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Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)

Die Königsmörder-Chronik: Erster Tag

thename»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken. 

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Manche Autoren können Worte wahr werden lassen. Sie malen Sprachbilder an die Wände der Gedanken des Lesers und transportieren ihn – ohne dass er es wirklick merkt – in die Welt des Buches. Und Patrick Rothfuss ist ein Meister seines Faches, denn mit einem stimmigen und authentischen Erzählstil entführt er den Leser in die Geschichte von Kvothe und schafft es nicht nur das, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann, sondern auch, dass man sich als Teil dieser Geschichte fühlt. Man sitzt mit dem Geschichtenerzähler selbst und dem Chronisten im Wirtshaus und glaubt, nur die Hand ausstrecken zu müssen, um all das berühren zu können. Diese unheimlich dichte Atmosphäre verwoben mit der Rahmen- und Binnenhandlung (die in diesem Fall tatsächlich beide interessant sind!) machen „Der Name des Windes“ zu einem absoluten Lese-Muss für High Fantasy Fans und wirken noch eine ganze Weile nach, sodass man sich dem Sog dieser Geschichte nicht entziehen kann.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass das Geschehen der Geschichte keinesfalls als nervenaufreibende Spannung beschrieben werden kann – es ist vielmehr eine Lebensgeschichte, die rückblickend erzählt wird und noch in die Gegenwart hineinspielt. Die Kombination aus dem flüssig lesbaren Schreibstil, der dichten Atmosphäre und den Erlebnissen von Kvothe haben dennoch ihre Wirkung – irgendwie muss man wissen, was geschieht, was Kvothe weiterhin erlebt und wie er zu dem Mann wurde, der diese Geschichte erzählt. Es ist beinahe unumgänglich, dass man weiterblättert und immer weiter und schließlich mit tausenden Fragen ohne Antworten zurückgelassen wird, wenn das Buch endet. In dem Fall kann ich nur empfehlen den nächsten Band direkt Griffbereit zu haben, denn man möchte unbedingt weiterlesen, wenn man „Der Name des Windes“ beendet hat.

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Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass man die Figuren ins Herz schließt und anfängt, sich in der Geschichte heimisch zu fühlen. Es ist ein bisschen, wie nach Hause kommen, wenn man die Seiten aufschlägt und sich in der Bibliothek oder im Wirtshaus wiederfindet und das liegt auch an den Charakteren – allen voran natürlich an dem Protagonisten Kvothe, der nicht nur viele Namen, sondern auch viele Facetten sein Eigen nennen kann und definitiv nicht der typische Held eines Fantasyepos ist. Der Leser lernt ihn als kleinen Jungen kennen und begleitet ihn dann bis hin zu einem selbstbewussten jungen Mann, wobei man ganz deutlich seine Entwicklung mitverfolgen kann, die nie so läuft, wie man es sich für ihn wünschen würde, aber irgendwie doch im Endeffekt gut geht. Einziger Kritikpunkt an dieser Stelle (und das ist wirklich der Einzige!): Die ständige Wiederholung der Worte (im Wortlaut!) „Wenn ihr nicht wisst, wie das ist, dann werdet ihr es nicht verstehen können.“ Kvothe sagt das so oft, dass ich irgendwann schon leicht genervt davon war, aber das ist nur ein ganz kleiner Kritikpunkt, der nichts an der großartigen Geschichte ändert.
Neben Kvothe überzeugen aber auch die vielen anderen Charaktere, Wesen, Geschehnisse und natürlich der komplexe Weltentwurf, der viel zu entdecken bietet. Es geschieht so viel, obwohl so wenig passiert – ein Widerspruch, aber ein wahrer, denn irgendwie liest sich „Der Name des Windes“ wie ein langer Prolog, eine Einleitung in eine Geschichte, die erst noch beginnen muss und so wie ich das Ende verstanden habe, scheint daran auch etwas dran zu sein. Eine Grundlage für ein spannendes und ‚heimisches‘ Buch wurden mit „Der Name des Windes“ jedenfalls erschaffen, denn ich möchte eigentlich nur noch eins: Es mir wieder mit Kvothe und den anderen in dem Wirtshaus „Zum Wegstein“ gemütlich machen und der Geschichte lauschen, um endlich zu erfahren, wie es weitergeht.
Mit „Der Name des Windes“ erzählt Patrick Rothfuss eine Geschichte, die sich fast gänzlich unauffällig ins Leserherz schleicht. Man bemerkt gar nicht, wie sehr man von den Worten und Bildern des Buches gefesselt ist, bis man es zuschlägt und es eigentlich am liebsten sofort wieder aufschlagen würde. Eine dichte Atmosphäre und ein stimmiger wie authentischer Erzählstil, sowie sympathische Figuren und eine spürbare Herzenswärme machen „Der Name des Windes“ zu einer Geschichte, die man so schnell nicht vergessen wird und die definitiv ein Muss für jeden High Fantasy Fan ist. Und selbst wenn die Geschichte nicht auf nervenaufreibende Spannung ausgelegt ist, so kann man das Buch dennoch kaum aus der Hand legen, muss immer wissen, was als nächstes geschieht und glaubt manchmal selbst im Wirtshaus zu sitzen und in dieser faszinierenden Welt zu stecken.  Unbedingt lesen!

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