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Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 3: Schaurige Geheimnisse

Am 3. August 1932 feierte der Horrorfilm DOCTOR X seine Premiere in den USA, in dem der Schauspieler LIONEL ATWILL (1885 – 1946) sowie die Schauspielerin FAY WRAY (1907-2004) ihre Horrorfilm-Debüts gaben.

Lionel Atwill

Lionel Atwill

Am 27. August 1932 startete der Film in den US-Kinos, der aber erst knapp 55 Jahre später, genauer gesagt am 15. Mai 1979, unter dem Titel DER GEHEIMNISVOLLE DR. X seine Deutschland-Premiere im NDR feierte.

Fay Wray

Fay Wray

Der erfahrene Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) hofft auf eine große Story, als er Recherchen in einer spektakulären Mordserie aufnimmt. Gewisse Begleitumstände der Morde deuten daraufhin, dass der unbekannte Täter ein Psychopath ist.
Taylor findet heraus, dass die Morde mit dem Forschungslabor von Dr. Xavier (Lionel Atwell) zusammenhängen. Dabei lernt er Joan (Fay Wray), die Tochter von Dr. Xavier kennen, die ins Visier des unheimlichen Mörders gerät.

Das Drehbuch zu DER GEHEIMNISVOLLE DR. X, unter der Regie von MICHAEL CURTIZ (Unter Piratenflagge, Robin Hood-König der Vagabunden, Der Herr der sieben Meere, Casablanca), entstand nach einem Bühnenstück von Howard W. Comstock und Allen C. Miller.
Der Horror-Streifen war der erste Technicolor-Film der Warner Brothers, der aber fast nur in Schwarzweiß aufgeführt wurde, da die Ausgangsmaterialien der Farbfassung des Zwei-Farben-Technicolors-Films verloren gingen.
Erst Anfang 1970 wurde in Jack L. Warners Privatsammlung eine Farbkopie des Films entdeckt, die aber bald wieder in den Archiven verschwand.
1983 beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft von Los Angeles eine private Filmsammlung, in der eine Farbfassung von DOKTOR X enthalten war. Diese Farbfilmfassung wurde im Filmarchiv der UCLA aufbereitet, so dass 1989 erstmals eine restaurierte Farbfassung des Films erscheinen konnte.

wachsNach DOKTOR X folgte 1933 mit MYSTERY OF THE WAX MUSEUM ein weiterer Horrorfilm mit dem Schauspieler LIONEL ATWILL, der am 17. Februar 1933 seine Premiere in den USA feierte und ein Tag später, genauer gesagt am 18. Februar, in die dortigen Kinos startete.
In Deutschland feierte der Film auch mal wieder erst Jahrzehnte später seine Premiere im Fernsehen. Am 24. April 1987 zeigte die ARD den Film unter dem Titel DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS.

Der Bildhauer Ivan Igor (Lionel Atwell) ist stolz auf das Lob, das ein berühmter Kunsthistoriker seinen Nachbildungen historischer Persönlichkeiten in Wachs zollt. Umso härter trifft es ihn, als die Wachsfiguren in London durch ein Feuer zerstört werden und er dabei schwer verletzt wird.
Zwölf Jahre später kann Igor, der seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist, in New York sein neu entstandenes Wachsfigurenkabinett zur Schau stellen.
Das Publikum staunt, wie lebensecht die Nachbildungen von Marat, Napoleon oder Peter des Großen wirken.
Die Zeitungsreporterin Florence Dempsey (Glenda Farrell) macht allerdings eine Entdeckung, die das schaurige Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts zutage fördert…

DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS, ebenfalls unter der Regie von Michael Curtiz, basiert auf der Kurzgeschichte THE WAX WORKS von Charles Belden, der zusammen mit Don Mullaly und Carl Erickson das Drehbuch zum Film schrieb.
Der Horrorfilm von Michael Curtiz war einer der letzten Filme, die im Zwei-Farben-Technicolor, einem frühen Farbfilm-Verfahren gedreht wurden.
Seit 1948 galt die Farbfassung des Films allerdings als erschollen, bis nach dem Tod von Jack L. Warner im Jahre 1978 eine Farbfassung von DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS in dessen Privatarchiv entdeckt wurde.

DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS gilt heute als der erste moderne Horrorfilm der Filmgeschichte, weil der Film „die New Yorker Realität der dreißiger Jahre einbezieht und in einen wirkungsvollen Kontrast zu seiner melodramatischen Unheimlichkeit setzt“. Der Film ist zwar streckenweise als Kriminalfilm angelegt, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

vincentEine Neuverfilmung des Horror-Klassikers MYSTERY OF THE WAX MUSEUM wurde 1953 unter dem Titel HOUSE OF WAX (Das Kabinett des Professor Bondi) mit Vincent Price gedreht.

Der Schauspieler LIONEL ATWILL wurde am 22. April 1885 in Croydon, England, geboren. Er studierte an der „Mercer School“, um Architekt zu werden. Während seines Studiums entdeckte er aber seine Liebe zum Theater und gab mit 20 sein Bühnen-Debüt am „Garrick Theatre“ in London. 1915 kam Atwill in die USA, wo er von 1917 bis 1931 in 25 Stücken am Broadway auftrat.

1918 gab der Schauspieler in dem Stummfilm EVE’S DAUGHTER sein Film-Debüt. Nach weiteren Filmen folgte 1929 mit dem Kurzfilm THE KNIFE sein erster Tonfilm. Durch seine sonore Stimme und seinen ausgezeichneten britischen Akzent war Atwill wie geschaffen für den aufkommenden Tonfilm, der ihm 1932 die Hauptrolle in SILENT WITNESS seinen ersten richtigen Lang- und Tonfilm einbrachte.

Neben weiteren Horror-Filmen wie MURDERS IN THE ZOO (Panik im Zoo, 1933), THE MAN WHO CLAIMED HIS HEAD (1934) MARK OF THE VAMPIRE (Das Zeichen des Vampir, 1935), SON OF FRANKENSTEIN (1939) oder THE GORILLA (1939) drehte Atwill auch eine Vielzahl von Kriminalfilmen wie THE SPHINX (1933), THE SECRET OF THE BLUE ROOM“ (1933), STAMBOUL QUEST (Das Geheimnis von Stambul, 1934), THE HOUND OF THE BASKERVILLES (1939), CHARLIE CHAN’S MURDER CRUISE (Charlie Chan auf Kreuzfahrt, 1940) sowie den Professor Moriarty in SHERLOCK HOLMES AND THE SECRET WEAPON (Die Geheimwaffe, 1943).
Ab und zu sah man den Schauspieler aber auch in Abenteuerfilmen. So u. a. in der Rolle des Colonel Bishop in CAPTAIN BLOOD (Unter Piratenflagge, 1935) oder in THE THREE MUSKETEERS (1939).

Anfang der 1940er Jahre wurde seine Schauspielerkarriere durch einen Sexskandal in Mitleidenschaft gezogen, der schließlich in einer Gerichtsverhandlung endete, in der Atwill zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt wurde.
Danach war es schwer für ihn, Rollen in Filmen oder am Broadway zu bekommen. Zudem ließ sich am 18. Juni 1943 seine dritte Frau, Henrietta Louise Cromwell, von ihm scheiden. So wich Atwill auf Film-Serials wie CAPTAIN AMERICA (1944) oder RAIDERS OF GHOST CITY (1944) aus.

Nach seiner Heirat mit Mary Paula Pruter am 7. Juli 1944 verbesserte sich seine Lage im Filmgeschäft nach und nach wieder und Atwill bekam u. a. Rollen in HOUSE OF FRANKENSTEIN“ (1944), FOG ISLAND (Die Insel des Grauens, 1945) oder CRIME INC. (Gangster GmbH, 1944).

1945 drehte Atwill mit HOUSE OF DRACULA seinen letzten Horrorfilm. Ein Jahr später folgte mit GENIUS AT WORK sein letzter Film, der erst einige Monat nach seinem Tod, genauer gesagt am 20. Oktober 1946, in die US-amerikanischen Kinos kam.
Lionel Atwill verstarb am 22. April 1946 während der Dreharbeiten zu dem Film-Serial LOST CITY OF THE JUNGLE.

Ingo Löchel
Über Ingo Löchel (127 Artikel)
Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen. Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren. Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung. 2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten - Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends" (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden. Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag. Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“. 2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie "Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint. Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie "Frederik Darkstone" im Verlag Beyond Affinity. Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie "Erben des Blutes", die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.
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