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Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 2: Mehr Monster

Durch den Erfolg von DRACULA bestätigt, planten die UNIVERSAL STUDIOS mit FRANKENSTEIN einer weiteren Horrorgestalt auf der Kinoleinwand zu bannen.

Zuerst war Bela Lugosi für die Rolle des Filmmonsters vorgesehen, doch der Schauspieler sagte ab, weil ihm die Rolle als Frankensteins Monster ganz und gar nicht zusagte.

Carl Laemmle, Studioboss Universal

Carl Laemmle, Studioboss Universal

So machten sich der Regisseur JAMES WHALE (1889 – 1957) und Carl Laemmle, der damalige Studioboss der Universal Studios, auf die Suche nach einer Alternative für Lugosi und wurden schließlich fündig.
Durch den Gangsterfilm CRAFT waren die beiden Männer 1931 auf den Schauspieler BORIS KARLOFF (1887-1969) aufmerksam geworden. Der Studioboss bot Karloff daraufhin nach einigen Tests die Rolle des Monsters im geplanten Film FRANKENSTEIN an, die dessen Sohn Carl Laemmle Jr. produzieren wollte.
Doch die Rolle des Monsters war für Karloff alles andere als eine einfache Filmarbeit, denn die Maske und das Kostüm des Filmmonsters wogen allein schon 67 Pfund. Auch das Auftragen der Maske war eine Tortur für Karloff und dauerte jeden Tag bis zu vier Stunden und weitere Stunden, um sie am Abend wieder abzutragen.

FRANKENSTEIN erlebte am 21. November 1931 seine Filmpremiere und lief am 4. Dezember 1931 in die US-amerikanischen Lichtspielhäuser an. Wie zuvor DRACULA wurde auch dieser Horror-Film ein großer Erfolg an den Kinokassen und machte den Schauspieler Boris Karloff – wie zuvor Bela Lugosi als Dracula – über Nacht zum Star. Seine Deutschlandpremiere erlebte der Film am 18. Mai 1932, wo er in den dortigen Kinos anlief.

Aber der Erfolg der beiden Filme DRACULA und FRANKENSTEIN waren für BELA LUGOSI und BORIS KARLOFF ein zweischneidiges Schwert, da die beiden Schauspieler danach auf die Rollen des Bösewichtes bzw. des Monsters festgelegt waren und es ihnen nie gelang, sich von diesem Image zu lösen.

Zudem waren die Filmstudios, allen voran Universal, nicht in der Lage, die schauspielerischen Potentiale der beiden Schauspieler, besonders die von BORIS KARLOFF, richtig einzusetzen und zu nutzen, und verschwendeten sie stattdessen in schlecht gemachten Filmen, die mit den Jahren auch kein Geld mehr einspielten.

Frankensteins Braut: Elsa Lanchester

Frankensteins Braut: Elsa Lanchester

Nichtsdestotrotz entstanden während der ersten Hochphase des Horrorfilms in den 1930er Jahren in den USA Horrorfilm-Klassiker wie DR. JEKYLL UND MR. HYDE (1931) mit Fredric March, DOCTOR X (1932) sowie MYTERY OF THE WAX MUSEUM (1933) mit LIONEL ATWILL, THE MUMMY (1932) mit Boris Karloff oder THE INVISIBLE MAN (1933) mit CLAUDE RAINS,, die aber Mitte der 1930er Jahre nach FRANKENSTEINS BRAUT (1935) mit Boris Karloff wieder abrupt verebbte.

Doch es waren auch Opfer während dieser ersten Hochphase des Horrorfilms zu beklagen. So u.a. der Regisseur TOD BROWNING, der nach dem Misserfolg seines Films FREAKS (1932) bei den damaligen Filmstudios in Ungnade fiel und sich davon beruflich nicht mehr erholte, oder der Schauspieler DWIGHT FRYE (1899-1943), der nach guten Horror-Rollen, ab Mitte der 1930er Jahre nur noch in kleineren Rollen bzw. in Kleinstrollen zu sehen war und 1943 an den Folgen eine Herzinfarktes verstarb.
Der Schauspieler FREDRIC MARCH (1897-1975) war ein großer Bewunderer von John Barrymore, der den Dr. Jekyll in der Stummfilmversion von 1920 dargestellt hatte.
Und das Schicksal meinte es gut mit March. Denn er spielte sein Idol Barrymore nicht nur in dem Film THE ROYAL FAMILY OF BROADWAY – für die March eine Oscar-Nominierung einheimste – sondern auch die Titelrolle in der ersten Tonfilmversion von DR. JEKYLL AND MR. HYDE (Dr. Jekyll und Mr. Hyde) unter der Regie von Rouben Mamoulian.
Diese Titelrolle gehört nicht nur zu einen der besten schauspielerischen Leistungen von Fredric March, sondern March erhielt für seine Darstellung in dem Film 1932 den OSCAR als „Bester männlicher Hauptdarsteller”.

DR. JEKYLL AND MR. HYDE erlebte seine Premiere am 31. Dezember 1931 und startete einige Tage später, genauer gesagt am 2. Januar 1932, in die US-amerikanischen Lichtspielhäuser.
Als der Film 1935 erneut in die US-amerikanischen Kinos eine Wiederaufführung erlebte, musste sich der Film jedoch aufgrund der neuen Richtlinien, die die US-amerikanische Filmindustrie durch den so genannten Production Code unterworfen war, aufgrund seine sexuelle Anspielungen und durch die Darstellung einer Prostituierten durch die Schauspielerin Miriam Hopkins, einige Veränderungen über sich ergehen lassen und wurde um insgesamt 8 Minuten gekürzt.

In Westdeutschland kam DR. JEKYLL AND MR. HYDE nie in die Kinos. Der Film erlebte seine Filmpremiere am 5. Mai 1970 im westdeutschen Fernsehen.
DR. JEKYLL AND MR. HYDE basiert auf der Erzählung “The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde” von Robert L. Stevenson, die bisher vermutlich über zwei dutzend Male verfilmt wurde.

bannNachdem BELA LUGOSI durch seine Rolle des Grafen Dracula der Durchbruch als Schauspieler gelang, war der Darsteller danach in weiteren Horror-Filmen zu sehen, wo er vorwiegend als Bösewicht agierte. So u. a. auch in dem 1932 gedrehten Film WHITE ZOMBIE (Im Banne des weißen Zomibes) unter der Regie von VICTOR HALPERIN (1895-1983), der am 4. August 1932 seine US-Premiere feierte.

Der Film IM BANNE DES WEISSEN ZOMBIES, der auf dem Bühnenstück ZOMBIE basiert, und sich mit der Zombiethematik beschäftigt, stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Das Filmprojekt wurde an mehrere Filmstudios weitergereicht bis es schließlich von United Artists realisiert wurde.
Nachdem der Film im März 1932 in elf Tagen abgedreht wurde, wurde WHITE ZOMBIES nach einer Premiere am 16. Juni 1932 in New York von 74 Minuten auf 69 Minuten gekürzt.

Die deutschen Horrorfans kamen erst am 7. Juli 1989 in den Genuss des Films. An diesem Tag feierte der Horrorfilm seine Deutschlandpremiere im deutschen Fernsehen.

IM BANNE DES WEISSEN ZOMBIES gehört zwar aufgrund seiner atmosphärisch dichten Handlung zu den Klassikern des Horrorfilms, wirkt aber aus heutiger Sicht etwas altbacken. Zudem geht durch die grausige deutsche Synchronisation die unheimliche Atmosphäre des Films teilweise gänzlich verloren.

Der Regisseur VICTOR HALPERIN wurde am 24. August 1895 in Chicago, Illinois, USA, geboren. Er studierte an der “University of Wisconsin” und war danach als Bühnenschauspieler und Bühnenregisseur tätig.

1922 begann seine Karriere in der aufkommenden US-amerikanischen Filmindustrie, als er an dem Drehbuch zu dem Film THE DANGER POINT mitschrieb. Zwei Jahre später gab Victor Halperin in WHEN A GIRL LOVES (1924) sein Stummfilm-Debüt als Regisseur.

Smart: Douglas Fairbanks Jr.

Smart: Douglas Fairbanks Jr.

Nach fünf weiteren Filmen drehte er 1929 mit PARTY GIRL – mit Douglas Fairbanks Jr. in der Hauptrolle – seinen ersten Tonfilm, der am 1. Januar 1930 in die US-amerikanischen Lichtspielhäuser startete.

Nach EX-FLAME begann Halöerin ab dem Jahre 1932 mit dem Film WHITE ZOMBIE (mit Bela Lugosi) auch im Horror-Genre Fuß zu fassen, den er zusammen mit seinem Bruder Edward produzierte.
Dem Film war zwar nur ein bescheidener Erfolg beschieden, doch nichtsdestotrotz blieb Halpernin dem Horror-Genre treu und drehte Filme wie SUPERNATURAL (1933) mit Carole Lombard und Randolph Scott oder REVOLT OF THE ZOMBIES (1936) mit Dorothy Stone und Dean Jagger, die ebenfalls von seinem Bruder Edward produziert wurden.

Nach seinem Anti-Rassismus-Film RACING BLOOD folgten noch drei weitere Filme bis der Regisseur 1942 mit GIRLS’ TOWN seinen letzten Film drehte und sich danach aus dem Filmgeschäft zurückzog. Victor Halperin verstarb am 17. Mai 1983 in Benton, Arizona, USA.

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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