tag der Gesetzlosen, 1957) mit Robert Ryan.

1959 gab der Regisseur in THE SECRET OF HYACINTH BAYOU, einer Folge der Serie BOURBON STREET BEAT, sein TV-Regie-Debüt. Danach folgten Regiearbeiten für Serien wie HAWAIIAN EYE (1950-1960), 77 SUNSET STRIP” (1959-1960) oder MAVERICK(1960).
1960 folgte mit MAN ON A STRING“(Geheimakte M, 1960) sein vorerst letzter Hollywood-Film.

Anfang der 1960er Jahre drehte de Toth mit „MORGAN IL PIRATA“ (König der Seeräuber, 1961) und „I MONGOLI“ (Raubzüge der Tartaren, 1961) zwei Filme in Europa und zog sich nach seiner Mitarbeit an LAWRENCE VON ARABIEN (1962) aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurück.

Erst 1968 kehrte de Toth für den englischen Film PLAY DIRTY“(Ein dreckiger Haufen, 1968) noch einmal als Regisseur auf die Kinoleinwand zurück. Es sollten danach weitere neunzehn Jahre vergehen, bis er mit TERROR NIGHT”(1987) ein letztes Mal Regie führen sollte. Andre de Toth verstarb am 27. Oktober 2002 in Burbank, Kalifornien.

 

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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