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Der kleine Verlag für große Unterhaltung

VSS Verlag - Crossover Fiktion

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Michael Schmidt: Hallo Hermann, stell dich doch mal unseren Lesern vor!

Hermann Schladt: Ich bin Jahrgang 1951, seit einigen Jahren wieder Single, habe einen 17jährigen Sohn und bin seit einem knappen Jahr hauptberuflich Rentner. Das gibt mir einerseits mehr Zeit für den Verlag, andererseits die finanzielle Unabhängigkeit, dass ich nicht bei jedem Projekt auf wirtschaftlichen Erfolg und zu erwartenden Profit schauen muss.

Michael Schmidt: Alles begann mit Star Gate. Blick doch mal zurück auf eine spannende Zeit, die mit der Fortsetzung der Star Gate Saga zu tun hat.

Hermann Schladt: Ich habe Wilfried Hary Anfang 1995 kennen gelernt, gerade als Roland Emmerichs Star-Gate-Film in die deutschen Kinos kam. Zu Roland Emmerich und seiner Centropolis Filmproduktion hatte ich durch eine frühere berufliche Tätigkeit Kontakte. So kam es schnell zu einer fruchtbaren Diskussion über den Film und die ursprüngliche, von Wilfried mitkonzipierte Heftserie.

So wurde, mit Wilfried als treibender Kraft, die Idee geboren, die Heftserie überarbeitet neu aufzulegen und fortzusetzen. Mit dabei waren Werner Schubert und der leider viel zu früh verstorbene Richard Schöllhorn-Gaar, und auch Du hast ja in der Anfangsphase einen Band zur Serie beigetragen.

Leider musste ich bereits nach zwei Titeln (Band 13 „Das Mafia-Experiment“ und Band 31 „Das Erbe der Canorer“) aus Zeitmangel meine Mitarbeit am Projekt einstellen.

Michael Schmidt: Du bist der Inhaber des VSS Verlag. Was ist der VSS Verlag, was bietet er und was macht er nicht?

Hermann Schladt: Zwei Dinge charakterisieren den VSS-Verlag: zum einen unser Slogan „Der kleine Verlag für große Unterhaltung“ und zum anderen der von mir geprägte Begriff: „Crossover-Fiction“.

Crossover-Fiction meint, sich nicht in Schubladen einzusortieren, Grenzen der einzelnen Genres auszuloten und auch zu überschreiten und Genres zu mixen.

Beste Beispiele hierfür sind die VSS-Reihen Shogun und Artefakte. Bei Shogun mischen sich historisches Japan mit Fantasyelementen, bei Artefakte Paläo- mit Science Fiction. Bezeichnender Weise gehörten beide Reihen zum Startprogramm des Verlages.

Was ich mache? Alles was mir Spaß macht!

Und was nicht? Na, alles was mir keinen Spaß macht!

Michael Schmidt: So ein Verlag wandelt sich ja im Laufe der Zeit. Was hat sich bei dir seit Verlagsgründung gravierend geändert?

Hermann Schladt: Der VSS-Verlag hat 2007 als Verlag für Romanhefte in kleiner Auflage begonnen. Mit Aufkommen der eBook-Reader ist der Markt dafür fast gänzlich zusammengebrochen. Deshalb habe ich den Verlag 2012 auf die Herausgabe von eBooks umgestellt. Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

Michael Schmidt: Wie würdest du generell die thematische Ausrichtung des VSS Verlages beschreiben?

Hermann Schladt: Eine klare thematische Ausrichtung gibt es bei VSS nicht, von Horror bis Lyrik, Märchen und Sachbüchern ist fast alles vertreten. Schwerpunkt ist aber die Fantastik in all ihren Facetten.

Michael Schmidt: Schreibst du eigentlich noch selbst oder frisst der Verlag all deine Energie auf?

Hermann Schladt: Der Verlag frisst meine Energie nicht auf, sondern er gibt mir viel Energie. Aber er beansprucht viel Zeit und so komme ich kaum noch zum Schreiben. Aber ich habe auch eingesehen: ich kann zwar ganz gute Sachen schreiben, verlegen kann ich aber noch besser. Und es macht mir viel mehr Spaß.

Michael Schmidt: Stichwort Parallelwelt 520. Es gibt ein kostenloses E-Book zum Download. Worum geht es da?

Hermann Schladt: In der Serie, die im September startet, geht es um eine alternative Wirklichkeit, die sich im Jahr 520 A.D. von der unseren abspaltet. Die eigentliche Handlung der Serie beginnt aber erst im Jahr 2089. Der kostenlose Prologband „Die Fahrt der  Forlætas – Wie alles begann“ bringt eine Kurzfassung der Abläufe von 520 bis 2089, stellt die Protagonisten der Serie und die Autorin vor und enthält einen ausführlichen Artikel zum Thema „Dystopie“. Damit wird den potentiellen Lesern der Einstieg erleichtert, und unterhaltsam geschrieben ist´s obendrein.

Michael Schmidt: Parallelwelt 520 ist eine SF Serie in der Zukunft. Auf was lässt sich der Leser bei der Serie ein und wie lange ist die erste Staffel?

Hermann Schladt: Auf eine SF-Serie, die in der nahen Zukunft spielt, ganz ohne Raumfahrt und Sternenabenteuer. Geschildert wird eine kaputte Gesellschaft auf einer ziemlich verrotteten Erde. Eine Story voller Vergängnis und Niedergang, aber auch mit einer guten Portion Coolness und Humor. Die erste Staffel, die bereits fertig geschrieben vorliegt, umfasst 18 Folgen. Zwei weitere Staffeln von ähnlichem Umfang sind in Arbeit.

Michael Schmidt: Autorin ist Eva Hochrath. Stell uns die Dame doch mal kurz vor!

Hermann Schladt: Eva Hochrath war hauptberuflich lange Zeit im Verlagswesen und als freie Lektorin tätig. Nebenher entstanden Texte für Comics, sowie einige Sachbücher (u.a. ein Plattdeutsch-Wörterbuch), Artikel, Aufsätze und Blogtexte. Seit kurzem geht sie nun aber ihrer Sprach- und Schreib-Leidenschaft hauptberuflich nach und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf Belletristik im Bereich Science Fiction.

Ihre Themen umspannen einen weiten Bogen: Sie verbindet Historie mit Begeisterung für Zukunftsforschung. Für historische Themen ist sie bestens gerüstet durch ihr Studium der Mediävistik und Linguistik. Althochdeutsch, Altsächsisch, Altenglisch, Gotisch und Altnordisch sind ihr nicht nur sprachlich vertraut, sondern auch die literarischen und geschichtlichen Hintergründe dieses Kulturkreises.

Michael Schmidt: Du verlegst auch Mara Laue. Ebenfalls eine Dame. Machen Frauen die bessere Literatur?

Hermann Schladt: Nein, Frauen schreiben nicht grundsätzlich besser oder schlechter als Männer, aber oft ein wenig anders! Wir haben im deutschen Sprachraum viele hervorragende Autorinnen, und ich bin stolz, einige davon im Programm meines kleinen Verlages zu haben.

Michael Schmidt: In jedem Verlag gibt es Bücher, die laufen besser und welche, die trotz Qualität keine Sau interessieren. Bei welchen Büchern warst du am meisten enttäuscht, dass sie keine Leserschaft fanden?

Hermann Schladt: Für jeden Titel, den ich herausbringe, vergieße ich ein wenig Herzblut. Und bei jedem Titel, der dann nicht so richtig läuft – und davon gibt es einige im VSS-Programm – tut es dann auch weh.

Besonders getroffen hat mich aber der (relative) Misserfolg des Titels „Die Fahrt durch die Unendlichkeit“ von Joseph-Henry Rosny Aîné. Für mich eines der bedeutendsten Werke der frühen Science-Fiction, aber in Deutschland nach wie vor fast unbekannt.

Michael Schmidt: Und welches sind deine Bestseller?

Hermann Schladt: Das kann ich ganz schnell beantworten: Mara Laue und Jack London; und für die Zukunft hoffe ich auf Eva Hochrath.

Michael Schmidt: Hast du Reihen oder Bücher, die dir besonders am Herzen liegen?

Hermann Schladt: Nein, was ich mache, mache ich aus Überzeugung, da ist mir jeder Titel gleich wichtig.

Michael Schmidt: Du bringst das kostenlose Terra Utopia Magazin heraus. Was bietet das Magazin und suchst du noch Beiträge? Wenn ja, welche und wie kann man dir die zur Verfügung stellen?

Hermann Schladt: Das Magazin bietet Kurzgeschichten, Artikel, Interviews, Rezensionen, Neuvorstellungen, Autorenportraits und, und, und… aus allen Bereichen der Fantastik mit einem Schwerpunkt zu Science-Fiction. Dabei möchte ich auch immer wieder neue Autorinnen und Autoren vorstellen.

Zu all den oben beschriebenen Bereichen suche ich natürlich ständig Beiträge. Die kann man einfach per Mail an tu-magazin@mailwizzard oder vssinternet@googlemail senden. Natürlich beantworte ich auch Fragen dazu oder gebe nähere Informationen.

Michael Schmidt: Papier oder Datei. Wie liest Hermann Schladt?

Hermann Schladt: Sowohl als auch, mittlerweile gibt es da keine Präferenzen mehr. Vor einigen Jahren noch habe ich Dateien ausgedruckt und auf Papier gelesen; jetzt aber ist mein eBook-Reader zu meinem ständigen Begleiter geworden.

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

Hermann Schladt: Lasst euch den Spaß am Lesen, die Fantasie, das Kopfkino nicht nehmen. Ob Papier oder eBook, lest und habt Freude dabei.

 

 

Michael Schmidt
Über Michael Schmidt (16 Artikel)
Michael Schmidt wurde 1970 in Koblenz geboren. Er veröffentlichte bisher über 60 Kurzgeschichten, die sich quer durch alle Genres bewegen und oft den Rahmen des Gewöhnlichen sprengen. Als Herausgeber zeichnete er schon für diverse Anthologien verantwortlich. Zwielicht gewann dabei dreimal in Folge den Vincent Preis. Seine Kurzgeschichtensammlungen sind bei Create Space Publishing erschienen.
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1 Kommentar auf "Der kleine Verlag für große Unterhaltung"

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Michael Egino
Webmaster

… und im Zweifel entscheidet euch bitte für das gedruckte Exemplar! Immer!

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