Die Hölle: Eine Entdeckungsreise | Teil 1: Dantes Inferno

Die Natur des Jenseits fasziniert und erschreckt die Menschheit seit Zehntausenden von Jahren. Was wartet nach dem Tod auf uns, vorausgesetzt, es wartet überhaupt etwas auf uns? Gibt es mehr als einen Ort, an den man gehen kann? Und was passiert, wenn man am falschen Ort landet?

Die Mythologie sagt uns, dass es viele Ziele für böse oder unglückliche Seelen gibt. Diyu, Sheol, Hades, Hetgwauge. Einige davon sind Orte der Bestrafung für die Sünden im Leben und andere sind der eigentliche Ort, wo sich die Toten einfinden müssen.

Das Land der Toten ist zu groß, als dass man es durch eine einzige Reise erkunden könnte. Also werden wir einfach die Hölle erforschen: Verdammnis, Verderben, Limbus, Fegefeuer, das Inferno, nennen Sie es, wie Sie wollen. Es ist jener Ort der Bestrafung, der von den meisten abrahamitischen Religionen anerkannt wird. Begleiten Sie mich auf eine Odyssee durch einige der besten Darstellungen dieses bösen Ortes in Literatur und Fiktion.

Unser erster Schritt ist einfach, wir brauchen nur unter die Erde zu gehen. Wir gehen also durch das Tor, das mit folgenden Worten beschriftet ist:

“Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren!”

 

Dantes Inferno

(c) Gustave Doré

Dantes Inferno ist die erste eingehende Erforschung der Hölle in der westlichen Literatur und vielleicht die detaillierteste Beschreibung des christlichen Jenseits, die jemals aus Spaß (das bedeutet, privat und nicht als kirchliche Festschrift) geschrieben wurde. Hier wird die Idee der Neun Höllenkreise begründet. Jeder von ihnen hat seine eigene Natur und wartet mit einer Reihe einzigartiger Bestrafungen auf.

Es ist zwar das einflussreichste literarische Modell der Hölle, aber wir können es nicht wirklich den endgültigen Reiseführer für unsere modernen Bedürfnisse nennen. Dante schrieb im Mittelalter in Italien. Seine Version der Hölle ist stark von der klassischen Mythologie und Literatur beeinflusst, bis hin zum römischen Dichter Vergil, der als Dantes Führer fungiert.

Man kann sich fast vorstellen, dass Dantes Hölle auf den Ruinen der klassischen Unterwelt erbaut wurde (oder krebsartig aus dem kranken Fleisch des Ur-Tartarus gewachsen ist).

Hier einige Beispiele:

  • Die Grenze zur Hölle wird vom Fluss Acheron gestaltet und der Kapuzenmann, der die Seelen hinüber transportiert, ist Charon, der Fährmann.
  • Der Fünfte Höhlenkreis, in dem die Zornigen dazu verdammt sind, sich für immer gegenseitig zu bekämpfen, ist eigentlich der Fluss Styx.
  • In den Tiefen dieser korrupten Unterwelt verurteilt noch immer Minos, der Sohn des Zeus, die Seelen der Toten, ohne den Wechsel des Managements zu bemerken oder ihn überhaupt zu erwähnen.
  • Zentauren leben glücklich im Siebten Kreis. Sie tragen ihren Teil bei, sich unter die lokalen Teufel zu mischen, indem sie Pfeile auf die verdammten Seelen feuern, denen es gelungen ist, den kochenden Blutflüssen des Kreises zu entkommen.
  • Griechische Helden und Bösewichte schmachten in verschiedenen Teilen des Infernos und leiden dort unter den heidnischen Pfaden, die sie zu Lebzeiten beschreiten mussten (es gab den Monotheismus ja noch nicht. Pech für sie).
  • Der Minotaurus bewacht den Siebten Kreis und Medusa sowie die Furien sind bereit, jeden niederzuschlagen, der es wagt, sich den Mauern von Dis, der Hauptstadt der Hölle, zu nähern.

Den Dämonen von Dantes Hölle steht es eindeutig nicht an, dass ihre Taten auf andere mythologische Wesen übertragen werden können. Sogar Dis selbst hat seinen Namen von Dis Pater, dem römischen Titel für Hades oder Pluto, dem griechisch-römischen Gott der Unterwelt.

Dis ist ein faszinierender Ort; Dante schafft es mit seiner Beschreibung, die Hölle immer weniger wie die Erde erscheinen zu lassen. Auf der einen Seite hat die Stadt Mauern, Tore, Türme, Häuser und Straßen wie jede menschliche Stadt. Andererseits ist sie unmöglich groß und enthält drei der neun Höllenkreise, von denen der letzte und der unterste eine massive gefrorene Grube ist, in der die gewaltige und monströse Figur des Satans selbst im Eis gefangen liegt. Dis betont auch die blasphemische, rückwärts gerichtete Natur der Hölle. Die Sterblichen suchen Hügel und andere befestigte Positionen auf, um ihre Städte aufzubauen; die Hölle dagegen ist ein umgekehrter Berg, in dem die Macht immer weiter nach unten fließt, hinab zu den größten und tiefsten Sünden.

Im Gegensatz zu vielen der neueren Kartographen der Hölle vertrat Dante die Ansicht, dass jeder, der in die Hölle kam, es auch verdiente, obwohl es viele verschiedene Abstufungen der Sünden mit ihren spezifischen Strafen gab. Diebe zum Beispiel werden bestraft, indem sie in einer Schlangengrube darben, deren Gift das Opfer dazu bringt, sich in ein zufälliges Tier oder Objekt zu verwandeln und ihm so seine Identität genommen wird.

Es gibt auch eine sehr klare Struktur in dieser Hölle, die Bewohner des Inferno sind nämlich den himmlischen Heerscharen unterworfen. Das wird an einer Stelle deutlich, an der ein Engel aus dem Himmel vorbeischaut, um mit einigen Dämonen und Monstern ein ernstes Wörtchen zu reden, weil sie sich Dante und Vergil in den Weg stellen. Und die Horden der Hölle hören auf ihn und lassen die beiden Sterblichen durch! Nicht viele anständige moderne Unholde wären wohl so entgegenkommend. Man wird wohl kaum erleben, dass ein Tanar-ri oder Baatezu sich vor einem himmlischen Boten verbeugt.

(c) Gustave Doré

Einige der Sünden aus Dantes Hölle sind mittlerweile aus der Mode gekommen. Diejenigen, die Simonie (Verkauf von klerikalen Ämtern) begangen haben, werden bestraft, indem sie mit dem Kopf voran in den Boden gepflanzt und an den Füßen in Brand gesetzt werden. Für die meisten Leser dieser Zeilen sollte es ein Leichtes sein, dieses Verbrechen in der heutigen Zeit zu vermeiden. Umgekehrt gibt es keine spezifische Strafe für Rassisten, Online-Betrüger oder Personen, die “Espresso” als “Expresso” aussprechen.

Eine Sache, die Dantes Höllenvision aber besitzt, und die vielen späteren Versionen fehlt, ist die große Vielfalt an verschiedenen Klimazonen und Themen. Dante zeigt uns erwartungsgemäß das Land des Feuers und des Schwefelregens, aber es gibt auch einen Ort des endlosen, trüben Regens, eine Wiese, auf der die oben genannten Zentauren ihr Ding durchziehen, einen Eissee, ein dunkles Land, das von heulenden Winden geplagt ist, und einen harpyischen Wald, in dem alle Bäume vergiftete Dornen tragen, die aus den Seelen der Selbstmörder entstanden sind. Es gibt sogar einen vergleichsweise angenehmen Bereich, in dem die Seelen der rechtschaffenen Heiden herum sitzen und sich wünschen, sie wären spät genug geboren worden, um auf den monotheistischen Zug auf zu springen.

(c) Gustave Doré

Alles in allem haben wir hier die würdige Version eines bahnbrechenden Dichters: Wenn man sich das Leben nach dem Tod vorstellt, dann bitte riesig und weird.

Verlassen wir nun die Göttliche Komödie und begeben wir uns auf die wegelosen Pfade von Chaos und Nacht, bis wir den Weg in eine gigantische Steinkammer finden, die genauso verflucht ist wie der Ort, den wir gerade verlassen haben.

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