Der Stalker

Heisse Sabrina, bin dreißig, und bisher verlief mein Leben erfolgreich, glücklich und ziemlich geradlinig: Glückliche Kindheit, Abitur und Studium. Erste Affären, ich blieb aufgrund der gemachten Erfahrungen überzeugte Single. Dann Beruf, rascher Aufstieg, Juristin bei einer Großbank. Guter Verdienst, luxuriöse Wohnung und ein kleiner aber schneller BMW-Sportwagen in der Tiefgarage. Alles super- bis zu jenem Tag im November …

Ich wollte gerade in meinen Flitzer einsteigen. Da sah ich den schwarzen Geländewagen, der mit Licht langsam aus einer Parkbucht auf mich zurollte. Hielt. Surrr, Fenster runter. Ein Mann um die
vierzig starrte mich an. Sofort spürte ich eine innere Abneigung, Antipathie, ja fast körperlich fühlbar. Der Kerl hatte eine Halbglatze, sah aus wie ein Weichei, schwammiges Gesicht. Zum Abtörnen. So ein Typ, der sich eine Thai aus dem Katalog bestellt- möglichst noch minderjährig. “Hi, schöne Frau! Ich möchte sie gerne kennenlernen, also geben sie mir bitte Ihre Nummer- bitte! Leider bin ich gerade in Eile. Ich rufe sie an!” Okay- kann der haben. Ich gab ihm eine fiktive Nummer, der Kerl notierte sie in ein Notizbuch. Dann fuhr er rasch davon. Hihi- wie blöd ist denn der Arsch?!

Abends- ich genoß ein Schaumbad- summte mein Smartphone. “Hi, Sabrina, wie versprochen rufe ich dich an! Du liegst nackt in der Wanne, geil! Schiebe mal den Schaum etwas weg, möchte dich ansehen!” Der Kerl schnaufte wie ein Walroß. Ich war völlig überrascht, verwirrt, wütend. Dann ratterte mein Juristenhirn. Ohne Ergebnis. Der Scheißkerl schien meine Ratlosigkeit zu spüren:
“Haha, deine Kolleginnen sind sehr hilfsbereit, habe auch den Eindruck, sie mögen dich nicht besonders, hahaha…” Das konnte hinkommen- ich gelte als Karriere-Weib, cool, ehrgeizig und auf Distanz bedacht. Und meinen Laden habe ich im Griff- da bleiben Animositäten nicht aus. Der hatte mich also abgepasst, als ich die Bank in der elften Etage verließ, soso. Aber woher wußte der …”Meine Minicam ist so scharf wie du und ich, hahaha”! grunzte der Scheißkerl. Ich spürte Hektik. Bin absolut nicht prüde. Sehe auch knackig aus. Aber heimlich in dieser Intimsituation beobachtet werden! Hatte gerade mir einen kleinen  Orgasmus gegönnt. Mangels adäquatem Partner derzeit. Hektisch und wütend checkte ich mein Badezimmer. Da drüben- auf der Ablage über dem Waschbecken. Eine weitere Dose. Kenne ich nicht. Ich sprang aus der Wanne, schnappte die Dose: Eine Minicam!!! Der Hurensohn war hier drin gewesen. Hatte dieses Ding da postiert. Ich kochte. Hörte den Typern wie irre lachen … Spürte Wut, Panik und Scham- ich, die Coole!?

Tags darauf saß ich vor einem sympathischen Kripomann. Erzählte alles- bis auf den Orgasmus … Der tippte alles nebenbei in seinen Laptop. Dann inspizierte er die Cam. Steckte sie in einen Plastikbeutel. Mitfühlend sagte er: “Klarer Verstoß gegen § 238 StGB! Das ist das Stalkergesetz. Wir werden uns diesen Herrn vornehmen, außerdem kommt noch eventuell Hausfriedensbruch dazu.” “Wieso eventuell?” Dann sagte mir mein Juristengehirn: Sofern es beweisbar ist, blöde Kuh! Tatsächlich gab es keinerlei Einbruchsspuren, keine Fingerabdrücke außer meinen auf der Cam und in meiner Wohnung. Kurz: Obwohl die Kripo den Kerl aufspürten, hatten sie nichts in der Hand. Der musste sich irgendwie einen Nachschlüssel besorgt haben. Und meine Handynummer? Hätte ich ihm selbst gegeben. Klar, daß meine Assistentinnen logen. Die wussten, was ihnen sonst geblüht hätte. Kurz- die Beamten stellten das Verfahren vorläufig ein. Zitierten ihm den § 238. Der zeigte Einsicht, klar, meine Herren.

In den nächsten Wochen fand ich keine Ruhe mehr: Anrufe, sms reihenweise mit obszönen Beleidigungen. Dann ein Blumenstrauß vor der Türe! Ich geriet in Panik- war doch ein Foto dabei, ich splitternackt in der Wohnung. Auf dem Sofa hatte ich es mir besorgt- nach einem anstrengenden 12-Stunden-Streßtag. Dieser Drecksack!!! Wieder Polizei. Warten. Dann wieder diese Aussage: “Wir können leider nichts machen, wegen der sms haben wir eine Anzeige laufen. Das kann aber noch einige Wochen dauern. Der Staatsanwalt ist ziemlich überlastet.”

Dann häuften sich die Ereignisse: Ein Paket von Zalando. Ließ ich zurückgehen. Dann ständig sms, wann ich ihn endlich ficken würde. Außerdem sollte ich ihm einen blasen. Und … weitere Obzönitäten folgten- anal, anpissen und noch spezielleres  …

Tags darauf war mein Flitzer kotbeschmiert. Briefe in der Post. Der Ton wurde immer brutaler. Jetzt quatschte der von Vergewaltigung. Fesseln. Kehle zudrücken. “In Atemnot kommst du wie eine Furie, du dreckige Schlampe! Hahaha.”
Die Polizei erweiterte die Anzeige durch diese Beweismittel. Verboten ihm, sich mir weiter als hundert Meter zu nähern. “Natürlich, meine Herren, klar. Ist doch selbstverständlich!”

Am nächten Tag verfolgte mich der riesige schwarze SUV. Ich sah seine gemeine Fresse, grinsend. Spürte, der wollte jetzt zur Tat übergehen. Panik, nackte Angst. Ich musste mich schützen! “Machen Sie doch einen Karate-Kurs, Pfefferspray wirkt nur, wenn Sie ihn sofort zur Hand haben.” Kluge Ratschläge der Polizisten … Ich schlief kaum noch, war ein Nervenbündel. Hatte mich zwei Wochen in Urlaub abgemeldet. Herzrasen, keinen Appetit mehr. Ich spürte den Scheißkerl fast körperlich. Der würde mich demnächst attackieren. Bestellte eine Sicherheitstüre. Lieferung in einer Woche. Solange konnte ich nicht warten …

Da hörte ich das Türschloß! Ich sprang auf, nahm mein Handtuch über die rechte Hand. Da stand der Stalker in meiner Diele: Groß, massig, schwarz gekleidet. Wie ein Schattenriß gegen die weiße Wand. Ein Messer blitzte in seiner Hand, so ein Rambo-Messer. Er grinste teuflisch, sabberte gierig. Starrte mich unverwandt an. Ich sah Nylonschnüre in seiner anderen Hand. Er setzte einen Fuß langsam nach vorne, wollte meine Angst geniessen. Da ließ ich das Handtuch fallen und schoß- Dauerfeuer. Der Bolzenschußapperat sah nicht nur aus wie eine Maschinenpistole, er tat auch so seinen Dienst. Und zum Glück fiel der nicht unter das Waffengesetz, sondern galt als Werkzeug … Tack- tack- tack- tack … Ich heftete den Mann an die Wand, die Bolzen nagelten ihn von Kopf bis Fuß sauber an die Wand. Er schrie. Blut spritzte. Sah schön aus. Farbkontrast. Bewegungsunfähig hing er da, schrie, keuchte. Ich lächelte erleichtert. Setzt ihm eine Quernaht, da wo sein Pimmel in der Hose war. Jetzt schoß eine Blutfontäne heraus, Hauptschlagader getroffen, hehe. Und dann tackerte ich die zweite Naht quer über seinen Hals. Die zweite Blutfontäne spritzte durch die Luft. Er röchelte, seine Schreie wurden leiser, ein panisches Gurgeln. Er zuckte konvulsiv- dann Exitus. Die Blutfontänen versiegten langsam. Ich stand in einer riesigen Blutlache.

Benommen starrte ich mein Opfer an. Erleichtert. Spürte keinerlei Reue. Im Radio verstummte die Musik, der Werbeblock lief an. Ich hörte eine sonore Männerstimme. Im Tonfall der Bewunderung sagte der:” Broom! Der Baumarkt. Respekt, wer`s selber macht!!!”

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann: Ex-Banker und Extremsportler sowie Hobby-Autor; schreibt als “Schwarzer Graf” mit düsterem Augenzwinkern; übt sich seit 35 Jahren in täglicher Zen-Meditation und schwört auf vielschichtige Interessen: Politik, knappes aber gutes Essen, dunkle Schokolade, Gothicszene, Dark music, PC & smartphone, schnelle Autos und täglich fünfzig Minuten Konditionstraining- gnadenlos …^^

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