Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 8: Schwung mit Frankensteins Sohn

Mitte der 1930er Jahre steckte nicht nur der Horrorfilm, sondern auch die Universal Studios in einer Krise.

Der Einführstopp für Horror-Filme aus den USA seitens der Briten brachten den Hollywood-Studios, insbesondere aber Universal als Hauptproduzent dieser Filme, einen Rückgang der Übersee-Einnahmen von 40%.
Hinzu kam, dass trotz des Erfolges von FRANKENSTEINS BRAUT, die Filme von Universal zu wenig oder überhaupt kein Geld einspielten.
Grund hierfür war, dass die meisten Filme des Filmstudios floppten. Für diese Misere machten die Verantwortlichen von Universal Carl Laemmle Senior (1867-1939) und seinen Sohn Carl Laemmle Junior (1908-1979) verantwortlich, die viel zu viel Geld für Filmproduktionen ausgaben, die diese aber nicht wieder einspielten.
So wurden Carl Laemmle Senior, der Gründer von Universal, und sein Sohn Carl Laemmle Junior schließlich 1936 gezwungen, das Filmstudio an die Teilhaber zu verkaufen.

Von wegen tot: Das Monster lebt. Und mit ihm der Horrorfilm.
Von wegen tot: Das Monster lebt. Und mit ihm der Horrorfilm.

Ab Ende der 1930er Jahre ging es aber mit dem Horrorfilm wieder bergauf. Denn 1939 löste Boris Karloff zusammen mit Basil Rathbone, Bela Lugosi und Lionel Atwill mit dem SON OF FRANKENSTEIN den zweiten Horrorzyklus der Universal Studios und damit eine zweite Horrorwelle in Hollywood aus.

Baron Frankenstein ist tot. Frankenstein ist tot. Sein Sohn (Basil Rathbone) kehrt auf das Schloss seiner Väter zurück.
Dort entdeckt er zu seinem Entsetzen, dass das von seinem Vater geschaffene Monstrum (Boris Karloff) nicht umgekommen ist, sondern in Tiefschlaf versunken in einer Höhle von Ygor (Bela Lugosi) bewacht wird, der Frankenstein dazu bringt, es ins Leben zurückzuholen…

Für die Rolle des Baron Wolf von Frankenstein war eigentlich PETER LORRE (1904-1964) vorgesehen. Doch als der Schauspieler erkrankte, wurde Lorre durch BASIL RATHBONE ersetzt, der zuvor den Sir Guy of Gisbourne in „Robin Hood-König der Vagabunden“ gespielt hatte, der in SON OF FRANKENSTEIN sein Horrorfilm-Debüt gab.

Da der Stern von Regisseur James Whales in Hollywood am sinken war, und ihm keine weiteren Großproduktionen in Hollywood mehr anvertraut wurden, wurden seitens der Verantwortlichen von Universal entschieden, ROWLAND V. LEE (1891-1975) die Regie für den Film SON OF FRANKENSTEIN zu geben.

Der Horrorfilm SON OF FRANKENSTEIN startete am 13. Januar 1939 in den USA. Der Film war aufgrund der Starbesetzung, des gelungenen Drehbuchs sowie der atmosphärisch dichten Handlung nicht nur ein großer Erfolg für die Universal Studios, sondern war auch ein Hit an den Kinokassen.
In Deutschland feierte der Film erst am 18. Februar 1968 unter dem Titel FRANKENSTEINS SOHN seine Premiere im NDR.

Der Schauspieler Basil Rathbone
Der Schauspieler Basil Rathbone

Der Schauspieler BASIL RATHBONE wurde am 13. Juni 1892 in Johannisburg, Südafrika, geboren.
Rathbone wuchs in England auf und besuchte von 1906-1910 die Repton-Schule. Während dieser Zeit entdeckte er die Liebe zum Theater. Als er die Schule verließ, überredete ihn allerdings sein Vater, erst einmal ein Jahr in einer Versicherung zu arbeiten. Was er auch tat.

Ein Jahr später besuchte Basil seinen Cousin Frank Bensen, der Schauspieler und Manager eines eigenen Ensembles war, und erlernte dort die Schauspielerei.
Am 22. April 1911 gab Rathbone als HORTENSIO in dem Stück THE TAMING OF THE SHREW am THEATRE ROYAL in Ipswich sein Bühnendebüt.
Im Oktober 1912 tourte er mit der BENSON COMPANY durch Amerika und spielte u. a. den Paris in ROMEO AND JULIET, den FENTON in THE MERRY WIVES OF WINDSOR und den SILVIUS in AS YOU LIKE IT.
Während seiner Zeit am Theater lernte er die Schauspielerin Ethel Marion Foreman kennen und verliebte sich in sie. 1914 heirateten die beiden Künstler. Im Juni 1915 kam ihr gemeinsamer Sohn Rodion zur Welt.

1914 kehrte Rathbone nach England, wo er am 9. Juli 1914 in der Rolle des FINCH in THE SIN OF DAVID am Savoy Theater in London zu sehen. Ein Jahr später tourte er der ENSON COMPANY durch England und spielte u. a. den LYSANDER in A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM.

Anfang 1916 verließ Basil Rathbone das Theater und meldete sich zur Armee. Dort kam er zum London Scottish Regiment, wo er an der Seite von Ronald Colman, Herbert Marshall und Claude Rains diente und während des Ersten Weltkrieges bei den Liverpool Scottish als Offizier kämpfte.
Seine Mutter sah er nicht mehr wieder, denn sie verstarb 1917. Sein jüngerer Bruder John meldete sich ebenfalls zur Armee und wurde währende des Krieges getötet.

Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg ging Rathbone’s Theaterkarriere weiter. Seine Ehe ging dabei allerdings in die Brüche. So spielte er während des Sommer-Festivals des Jahres 1919 mit der SHAKESPEARE COMPANY in Stratford-upon-Avon. Im Oktober folgte eine Anstellung am LONDON QUEEN’S THEATRE.
Im Februar 1920 war er am SAVOY THEATER in der Titelrolle im Stück PETER IBBETSON zu sehen, dass ein großer Erfolg wurde.
Ein Jahr später gab Rathbone in den beiden Stummfilmen THE FRUITFUL VINE und INNOCENT sein Filmdebüt.

1923 begann seine zweite Schauspieler-Karriere in Amerika. Genauer gesagt in New York, wo er in dem Stück THE SWAN spielte.
Dort verliebte er sich in die Scriptschreiberin Ouda Bergere. Doch bevor die beiden heiraten konnten, musste er sich von seiner Frau Marion scheiden lassen. Er reiste deshalb nach England zurück und sah dort seinen Vater zum letzten Mal, der am 13. Juni 1924 verstarb.
Zwei Jahre später, am 18. Apirl 1926, heirateten Rathbone und Ouda in New York. Die Ehe war sehr glücklich und hielt bis zu Rathbone’s Tod im Jahr 1967.

Während der 1920er Jahre arbeitete Rathbone vorwiegend am Theater. So u. a. in dem Stück THE CAPTIVE, wo er einen Homosexuellen spielte. Doch in der damaligen Zeit war dieses Thema tabu und das Stücke musste nach ein paar Wochen wieder abgesetzt werden. Kinorollen bekam er in dieser Zeit nur selten.

1929 gelang Rathbone mit dem Film THE LAST OF MRS. CHENEY ein größerer Erfolg an den Kinokassen, wodurch etliche Produzenten der Filmbranche auf ihn aufmerksam, so dass Rathbone im Jahre 1930 in gleich sieben Filmen zu sehen war.
So mimte er u. a. in dem Kriminalfilm THE BISHOP MURDER CASE den Detektiv Philo Vance, eine Figur des Kriminalschriftstellers S. S. van Dine.

1935 zogen die Rathbones nach Hollywood. Dort waren die Eheleute für ihre vielen und teuren Parties bekannt, zu der die meisten Hollywoodstars der damaligen Zeit kamen.
So u. a. auch Errol Flynn, der nach einer Party bei den Rathbones betrunken mit einer Dame zu deren Haus fuhr. In der Nacht brachte der Vater des Mädchens den betrunkenen Flynn wieder zu den Rathbones zurück und ließ ihn vor deren Haus liegen.
Als am nächsten Morgen der Gärtner den Garten wässern wollte, sprang Flynn wie vom Blitz geschossen aus dem Gras hervor. Er grüßte die beiden, die gerade beim Frühstück saßen, und machte sich auf den Weg nach Hause.

In den nachfolgenden Jahren wurde Rathbone vorwiegend durch die Darstellung unsympathischer Charaktere und Bösewichte in diversen historischen Abenteuerfilmen bekannt.
Die erste dieser Rolle war 1935 die des grausamen Stiefvater Mr. Murdstone. in DAVID COPPERFIELD, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Charles Dickens.

Rathbone spielte an der Seite von berühmten Kollegen wie Errol Flynn und Olivia de Havilland meist den Schurken
Rathbone spielte an der Seite von berühmten Kollegen wie Errol Flynn und Olivia de Havilland meist den Schurken

Weitere Schurkenrollen mimte der Schauspieler als französischer Piratenkapitän an der Seite von Errol Flynn und Olivia de Havilland in UNTER PIRATENFLAGGE (1935), an der Seite von Gary Cooper in DIE ABENTEUER DES MARCO POLO (1938), als Sir Guy of Gisborne in ROBIN HOOD, KÖNIG DER VAGABUNDEN (1938) oder als Captain Esteban Pasquale neben Tyrone Power in IM ZEICHEN DES ZORRO (1940).
In alle diesen historischen Abenteuerfilmen lieferte sich Basil Rasilbone packende Fechtduelle mit den Helden und galt bald als das Idealbild des eleganten Schurken.

Ende der 1930er Jahren zog Rodion, Basils Sohn aus erster Ehe, zu ihm und seiner Familie nach Hollywood.
Ouda hatte sich mit Rathbones erster Frau angefreundet und versuchte nun Vater und Sohn wieder zu vereinigen. Während der zwei Jahre, in denen Rodion mit ihnen lebte, kamen sich Vater und Sohn näher.

1939 adoptierten die Rathbones ein Baby und nannten es Cynthia. Basil war ein sehr liebevoller Vater und verbrachte viel Zeit mit seiner Tochter. Als Cynthia älter wurde, begleitete sie ihren Vater auf seinen Sommer-Tourneen.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wollte Rathbone für sein Land dienen, aber wegen seines Alters (47), lehnte ihn das Kriegsbüro in London ab.
So diente Basil als Präsident des „British War Relief“ und für das „War Chest Executive Commitee“, gründete den „RAF Benevolent Fund“ und half zudem den „United Nations War Relief“ zu organisieren.

1939 drehte Basil Rathbone an der Seite von Boris Karloff und Bela Lugosi mit FRANKENSTEIN SOHN seinen ersten Horror-Film.

1939 war auch das Jahr, indem Basil Rathbone in DER HUND VON BASKERVILLE zum ersten Mal in der Rolle des Sherlock Holmes auf der Kinoleinwand zu sehen war, die den Schauspieler für immer unvergessen machen sollte.
Der Erfolg von DER HUND VON BASKERVILLE führte dazu, dass 1939 mit DIE ABENTEUER DES SHERLOCK HOLMES ein weiterer Holmes-Film mit Basil Rathbone und Nigel Bruce als Sherlock Holmes und Doktor gedreht wurde.
Der Film basiert auf einem Theaterstück des Schauspielers William Gilette (1853-1937), das schon mehrfach verfilmt worden war, unter anderem mit Gilette selbst in der Rolle des Sherlock Holmes.

Der Hund von Baskertville: Rathbone als Holmes, Nigel Bruce als Watson in ihren Paraderollen
Der Hund von Baskertville: Rathbone als Holmes, Nigel Bruce als Watson in ihren Paraderollen

Durch den Erfolg der beiden Filme, entstanden zwischen 1942 und 1946 noch zwölf weitere Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce als Dr. Watson, die zum Teil auf Erzählungen von Arthur Conan Doyle basierten, jedoch nicht im viktorianischen England, sondern in der Gegenwart spielten.

1946 ließ Rathbone die Film-Reihe einstellen, um nicht für alle Zeiten auf die Rolle des Meisterdetektivs festgelegt zu sein. Als die Verträge für Film und Radio ausliefen, weigerte er sich, die Verträge zu erneuern und zog mit Ouda nach New York zurück, da sich der Schauspieler danach sehnte, neue Rollen zu spielen, als immer den selben Charakter.
Am Anfang hatte Rathbone allerdings große Schwierigkeiten eine neue Anstellung zu finden, da er nach wie vor mit der Rolle Sherlock Holmes zu sehr identifiziert wurde.
1947 wurde ihm allerdings eine exzellente Rolle in dem Stück THE HEIRESS angeboten. Rathbone fand die Rolle des Dr. Sloper faszinierend. Das Stück war ein großer Erfolg am und auch außerhalb des Broadways und der Schauspieler erhielt für seine Leistungen in dem Stück einen TONY AWARD.

1949 wurde THE HEIRESS mit Montgomery Clift und Olivia de Havilland verfilmt. Rathbone hatte gehofft die Rolle des Dr. Sloper auch in dem Film spielen zu können und war enttäuscht als die Wahl auf Ralph Richardson fiel.

Zwei Jahre später war der Schauspieler wieder bereit den Sherlock Holmes zu spielen und fragte seine Frau Ouda, ob sie ein Stück schreiben könne. Sie schrieb es und verwendete Elemente mehrerer Sherlock Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle.
Das Stück erhielt nach dessen Fertigstellung die Genehmigung von Doyles Sohn Adrian, erhielt aber nur mittelmäßige Kritiken und schloss 1953 nach nur drei Aufführungen.

Rathbone setzte in den 1950er Jahren seine Auftritte in Stücken am und außerhalb des Broadways fort. Im Kino war er allerdings nur noch sehr selten zu sehen, weil Rollenangebote ausblieben.
Seine besten Rollen während dieser Zeit hatte er 1954 in der Komödie WIR SIND KEINE ENGEL, indem er an der Seite von Peter Ustinov und Humphrey Bogart einen habgierigen Onkel mimte, der am Ende von einer Schlange gebissen wird, sowie in dem Drama DAS LETZTE HURRA unter der Regie John Ford Regie.

In den 1950er Jahren tourte er mit seiner Ein-Mann-Show namens AN EVENING WITH BASIL RATHBONE durch das Land. In diesen Auftritten erzählte der Schauspieler dem Publikum über seine Erlebnisse und Erfahrungen und gab spannende Lesungen.
In den 1960er Jahren drehte Rathbone noch mehrere Filme, auf die er aber selbst nicht besonders stolz war. Doch er musste Geld verdienen, denn seine Frau Ouda, die er sehr liebte, verbrauchte sein Geld ebenso schnell, wie er es verdiente.

Als die Sherlock Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce in den 1960er Jahren im Fernsehen ausgestrahlt wurden, nahm seine Popularität auch bei der jüngeren Generation wieder zu.

1962 schrieb Basil Rathbone seine Autobiografie IN AND OUT OF CHARACTER und
trat des öfteren im Fernsehen und in der Radio-Sendung MONITOR bei NBC auf. Im April 1963 gab er zudem eine spannende Lesung im Weißen Haus.

Basil Rathbone verstarb am 21. Juli 1967 im Alter von 75 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.

 

Ingo Löchel

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen. Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren. Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung. 2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten - Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends" (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden. Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag. Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“. 2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie "Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint. Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie "Frederik Darkstone" im Verlag Beyond Affinity. Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie "Erben des Blutes", die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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