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Die Anfänge des Horrorfilms, Folge 1: Terror mit Ton

 

Das Jahr 1928 kann man getrost als Schlüsseljahr des Horrorfilms betrachten, denn mit THE TERROR (Der Schrecken von Piccadilly) drehte der Regisseur ROY DEL RUTH (1893-1961) den ersten Horror-Tonfilm der Filmgeschichte. Der Film basiert auf den gleichnamigen Theaterstück von Edgar Wallace.

Monkshall ist ein reiches Anwesen, das von Colonel Redmayne geführt wird. Doch schon lange gehen die Gerüchte um, dass es in dem Hause spuken soll. Mitten in der Nacht ertönt manchmal Orgelspiel, gefolgt von einem irren Lachen, und manche Gäste behaupten, im Mondlicht die Gestalt eines vermummten Mönchs gesehen zu haben. Redmaynes Tochter Olga trifft ein, um auf dem Anwesen Urlaub zu machen. Die Ereignisse spitzen sich zu, als ein Gast erstochen aufgefunden wird…

terror1Als THE TERROR am 6. September 1928 in die US-amerikanischen Kinos startete, waren die Kritiker von dem Streifen begeistert und lobten die „furchterregende Atmosphäre“ und den „hohen Standard der Schauspielkunst“.
Der Ton des Films war damals eine Sensation, wenngleich es keine durchgehende Geräuschkulisse gab, sondern nur die Dialogszenen im Film gesprochen wurden. Der Horrorfilm hatte ein Länge von 85 Minuten und gilt bis heute als verschollen.

MAY McAVOY (1901-1984) verkörperte die Hauptdarstellerin des Films, die durch ihre Hauptrollen in Filmen wie BEN HUR (als Esther, 1925) oder THE JAZZ SINGER (als Mary Dale, 1927) bekannt geworden war. 1929 zog sich die Schauspielerin nach ihrer Heirat mit Maurice Cleary, dem damaligen Schatzmeister und Vize-Präsidenten der United Artists, aus dem Filmgeschäft zurück.

Der Roman THE TERROR, den Edgar Wallace erst als Theaterstück verfasste und der 1929 als Roman veröffentlicht wurde, wurde danach noch mehrmals verfilmt. 1938 erschien die britische Neuverfilmung unter dem gleichnamigen Titel.
In den 1960er Jahre wurde THE TERROR im Zuge der deutschen Edgar Wallace-Welle unter den Titeln DER UNHEIMLICH MÖHCH (1965) und DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE gleich zweimal verfilmt.

Doch erst drei Jahre nach THE TERROR sollte sich der Horrorfilm nach und nach in Hollywood etablieren. Die Erfolge der beiden Universal-Filme DRACULA (1931) und FRANKENSTEIN (1931) lösten Anfang der 1930er Jahre die erste Horrorwelle der Filmgeschichte aus und machten die beiden Schauspieler BELA LUGOSI und BORIS KARLOFF über Nacht zu Stars.

Schon 1925 keimte in dem Regisseur Jean D. Williams die Idee zu dem Film DRACULA. In dem Schauspieler BELA LUGOSI (1882-1956), den Williams in dem Stück OPEN HOUSE gesehen hatte, sah der Regisseur den perfekten Dracula.
Doch Copyrightschwierigkeiten standen seinen Plänen im Wege, so dass Williams Lugosi weiterempfahl, und der Schauspieler 1927 in dem Bühnenstück DRACULA die Titelrolle erhielt. Das Stück wurde ein großer Erfolg. Bela Lugosi stand insgesamt 265 mal als Graf Dracula auf der Bühne.

Typisch: Bela Lugosi

Typisch: Bela Lugosi

Als Universal 1930 schließlich eine Verfilmung von DRACULA in Angriff nahm, war Bela Lugosi für diese Rolle zunächst gar nicht im Gespräch. Stattdessen sollte LON CHANEY Graf Dracula spielen. Doch als Chaney am 26. August 1930 verstarb, erhielt Lugosi schließlich doch die Rolle des Grafen Dracula, was sich für den Film als großer Vorteil herausstellte.

Unter der Regie von TOD BROWNING (1880-1962) hatte DRACULA am 12. Februar 1931 seine Premiere in New York City. Zwei Tage später, am Valentinstag des Jahres 1931, startete der Film in den US-amerikanischen Lichtspielhäusern und war auf Anhieb ein großer Hit an den Kinokassen. DRACULA machte den Schauspieler Bela Lugosi über Nacht zum Star und leitete die nachfolgende Horrorfilm-Welle der UNIVERSAL STUDIOS ein.

Nicht zuletzt bei den weiblichen Zuschauern kam Bela Lugosis erotische Gewalt gut an, wie die Menge an Fanpost des Schauspielers aufzeigen sollte.

Mit dem gleichnamigen Buch von Bram Stoker hatte die Dracula-Verfilmung der Universal Studios jedoch so gut wie nichts mehr zu tun. Stattdessen orientierte sich der Regisseur Ton Browning bei der filmischen Umsetzung des Dracula-Stoffes stark an dem gleichnamigen Bühnenstück von John Balderston und Hamilton Deane aus dem Jahr 1927.

Dwight Frye

Dwight Frye

Schon zu Beginn des atmosphärisch dichten Filmes fährt nicht Jonathan Harker, sondern der Makler Renfield nach Transsylvanien, um mit dem dort lebenden Grafen Dracula über Londoner Immobilien zu verhandeln.
Auch sonst sind die einzelnen Personen des Romans im Film auf obskure Weise vertauscht. Mina ist im Film die Tochter von Dr. Seward (des Leiters der Irrenanstalt in der Renfield eingeliefert wird) der Amerikaner Morris taucht im Film erst gar nicht auf und die Figur des Professor Van Helsings wirkt ein bisschen farblos und hölzern.
Dafür gibt der Renfield-Darsteller DWIGHT FRYE (1918-1943) neben Lugosi wohl die beste Performance des ganzen Filmes ab.

Ins deutsche bzw. westdeutsche Kino kam DRACULA nie. Stattdessen erlebte der Horrorfilm seine deutsche Filmpremiere erst am 14. Januar 1970 im westdeutschen Fernsehen.

 

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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