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Die deutsche Antwort auf Robert Sheckley

Uwe Hermann - kurze Geschichten, skurille Ideen

MichUweHermann (3 von 5)ael Schmidt: Hallo Uwe! Fangen wir das Interview mal etwas unkonventionell an. Ich schreibe ein paar Thesen und du antwortest. Humor ist nicht preiswürdig!

Uwe Hermann: Ich denke, dass viele Leser einen Bogen um humorvolle Storys machen und deshalb gar nicht wissen, was ihnen entgeht. Sie setzen Humor mit Slapstick gleich und vergessen, dass es ihn in ebenso vielen Varianten gibt, wie jedes andere Genre auch. Humor ist nicht gleich Humor, und er muss auch nicht jedem gefallen, aber wenn man ihm eine Chance gibt, kann man durchaus preiswürdige Geschichten entdecken.

Michael Schmidt: Uwe Hermann ist die deutsche Antwort auf Robert Sheckley.

Uwe Hermann: Robert Sheckley war schon immer einer meiner Lieblingsautoren und hat sicher meinen Stil geprägt, deshalb kannst du mir kein größeres Kompliment machen. In meinem Bücherregal stehen seine Geschichten neben den Helden meiner Jugend »Jim DiGriz« und »Jon-Tom Meriweather«.

UweHermann (1 von 5)Michael Schmidt: Genregrenzen sind nicht dein Ding!

Uwe Hermann: Stimmt. Als freischaffender Autor suche ich mir das Genre aus. Ich schreibe, was mir gerade Spaß macht: Fantasy, SF, Horror, Thriller, Jugendbücher oder etwas völlig anderes. Oft mische ich alles durcheinander und füge noch eine Prise Humor hinzu. Wenn ich dann positive Rezensionen und Kommentare erhalte, freue ich mich um so mehr.

Michael Schmidt: Abwechslung ist Trumpf!

Uwe Hermann: Damit spielst du sicher auf das Vorwort meines Buches an. Und es ist richtig. Die Abwechslung ist es, die mir Spaß macht. Diese Vielfalt findet sich auch in meinem aktuellen Kurzgeschichtenband. Dort sind ganz unterschiedliche Geschichten vereint. Es geht um Selbstjustiz, Roboterkämpfe, Nanoviren, Himmel und Hölle, Esoterik und Mäusen auf der Erdunterseite. Die Verlage waren äußerst zurückhaltend, als ich ihnen meine Sammlung anbot. Einzelne Geschichten ja, aber nicht in dieser Zusammenstellung. Also habe ich das Buch selbst herausgebracht. Wenn ich die beiden Nominierungen und die vielen, positiven Reaktionen sehe, glaube ich, dass es mir ganz gut gelungen ist.

Michael Schmidt: Okay, fangen wir von vorne an. Wer ist Uwe Hermann und was treibt er den ganzen Tag so?

Uwe UweHermann (4 von 5)Hermann: Ich bin Jahrgang 61 und komme aus Sulingen, einem kleinen Ort in Niedersachsen. Ich schreibe, seit ich einen Stift halten konnte. Meine erste Veröffentlichung hatte ich im April 1990 auf der Leserkontaktseite des Perry Rhodan Romans 898, der dritten Auflage. Dann folgten mehr als ein Dutzend Kurzgeschichten in der c’t und anderen Magazinen.

Kreativ bin ich aber auf vielen Ebenen. So habe ich auf dem Amiga das Spiel »Brainstorm« programmiert und war an der Entstehung der plattdeutschen Apparatspottfilme beteiligt.

Michael Schmidt: Was sind deine Stärken und Schwächen?

Uwe Hermann: Meine Stärken sind mein unerschütterlicher Optimismus und meine Dickköpfigkeit (obwohl meine Frau das eher als Problem bezeichnen würde). Meine größte Schwäche ist mit Sicherheit mein schlechtes Personengedächtnis. Ich kann mir einfach keine Gesichter merken. Oft hält man mich deshalb für arrogant. Wenn ich also wortlos an euch vorbeilaufe, sprecht mich an.

Michael Schmidt: Angeblich sind Komiker ja meist bierernste Menschen, die keinen Spaß verstehen. Wie UweHermann (2 von 5)sieht es mit den humorvollen Autoren aus?

Uwe Hermann: Ich verstehe durchaus Spaß und kann auch gut austeilen, aber nur, wenn ich die Menschen kenne. Sonst bin ich eher zurückhaltend.

Michael Schmidt: Das Amt für versäumte Ausgaben ist dein neustes Buch. Was erwartet den Leser?

Uwe Hermann: Das Buch enthält zehn humorvolle Kurzgeschichten. Von Fantasy, über SF und Satire, bis hin zum Thriller ist alles vertreten. So dreht sich eine Story um die heimlichen Herren des Universums. Sie sorgen dafür, dass die Atome nicht bummeln, und das die Zeit in die richtige Richtung hüpft. In einer anderen Geschichte geht es um ein Gasthaus am Ende der Dimensionen und seltsamen Tür-Anomalien. Ihr erfahrt von Nanoviren, die Tote kurzfristig wiederbeleben, einem Kämpfer, der sich Showkämpfe mit Robotern liefert, einem bedrohten Rentnerehepaar, und fünf weitere Geschichten. Lasst euch überraschen.

Übrigens schrieb ich die titelCover - Das Amt für versäumte Ausgabengebende Story zu meinem 25-jährigen Autorenjubiläum. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass sämtliche Protagonisten aus meinen anderen Büchern entliehen wurden. Deshalb gibt es auch so viele »Jones«. Eine Zeitlang machte ich mir den Spaß und nannte jede Hauptfigur so.

Michael Schmidt: Eine Geschichte wurde für den DSFP nominiert, eine andere für den KLP. Was bedeuten dir die Nominierungen, wo landest du am Ende und welche Geschichte aus dem Buch ist dein persönlicher Favorit?

Uwe Hermann: Als ich erfuhr, dass meine Geschichte »Versuchsreihe 13« für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert wurde, habe ich mich riesig gefreut. Schließlich ist sie neben meinem zeitreisenden Magier meine Lieblingsgeschichte. Obwohl ich seit mehr als fünfundzwanzig Jahren kurze Geschichten schreibe, ist jede Nominierung für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Aber als dann auch noch die Nominierung meiner Geschichte »Der heiliger Wasserabsperrhahn« für den DSFP dazukam, konnte ich es kaum glauben. Mein Kollege Uwe Post mailte mich abends noch an, um mir zu gratulieren. Er ist übrigens auch nominiert. Ich glaube ja noch immer, dass das alles ein Traum ist, aus dem ich morgen mit einem Kater erwache. AbeAmt_Werbungr du fragst, wo ich am Ende lande? Nun, ich hoffe doch weit oben. Wer mitmacht, will auch gewinnen. Dies ist übrigens meine dritte Nominierung für den Kurd Laßwitz-Preis und meine vierte für den deutschen Science Fiction Preis. Bislang landete ich jedes Mal im Mittelfeld. Es ist also noch Luft nach oben.

Michael Schmidt: Es gibt drei weitere Sammlungen. Stell die doch mal kurz vor!

Uwe Hermann: Meine aktuelles Buch »Das Amt für versäumte Ausgaben« ist schon meine vierte  Kurzgeschichtensammlung. Im ersten Band »Der Liebhaberautomat«, findet sich eine Auswahl meiner Storys, die in den letzten Jahren in der c´t – dem Magazin für Computertechnik erschienen sind. Inklusive meiner für den DSFP 2002 nominierten Kurzgeschichte »Summe der Erinnerungen«. DamCover - Der Gesundheitswächterals habe ich meine Fantasie noch gezügelt. Richtig los ging es mit Band 2 »Die Arbeitsplatz-Lotterie«. Diese Sammlung enthält viele meiner typisch abgedrehten Geschichten, in denen die Helden von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. »Die Wege des großen Konstrukteurs« wurden damals sogar für den KLP nominiert.

Meinen gewohnten bitterbösen Stil behalte ich auch in Band 3 »Der Gesundheitswächter« bei, in dem elf weitere Kurzgeschichten zu finden sind.

Michael Schmidt: Mit den vier Büchern hat der Uwe Hermann Liebhaber alles oder gibt es noch weitere Geschichten? Wenn ja welche und wird es einen fünften Band geben?

Uwe Hermann: Ich habe mich auch schon an ein Jugendbuch gewagt: »Ein Land voller Magie». Falls ihr Kinder habt oder Katzen mögt, schaut mal rein. Ein weiteres Jugendbuch wartet seit längerem auf der Festplatte meines Rechners auf die Veröffentlichung. Und dann gibt es noch eine Handvoll Kurzgeschichten, die demnächst online oder in verschiedenen Verlagen erscheinen. Also ja, es wird sicher einen weiteren Band mir Kurzgeschichten geben und diesmal wird der Leser auch nicht so lange warten müssen.

Michael Schmidt: Du schreibst seit mehr als 25 Jahren Kurzgeschichten. Wenn du ein paar rauspicken müsstest, welche wären deine Favoriten?

Uwe HermaCover - Der Liebhaberautomatnn: Ich mag am liebsten die herrlich absurden Geschichten. Zum Beispiel »Das Gasthaus am Ende der Dimensionen», »Die Abteilung für kosmische Täuschungen« oder »Entführt«. Als Helmuth Mommers diese Geschichte damals las, fragte er mich, ob das wirklich mein Ernst sei.

Michael Schmidt: Wenn ich das richtig sehe, schreibst du Kurzgeschichten und keine Romane. Angeblich sind Kurzgeschichten ja das literarische Stiefkind. Dein Plädoyer zur kurzen Form!

Uwe Hermann: Ob sie das literarische Stiefkind sind, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es einfach nur weniger Menschen, die sie lesen. In jeder Geschichte braucht man einen glaubhaften Protagonisten, eine stimmige Handlung und ein knackiges Ende. Wenn dann noch der Humor dazukommt, bedeutet dass viele weitere, schlaflose Nächte. Soll eine Kurzgeschichte daraus werden, muss man all das in ein paar Dutzend Seiten packen. Einfach gesagt: Ein Roman ist wie ein Regional-Express, während eine Kurzgeschichte im ICE-Tempo durch die Handlung rast.

Michael Schmidt: Woran arbeitest du gerade?

Uwe Hermann: Zurzeit arbeite ich an einer Fantasykurzgeschichte mit dem Titel: »Der letzte Turm vor dem Niemandsland« und handelt von einem glücklosen Drachenjäger, einem Magier und dessen Truhe. Wer meinen zeitreisenden Magier aus dem »Amt« mochte, sollte sie sich anschauen. Dann ist da ja noch die Romanserie »BiomAlpha«, an der ich mit der Crème de la Crème der deutschen SF-Szene schon seit 2014 arbeite. Bald soll eine gedruckte Version der eBooks erscheinen. Zu guter Letzt wartet ein Roman, der sechs Monate nach der Handlung von »Versuchsreihe 13« spielt, auf seine letzten Kapitel und dem Feinschliff.

Cover - Die Arbeitsplatz-LotterieMichael Schmidt: Was sagst du zur deutschen SF und Fantasy Szene und welche Autoren würdest du einem Leser besonders ans Herz legen?

Uwe Hermann: Wir haben viele gute Autoren in Deutschland. Viel mehr, als die großen Verlage unter Vertrag nehmen könnten. Deshalb veröffentlichen viele ihre Geschichten als eBooks und BoD. Dort verbergen sich wahre Perlen.

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

Uwe Hermann: Schreibt mehr Rezensionen! Wenn ihr ein Buch gelesen habt, gebt eine Bewertung ab. Wir freien Autoren sind auf eure Rückmeldung angewiesen. Also traut euch: Schreibt Rezensionen, Kommentare und Mails. Wir freuen uns!

 

 

Michael Schmidt
Über Michael Schmidt (17 Artikel)
Michael Schmidt wurde 1970 in Koblenz geboren. Er veröffentlichte bisher über 60 Kurzgeschichten, die sich quer durch alle Genres bewegen und oft den Rahmen des Gewöhnlichen sprengen. Als Herausgeber zeichnete er schon für diverse Anthologien verantwortlich. Zwielicht gewann dabei dreimal in Folge den Vincent Preis. Seine Kurzgeschichtensammlungen sind bei Create Space Publishing erschienen.
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