Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 10: Ein Adieu – Ein Wiedersehen

Nach dem großen Erfolg von FRANKENSTEINS SOHN, hatte der Schauspieler Boris Karloff, der mit dem Bühnenstück ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN von Joseph Kesselring Erfolge am Broadway feierte, kein Interesse mehr daran, das Monster in weiteren Filmen zu spielen. Auch, um nicht ständig auf diese eine Rolle festgelegt zu sein.

Lon Chaney Jr. frisch aus der Maske
Lon Chaney Jr. frisch aus der Maske

Das Theaterstück ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN, indem Boris Karloff als Jonathan Brewster brillierte, feierte am 10. Januar 1941 seine Broadway-Premiere im Fulton Theatre, und wurde dort 1.444 mal aufgeführt. Die letzte Vorstellung des Stückes war am 17. Juni 1944.

Da Karloff nicht mehr zur Verfügung stand, bekam LON CHANEY JUNIOR 1942 die Rolle von Frankensteins Kreatur in THE GHOST OF FRANKENSTEIN (Frankenstein kehrt wieder). Mit Bela Lugosi als Ygor spielte in dem vierten Frankenstein-Streifen von Universal ein alter Bekannter aus FRANKENSTEINS SOHN wieder mit.

Da ein Jahr später Lon Chaney junior in FRANKENSTEIN MEETS THE WOLF MAN (Frankenstein trifft den Wolfsmenschen) erneut als der Wolfsmensch Larry Talbot zu sehen war, musste ein anderer Schauspieler in die Rolle von Frankensteins Monster schlüpfen. Die Wahl fiel auf BELA LUGOSI, der diese Rolle übernahm, obwohl er diese zwölf Jahre zuvor abgelehnt hatte.

Nach den Frankensteinauftritten der beiden Schauspieler Lon Chaney junior und Bela Lugosi wurde seitens Universal nach einem neuen Darsteller für das Monster gesucht.
Es war schließlich der Maskenbildner Jack P. Pierce (1889-1968) dem GLENN STRANGE (1899-1973) aufgrund seiner passenden Größe und seines Körperbaus für die Rolle auffiel.
Strange hatte 1942 in THE MAD MONSTER sein Horrorfilm-Debüt gegeben. Einen kleinen Auftritt hatte er zudem in dem Mumienfilm von Universal THE MUMMY’S TOMB (1942) absolviert.

 

Glenn Strange...hier als Cowboy: Erkannt? Wetten!
Glenn Strange…hier als Cowboy: Erkannt? Wetten!

Jack P. Pierce machte sich für Strange stark, so dass dieser schließlich 1944 Frankensteins Monster in HOUSE OF FRANKENSTEIN (Frankensteins Haus) zum ersten Mal spielte. Kurioserweise ist Boris Karloff in dem Horrorfilm ebenfalls mit von der Partie, der darin den Dr. Gustav Niemann mimt.
Ein Jahr später folgte Stranges zweiter Frankensteinauftritt in dem Horrorfilm HOUSE OF DRACULA (Draculas Haus).

Sieht man sich diese Nachfolger von FRANKENSTEINS SOHN an, so fällt ganz deutlich auf, dass sie bei weitem nicht mehr die Qualität des Films aus dem Jahre 1939 mit Boris Karloff erreichen, sondern ganz klar und deutlich B-Produktionen sind, was man diesen Filmen auch deutlich ansieht. Auch in Bezug auf die bisweilen etwas einfältige und minder spannende Handlung der Horror-Streifen.

Ende der 1940er war das Ende des Horrorfilms schließlich gekommen. Kurioserweise markiert die Horror-Parodie ABBOT AND COSTELLO MEET FRANKENSTEIN (Abbot und Costello treffen Frankenstein) aus dem Jahre 1948 trotz ihres Erfolges an den Kinokassen, das Ende der Horrorfilm-Ära in Hollywood, insbesondere auch die von Universal.

Als Transportarbeiter bekommen Abbott und Costello den Auftrag, Dracula (Bela Lugosi) und Frankensteins Monster (Glenn Strange) in zwei Kisten an ein Gruselkabinett zu liefern.
Als sich das Transportgut selbstständig macht und auch noch der Wolfsmann (Lon Chaney junior) zu ihnen stößt, bekommen Abbott und Costello alle Hände voll zu tun…

Abbot und Costello treffen Frankenstein
Abbot und Costello treffen Frankenstein

ABBOT AND COSTELLO MEET FRANKENSTEIN startete am 15. Juni 1948 in den USA. Zehn Jahre später, genauer gesagt am 22. August 1958, kam diese sehr überdrehte Filmgroteske unter dem Titel ABBOT UND COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN auch in Westdeutschland in die Kinos

Es gab aber im Gegensatz zu den Frankenstein-Verfilmungen von Universal ab Mitte der 1940er Jahren auch noch einige positive Ausnahmen im Bereich des Horrorfilms. Wie zum Beispiel der Fox-Film THE LODGER.

Der Film THE LODGER aus dem Jahre 1944 basiert auf der gleichnamigen Geschichte von Mary A. Belloc Lowndes, die mehrmals verfilmt wurde.
Dem deutschen Regisseur John Brahm, der in den 1930er Jahren in USA emigrierte, gelang mit dem Film ein atmosphärisch dichter Grusel-Krimi, der das London des späten 19. Jahrhunderts wieder auferstehen lässt. Ein weiterer positiver Aspekt von THE LODGER ist die sehr gute Besetzung des Film in Gestalt der Schauspieler LAIRD CREGAR, MERLE OBERON sowie GEORGE SANDERS, die alle in ihren Rollen überzeugen können.

Laird Cregar
Laird Cregar

Mr. Slade (Laird Cregar) ist ein junger und unscheinbar wirkender Mann, der sich in einem Appartement im Londoner Whitechapel-District einmietet.
Die Ankunft des neuen Mieters geht einher mit den brutalen Morden von Jack the Ripper. Purer Zufall oder doch mehr?
Kitty (Merle Oberon), die Nichte der Familie, findet den neuen Mieter interessant. So versucht sie immer öfters, Zeit mit Slade zu verbringen und gerät dabei immer mehr in Gefahr.
Währenddessen versucht Scotland-Yard-Inspektor John Warwick (George Sanders) alles, um dem Treiben des grausamen Frauenmörders, der in Whitechapel sein Unwesen treibt, ein Ende zu bereiten.

Der heimliche Star des Films THE LODGER ist aber ohne Frage der Schauspieler LAIRD CREGAR, der durch seine wuchtige Gestalt und durch seine sehr überzeugende Darstellung, der Figur des Mr. Slade die nötige Glaubwürdigkeit einhaucht.

LAIRD CREGAR war zur damaligen Zeit eines der größten Talente Hollywoods. Dem am 28. Juli 1913 in Philadelphia, USA, geborenen Schauspieler, war aber leider nur eine kurze Karriere in Hollywood vergönnt.
Nach seiner Rolle in DER SCHLITZER VON LONDON, seinem fünfzehnten Film, speckte der 136 Kilogramm schwere und 1,90 Meter große Mime mit Hilfe einer Blitz-Diät über 45 Kilogramm ab, um für den Film HANGOVER SQUARE den Pianisten George Bone überzeugend spielen zu können.
Aufgrund dieser Diät, in der vermutlich auch Amphetamine im Spiel waren, bekam Cregar gesundheitliche Probleme, die in einer Magenoperation endeten. Wenige Tage nach dieser Operation, verstarb Laird Cregar am 9. Dezember 1944 an den Folgen eines Herzinfarktes.

Dies waren die „Anfänge des Horrorfilms“. Ist die Sache damit beendet? Keineswegs! Ab nächster Woche erleben Sie … Die Rückkehr des Horror-Films. Eine weitere Serie von Ingo Löchel in Ihrem und Eurem PHANTASTIKON.
Ingo Löchel

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen. Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren. Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung. 2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten - Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends" (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden. Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag. Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“. 2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie "Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint. Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie "Frederik Darkstone" im Verlag Beyond Affinity. Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie "Erben des Blutes", die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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