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Der Orchideengarten

„Der Beobachter unserer zeitgenössischen Literatur wird deutlich eine Neigung nach dem Absonderlichen, Phantastischen feststellen müssen, die wahrscheinlich als Reaktion auf die Misere des Alltags und die Unerfreulichkeit seiner Erscheinungen zu verstehen ist. Novellen werden geschrieben, die über die natürlichen Dimensionen stofflich hinausragen und mit Fremdem und Fernem sich mehr oder minder dichterisch (oft nur berichtend) beschäftigen.“

– Strobel, Der Orchideengarten, 1919

orchZu Beginn des letzten Jahrhunderts kam es zu einer bewußten Neuaufnahme und Nachahmung der erzählenden Werke Poes in Deutschland und Österreich. (H.H. Kühnelt, Deutsche Erzähler im Gefolge von E.A. Poe). Die wirkungsmächtigen Erzählungen waren „The Fall of the House of Usher“, „The Masque of the Red Death“, The Pit and the Pendulum“ und „Hop-Frog“.

K.H. Strobel sah sich dabei als den Erneuerer der phantastischen Erzählung in Deutschland. Diese Art der Literatur breitete sich um 1900 herum sehr schnell aus, Erzählungen des Grauens wurden zu einer Mode. Wie es sich für eine Zeit literarischen Aufbruchs gehört, ließ auch ein Organ in Form einer Zeitschrift nicht lange auf sich warten. Es handelte sich um das erste seiner Art: Der Orchideengarten, erschienen im Dreiländerverlag München, existierte nur drei Jahre lang, von 1919 bis 1921, und beschäftigte sich ausschließlich mit der phantastischen Literatur. K.H. Strobel fungierte zusammen mit Alfons von Czibulka als Herausgeber. Von der Gothic Tale bis hin zu surrealistischen Texten erstreckte sich der Inhalt. Das Magazin war stark illustriert und verband hervorragend Text und Bild miteinander wie selten davor und nie wieder danach.

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