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Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 4: Dunkle Gestalten

Nach seinem Erfolg mit dem Film FRANKENSTEIN, hauchte der Schauspieler BORIS KARLOFF noch weiteren Gestalten des Horrorfilms auf der Kinoleinwand Leben ein.

 

Fu Manchu

Fu Manchu

Neben dem Bösewicht FU MANCHU war dies auch die MUMIE. Doch bevor sich Karloff diesen Rollen widmete, sah man den Schauspieler in dem Horrorfilm THE OLD DARK HOUSE

Ein fürchterliches Unwetter über den Waliser Bergen und ein Erdrutsch, der die Straße unpassierbar macht, zwingen zuerst Margaret Waverton (Gloria Stuart), Philip Waverton (Raymond Massey) und Roger Penderel (Melvyn Douglas) und danach den Millionär Sir William Porterhouse (Charles Laughton) und dessen Freundin, die Bühnentänzerin Gladys DuCane (Lilian Bond), im Haus der Familie Femm Unterschlupf zu suchen.
Die Bewohner des Hauses, allen voran die Geschwister Horace (Ernest Thesiger) und Rebecca Femm (Eva Moore) sind den ungebetenen Gästen allerdings nicht geheuer. Doch die größte Angst haben sie vor dem stummen und unheimlich aussehenden Butler Morgan (Boris Karloff).
Nach dem gemeinsamen Abendessen kommen in einem gemeinsamen Gespräch, die eine oder anderen Geheimnisse der anwesenden Gäste ans Tageslicht. Hier tut sich besonders Sir William Porterhouse hervor.
Als sich die Gäste trennen, taucht der betrunkene Butler Morgan auf und greift Margaret an. Die kann fliehen. Glücklicherweise taucht Philip auf, der Morgan nach einem Kampf ausschalten kann.
Zusammen entdecken sie das Zimmer des 102-jährigen Sir Roderick Femm (John Dudgeon), der sie vor seinen verrückten Kindern Rebecca und Horace warnt.
Doch eine noch größere Gefahr geht von Rodericks geisteskranken und ältesten Sohn Saul (Brember Willis) aus, der im Dachgeschoss eingesperrt ist. Diesen lässt der betrunkene Butler Morgan frei, der danach versucht, das Haus seiner Familie anzuzünden. Doch Roger gelingt es den geisteskranken Saul aufzuhalten und unschädlich zu machen.

Die Verfilmung THE OLD DARK HOUSE basiert auf dem Roman BENIGHTED von J. B. Priestley aus dem Jahre 1927. Der atmosphärisch dichte Horror-Klassiker unter der Regie von JAMES WHALE lief am 20. Oktober 1932 in die US-amerikanischen Lichtspielhäuser an.
In Deutschland kam der Film leider nie in die Kinos. So feierte der Horrorfilm unter dem Titel DAS HAUS DES GRAUENS am 10. März 1989 seine Premiere (wie viele Klassiker des Horrorfilms) im deutschen Fernsehen. Auf DVD kam der Film vor einiger Zeit unter dem Titel DAS FINSTERE ALTE HAUS heraus.

 

Szene aus The Dark Old House

Szene aus The Dark Old House

THE OLD DARK HOUSE ist nicht nur ausgezeichnet besetzt, sondern hebt sich aufgrund der ausgezeichneten Rollen-Darstellungen der Schauspieler auch von der üblichen Horrorkost ab.
Als erstes fallen die ungleichen Geschwister Horace (Ernest Thesiger) und Rebecca Femm (Eva Moore) auf. Rebecca ist eine stets meckernde und unfreundliche alte Frau, die anscheinend etwas taub ist, und den ungebetenen Besuch nicht in ihrem Haus haben möchte.

Horace ist das genaue Gegenteil von Rebecca. Er ist ein ziemlich steif wirkender alter Mann, was nicht nur auf seine Körperhaltung zutrifft, der zwar Margaret & Co. freundlich bewirtet, aber wie seine Schwester auch ein dunkles Geheimnis verbirgt und Angst vor dem stummen Diener Morgan hat, der unberechenbar wird, wenn er betrunken ist.
Den unheimlich aussehenden Butler spielt Boris Karloff, der aufgrund seiner stummen Rollen keinen Text hat, und stattdessen bei der Darstellung des gestörten Morgan neben seiner unheimlichen ‘Maske’, ganz auf seine Mimik und Körperhaltung setzen muss.
Hinzu kommen Gloria Stuart als Margaret Waverton, Raymond Massey als Philip Waverton, Melvyn Douglas als Penderel, Charles Laughton als Sir William Porterhouse und Lilian Bond als Gladys.

Alle diese Schauspieler haben Szenen im Film, in denen sie im Vordergrund stehen, wodurch auch der Zuschauer nach und nach das Haus der Femms kennenlernt. So haben wir Gloria Stuart und Raymond Massey, die gegen den Butler Morgan kämpfen müssen und danach auf den 102jährigen Roderick Femm treffen.
Charles Laughton, der den besonders redseligen Millionär spielt und schließlich Melvyn Douglas und Lilian Bond. Wobei Melvyy Douglas am Ende des Films in einer Schlüsselszene zu sehen ist, wenn der geisteskranke Saul auftaucht.
In dieser Rolle ist Brember Wills zu sehen, der den gar nicht so verrückt wirkenden und aussehenden Saul ausgezeichnet spielt. Am Anfang seines Auftauchens denkt man einen armen, unverstandenen Mann vor sich zu haben, der von seinen bösen Verwandten – aus welchen Gründen auch immer – eingesperrt wurde. Doch schließlich zeigt Saul sein wahres Gesicht, greift erst Roger an und versucht danach das Haus anzuzünden.

1932 folgte nach THE OLD DARK HOUSE Boris Karloffs Rolle des Bösewichtes Fu Manchu in dem Film THE MASK OF FU MANCHU, der am 5. November 1932 in die US-amerikanischen Kinos startete.

Der sadistische Superverbrecher Dr. Fu-Manchu, ein besessener Bösewicht, strebt nach der Weltherrschaft.
Um seine finsteren Pläne zu verwirklichen, versucht er mit aller Gewalt, britischen Archäologen das Schwert und die Maske des berühmten Mongolenherrschers Dschingis Khan abzujagen.
Als die englischen Wissenschaftler in die Gewalt des finsteren Schurken geraten, werden sie beinahe Opfer seiner exotischen Mordmaschinen…

THE MASK OF FU MANCHU feierte unter dem Titel DIE MASKE DES FU-MANCHU am 8. August 1987 seine Deutschlandpremiere in der ARD.
Der Film basiert auf den gleichnamigen Roman des Autors SAX ROHMER, der zwischen 1913 und 1959 insgesamt dreizehn Bücher mit dem Bösewicht Fu Manchu schrieb.
Charles Brabin, der seinen Kollegen King Vidor in der Regiearbeit ablöste, schuf mit dem Film einen “interessanten Mix aus klassischem Grusel und Science Fiction”. Boris Karloff agiert in dem Film mit zentimeterlangen krallengleichen Fingernägeln, einem eindrucksvollen Bart sowie mit schauspielerischer und mimischer Finesse.

 

Die Mumie

Die Mumie

Nach DIE MASKE DES FU-MANCHU folgte der Horrorfilm THE MUMMY mit Boris Karloff, der am 22. Dezember 1932 in die US-amerikanischen Lichtspielhäusern startete. In Deutschland feierte der Horrorfilm unter dem Titel DIE MUMIE seine Premiere am 16. Oktober 1972 in der ARD.

Der junge Archäologe erweckt 1921 in Ägypten den Hohepriester Imhotep (Boris Karloff) zum Leben. Die Mumie des Hohepriesters verschwindet und mischt sich unter die Lebenden.
Zehn Jahre später taucht er in Gestalt des ägyptischen Archäologen Ardath Bey wieder auf. Sein ganzes Trachten gilt der Suche nach der Pharaonentochter, für die er vor 3700 Jahren in den Tod ging. In Helen (Zita Johann) glaubt er, die Seele seiner Geliebten gefunden zu haben.

Mit dem Horrorfilm gab Kameramann KARL FREUND sein Regie-Debüt, der zuvor noch in den beiden Filmen DRACULA (1931) und MORD IN RUE MORGUE hinter der Kamera gestanden hatte.
Karl Freund war u. a. für die Aufnahmen in dem Film-Klassiker METROPOLIS verantwortlich und ging Ende der 1920er Jahre nach Hollywood. 1937 gewann Freund den Oscar für die “Beste Kamera” in “Die gute Erde”.

Da jedoch die Einspielergebnisse der beiden Filme DIE MASKE DES FU MANCHU und DIE MUMIE im Gegensatz zu FRANKENSTEIN keine Kassenschlager waren, schickte Universal ihren frischgebackenen Star Boris Karloff erst einmal nach England, wo er den Film THE GHOUL drehte.

In diesem Film geht es um ein Juwel aus einem Pharaonengrab, von dem sich Professor Morlant (Boris Karloff) Unsterblichkeit verhofft.
Doch sein gieriger Diener verweigert dem Sterbenden die letzte Ehre und klaut ihm den Juwel von seinem Totenbett. Der Professor kehrt daraufhin als Ghoul aus dem Totenreich zurück, um sich zu rächen.

Während Karloff THE GHOUL in England drehte, waren zwar weitere Horror-Projekte mit ihm Schauspieler geplant, die aber alle wieder verworfen wurden. Erst mit dem Film THE BLACK CAT, kehrte Karloff 1934 wieder ins Horror-Genre zurück und stand dabei zum ersten Mal zusammen mit dem Dracua-Darsteller BELA LUGOSI vor der Kamera.

Peter und Joan Allison befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise in Ungarn, als sie den österreichischen Psychiater Dr. Verdegast kennen lernen.
Ein schrecklicher Unfall verschlägt sie auf das einsame, festungsähnliche Schloss des berühmten Architekten Hjalmar Poelzig, das er auf einem ehemaligen Schlachtfeld, dem größten Friedhof der Welt, errichtet hat.
Der Hausherr, unheimlich und exzentrisch, mit bizarrem Haarschnitt, schwarz geschminkten Lippen und in kostbare schwarze Seidenroben gehüllt, nimmt sie als Gäste auf. Doch die Allisons bemerken bald, dass zwischen ihrem Reisebegleiter und Poelzig eine fast greifbare Abneigung und ein dunkles Geheimnis stehen…

blackcat1Die Regie in BLACK CAT übernahm Edgar G. Ulmer (1904-1972), der den Horrorklassiker nach Motiven der Erzählung von Edgar Allan Poe drehte.
Im Film können vor allem die “die visuellen Qualitäten des Films, der Einsatz der subjektiven Kamera und die wirkungsvolle Art-Deco-Architektur des Schlosses” überzeugen.“

THE BLACK CAT feierte am 3. Mai 1934 seine Premiere in den USA und kam am 7. Mai in die dortigen Kinos.
Wie viele Horror-Klassiker vor ihm dauerte es aber Jahrzehnte bis der Film auch in Deutschland zu sehen war, der unter dem Titel DIE SCHWARZE KATZE seine Premiere am 21. Oktober 1967 im NDR feierte.

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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