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Die Hölle: Eine Entdeckungsreise | Teil 3: Terry Pratchetts Eric

Begonnen haben wir unsere Reise an einem klassischen Ort der Hölle, um dann Luzifer und seinen Engel zu begegnen. Jetzt aber müssen wir etwas weiter reisen.

Schnell, schnell, schnell! Mit dieser lahmen Geschwindigkeit werden wir nie dorthin gelangen, wo wir hin wollen! Wir kommen an diesem gestrandeten Raumschiff vorbei und dann wechseln wir unser Fortbewegungsmittel. Wir surfen auf dem Sternenlicht. Ein augenloser Mann starrt uns aus einem der Beobachtungspunkte des Raumschiffs an. Er winkt uns zu und lächelt; er weiß, wohin wir als nächstes gehen. Wir winken zurück und brechen auf.

Wir reisen jetzt durch die spurlosen Weiten des Raumes bis zum Rand des bekannten Universums und darüber hinaus. In eine scheibenförmige Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten ruht, die selbst vom Rücken einer riesigen Schildkröte getragen werden.

Wir sind erneut ein paar Jahrhunderte weiter nach vorne gesprungen, haben die klassische Literatur hinter uns gelassen und sind in die Hölle eines modernen Meister der Fantasy gekommen.

Terry Pratchett hat immer sein eigenes Ding gemacht und die Scheibenwelt-Version der Hölle ist etwas unbeschwerter als die bisherigen. Sicher, im Angesicht der Strafen ist auch diese Hölle ziemlich schrecklich, die Verdammten werden gestreckt, verbrannt, genagelt und so weiter. Aber die zentrale Aussage von Pratchetts Hölle ist die, dass die meisten der verdammten Seelen, die in ihr gefangen sind, herausgefunden haben, dass sie Geister sind, die keinen Schmerz fühlen können, wenn sie es nicht wollen.

Die meisten der Dämonen, die diese Hölle bewohnen, haben sich gut mit dieser Tatsache arrangiert. Sie erledigen ihren Job und machen einfach damit weiter. Einige Dämonen “quälen” seit Jahrhunderten dieselben Seelen und haben eine enge und freundschaftliche Beziehung zu ihnen aufgebaut. Denkt man in einem ernsten Kontext darüber nach, ist diese Vorstellung doch ziemlich erschreckend. Man stelle sich vor, das Wesen, das die meiste Zeit mit einem verbringt, das einen besser versteht als die Eltern, der Partner und sogar der Therapeut, entwickelt sich im Laufe der Geschichte in ein hasserfülltes Monster, das nichts anderes im Sinn hat, als einen auf jede erdenkliche Weise fertig zu machen. Bis in alle Ewigkeit.

Natürlich ist die Scheibenwelt freundlicher als dieser Gedanke.

Oder zumindest war sie das.

Denn im Roman Eric ist die Hölle von der Moderne bedroht. Der Dämonenkönig Astfgl hat herausgefunden, dass Langeweile die größte Strafe von allen ist. (Vermutlich ein Einblick in Pratchetts eigenen Glauben). Er beschließt, dieses Wissen zu nutzen, um die Verdammten effektiver zu bestrafen. Zum Beispiel müssen sie Dämonen zuhören, die gigantische Bücher über Gesundheit und Sicherheit vorlesen, mit Hunderten von Unterabsätzen. Wir müssen im Laufe dessen zu dem Schluss kommen, dass die Wiederherstellung des Status quo der Hölle eigentlich nicht so schlimm ist, denn menschliche Foltermethoden sind den dämonischen weit überlegen.

(c) Sharks Den

So witzig es auch sein mag, stellt diese Version der Hölle die abschreckende Möglichkeit dar, dass sich die Hölle und ihre Bewohner verändern oder entwickeln können, und sogar Ideen der Menschheit stehlen, die noch schlimmer sind, als ursprünglich geplant. Viele andere Schriftsteller haben mit dieser Idee experimentiert.

Einige haben Höllen geschaffen, die hier gar nicht berücksichtigt werden können, wie etwa in Clive Barkers “Das scharlachrote Evangelium”, das mit einem Höllenpriester beginnt (den wir alle als Pinhead kennen), der sterblichen Magiern Macht und Wissen stiehlt, um die infernalische Domäne besser erobern zu können. Oder das eher übertriebene Leben nach dem Tod aus Richard Kadreys “Sandman Slim”-Romanen mit seinen Vorstandssitzungen und dämonischen Killern.

Pratchett hat uns mit vielen Fragen zurückgelassen. Könnten die Höllen, die wir auf Erden erschaffen, verkommener sein als die, die von Teufeln für uns entworfen wurden? Ist das Böse um des Bösen willen von Natur aus unoriginell und damit weniger gefährlich als das Böse, das durch Unfähigkeit oder Gleichgültigkeit geschaffen wurde? Hat die Person, die die Nebensätze erfunden hat, einen eigenen Höllenkreis erhalten?

Ah. Ein Teufel hat uns entdeckt und eilt herbei, um unsere Bekanntschaft zu machen. Ich mag den Look der Mistgabel, die er trägt, nicht. Verschwinden wir besser von hier. Ich denke, ein kleiner Dimensionssprung ist angebracht.

Da, wir sind angekommen. Bestaunen Sie eine der prächtigsten Höllen in diesem oder jedem anderen Kosmos … im nächsten Teil.

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