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Die Frau in Schwarz (Susan Hill)

Das Buch wurde in erster Linie durch die Verfilmung von 2012 bekannt. Das PHANTASTIKON empfielt diesen Film, dem man deutlich anmerkt, dass er nicht aus der Hollywood-Fabrik kommt.

hillEin Gespenst verhält sich zum Horrorgenre in etwa so wie der Ritter zur Fantasy. Man benötigt sie nicht notwendigerweise, aber sie gehören zum grundsätzlichen Zubehör. Das erste, das einem in den Sinn kommt, wenn man über Horror spricht, ist die Geistergeschichte. Die Wurzeln dieser Geschichten liegen in der Folklore und in Legenden begründet, die genauso alt sind wie die Erde selbst. Ihren Höhepunkt erreichte die Geistergeschichte gleichzeitig mit der Wellte der Gothic Fiction des 18. und 19. Jahrhunderts. Heute liegt der Fokus mehr auf eindeutigen Darstellungen und wird überschattet vom Deckmantel der Serienkiller oder wandelnder Leichen. Trotzdem existiert die Schauergeschichte noch heute, dank Autoren wie Susan Hill und der perfekt formulierten Frau in Schwarz.

Die Geschichte folgt der Rechtsanwalt Arthur Kipps. Er hat eine Geistergeschichte zu erzählen: eine über das Dorf Crythin Gifford, das Eel Marsh House, und die mysteriöse Frau in Schwarz. Es ist die Geschichte von Arthur Kipps, und dieses Erlebnis hat ihm zu dem Mann gemacht, der er heute ist. Dies ist jedoch nicht sofort ersichtlich, genausowenig wie das, was mit der isolierten Gemeinschaft überhaupt los ist, in der niemand über die Frau in Schwarz spricht. Rechtsanwalt Kipps bleibt nichts anderes übrig, als nach und nach die Wahrheit (mit all ihren Konsequenzen) aufzudecken.

Die Frau in Schwarz ist eines nicht: innovativ. Stattdessen finden sich hier mehr oder weniger alle klassischen Zutaten: das baufällige, alte Gebäude, das sich in einer öden Landschaft erhebt bis zur grotesken Bildsprache, mit der sich der bösartige Geist zeigt. Und Susan Hill nimmt all diese Zutaten und arbeitet perfekt mit ihnen. Hills Arthur Kipps steht stellvertretend für Stokers Jonathan Harker. Satzbau und Erzählfluss ergeben sich aus der Essenz der gewaltigen Kraft der klassischen Meister der Schauergeschichte. Hill selbst erscheint hierbei wie das Phantom von M.R. James oder Edgar Allan Poe. Das Grauen entwickelt sich langsam und zielgerichtet bis hin zum brillanten Höhepunkt.

Alles, was es hier zu lesen gibt, hat man schon einmal woanders gelesen, aber wenn, dann niemals in dieser völlig perfekten Form. Susan Hill hat hier eine Liebeserklärung an die Wiege der Horror und Schauergeschichte geschrieben. Für alle Fans des Genre ist das ein absolutes Lesevergnügen.

Matthew J. Barbour

Matthew J. Barbour ist ein spekulativer Erzähler und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Bernalillo, New Mexiko. Wenn er nicht gerade schreibt, betreut er die Jamez Historic Site und ist Mitarbeiter bei verschiedenen regionalen Zeitungen, unter anderem bei Red Rocks Reporter und Sandoval Signpost.

1 Kommentar zu Die Frau in Schwarz (Susan Hill)

  1. Klasse klassisch ist das. Und Daniel Radcliffe anders. Aber gut.

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