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Der Hexer von Salem (Einleitung)

Gespenster-Krimi 567

An Wolfgang Hohlbein scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für jemanden, der sich ein unerträgliches Mischmasch aus allem zusammenklaut und nur durch die schiere Masse seiner unfassbaren Buchproduktionen auffällt, andere sind seiner Fantasie komplett erlegen. Und dann gibt es noch jene, die das ganze etwas differenzierter betrachten und erkennen, dass bei der Schreibwut, unter der der Mann zu leiden scheint, sowohl schwächere als auch grandiose Werke gibt. Das liegt freilich in der Natur der Sache. Dass Hohlbein ein Phänomen ist, lässt sich hingegen überhaupt nicht bestreiten. Wahrscheinlich gibt es kein Genre, das Hohlbein nicht bedient hat. Aus dem „Märchenmond“, das er mit seiner Frau Heike geschrieben hat und das ihn den Durchbruch brachte, wurde ein Musical, mit „Blutnacht“ hat er eine Rockoper verfasst, in den 90ern gar drei Barbie-Bücher geschrieben. Und das mag man nicht so leicht verdauen bei einem Mann, der einst mit Enwor einen hervorragenden Fantasy-Zyklus entwarf, der Science Fiction, Horror- und Historienromane schreiben kann, die mehr sind als nur ein Achtungserfolg, und der sich mit Der Hexer von Salem viele Feinde unter den Lovecraft-Jüngern machte, aber damit auch seine erfolgreichste Serie ablieferte.

Das Problem an der Sache auf Seiten besagter Jünger ist deren Fantasielosigkeit, denn in den meisten Aussagen treffen wir auf den Vorwurf, dass Hohlbein Lovecraft kopieren würde. Nun, entweder haben sie weder Hohlbein noch Lovecraft gelesen, denn Hohlbein macht hier eigentlich etwas völlig legitimes: er lässt sich inspirieren. Das haben auch schon Lovecrafts Kumpels Clark Ashton Smith oder Robert E. Howard getan, Darleth hat es getan, Robert Bloch hat es getan, Ramsey Campbell hat es getan, Stephen King und viele mehr. Worum also geht es den Sektierern? Natürlich um eine heilige Kuh, und sie reagieren dabei, wie es solche Cliquen immer tun: voreingenommen, blind und in der Hauptsache dumm und unqualifiziert.

Hohlbein nicht zu mögen, ist eine Sache. Darüber sollte man allerdings nicht vergessen, dass es wiederum Kreise gibt, die Lovecraft für einen ziemlich schlechten Autor halten, für stilistisch limitiert und dem Schund zugehörig. Klingelts?

Wir wollen uns hier etwas näher mit dem Hexer von Salem befassen, weil diese Figur und was Wolfgang mit ihr macht, sich anbietet, etwas näher beleuchtet zu werden. Die Reihenfolge der Serie folgt der Weltbild-Ausgabe in 24 Bänden aus dem Jahre 2004, denn kaum jemand dürfte bis dahin die Hexer-Serie komplett oder in der richtigen Reihenfolge gelesen haben. Am 24.07.1984 erblickte der erste Hexer-Band als Gespenster-Krimi Nr. 567 unter dem Titel „Als der Meister starb“ das Licht der Welt. Und es löste sogleich mehrere Irritationen aus. Eignete sich dieser Stoff überhaupt für jeweils 64 Seiten? Hohlbein bestritt hier für das Heftroman-Genre völlig neue Wege. Und es war fast absehbar, dass dieses Experiment scheitern musste. Man scheint erst heute so weit gelangt zu sein, dem Heftroman ein komplexes Thema zuzumuten. Damals war das beileibe nicht der Fall.

Im weiteren erschienen dort folgende Ausgaben, bevor sie aufgrund des Erfolges aus dem GK ausgekoppelt wurden:

Band 2: Tyrann aus der Tiefe (GK 571)

Band 3: Die Hexe von Salem (GK 575)

Band 4: Das Haus am Ende der Zeit (GK 579)

Band 5: Im Schatten der Bestie (GK 583)

Band 6: Bücher, die der Satan schrieb (GK 587)

Band 7: Der Baumdämon (GK 589)

Band 8: Tage des Wahnsinns (GK  595)

Band 1 der eigenen Serie

Die Serie „Der Hexer“, die am 16.04.1985 startete, umfasste weitere 49 Bände, die zum Kern der Erzählung um Robert Craven und die Großen Alten gehören. Dabei wirkten allerdings auch andere Autoren mit, wie zum Beispiel Frank Rehfeld, mit dem Hohlbein bereits an der Saga von Garth und Torian zusammengearbeitet hatte.

Die Serie wurde eingestellt und es ging im Taschenbuch weiter. Als erstes verfasste Hohlbein den eigentlichen Anfang der Serie „Auf der Spur des Hexers“ (1990). 1992 erschien mit „Der Sohn des Hexers“ die Fortsetzung der Haupthandlung. Die Serie wurde mit „Das Labyrinth von London“ (1996) und „Das Haus der bösen Träume“ (2004) zu einem Ende gebracht. Die Weltbild-Sammler-Edition umfasst demnach 24 Bücher, die allesamt überarbeitet und in die richtige Reihenfolge gesetzt wurden.

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