Der Hardboiled-Krimi

(c) Paolo Monti, 1975

Krimiautoren haben einige der besten und beständigsten Bücher der Literaturgeschichte geschrieben. Es ist die “hartgesottene” Belletristik, in der die Literatur am eloquentesten und farbenprächtigsten erblühte. Ernest Hemingway war nun zum Beispiel alles andere als ein Krimiautor, aber es gibt Hinweise darauf, dass er von Dashiell Hammett, dem ersten der großen Hardboiled-Autoren, beeinflusst wurde.

Große Überschneidungen hat das Subgenre mit dem Noir-Krimi, aber es ist nicht dasselbe. Im Noir (das wir im Zuge der großartigen Noir-Filme an anderer Stelle noch besprechen) ist der Protagonist kein Detektiv, sondern ein Opfer, ein Verdächtiger und/oder ein Täter des Verbrechens. Er oder sie ist auch eine selbstzerstörerische Person, die sich mit Korruption innerhalb und außerhalb des Systems auseinandersetzt. Im Noir wird jeder aufs Kreuz gelegt. Das unterscheidet das Subgenre von einen Hardboiled-Krimi, in dem der Detektiv eine Lösung findet.

Hartgesottene Krimis rufen bei vielen Lesern ein ganz bestimmtes Gefühl hervor – in der Regel das von Schwarz-Weiß-Fotos oder Filmen, dem einsamen Privatdetektiv und einer dunklen Verbrechensermittlung, die den Helden (oder manchmal den Anti-Helden) gegen Kräfte des organisierten Verbrechens und der Korruption antreten lässt. Aber das Hardboiled-Krimigenre hat eine viel interessantere und nuanciertere Geschichte, die es zu erforschen gilt. Das wird vor allem im Werk von James M. Cain deutlich, der zwar vielen der akzeptierten Konventionen des Subgenres widerspricht, aber dennoch zum Inbegriff dieser Spielart geworden ist.

Hardboiled-Krimis erschienen erstmals in den 1920er Jahren und wurden in den 1940er Jahren immer beliebter. Pionier war Carroll John Daly, dessen Fortsetzungsgeschichten sehr beliebt waren, bis Dashiell Hammett zur Feder griff und begann, besser ausgearbeitete Romane zu schreiben, die Daly bald übertrafen. Größtenteils als Reaktion auf die Popularität britischer Krimiautoren wie Agatha Christie und Dorothy L. Sayers geplant, deren Krimis zwar anspruchsvoll, aber eher unblutig und zurückhaltend waren, war das Hardboiled-Genre düster, wirkte dadurch realistisch und beschäftigte sich mit der Konfrontation mit dem Bösen. Zunächst erschienen diese Geschichten in Magazinen und wurden als “Pulp” bezeichnet – und daher nicht sehr ernst genommen. Aber als die hartgesottenen Krimis an Popularität gewannen und über die Jahre hinweg Bestand hatten, führte das erneute Interesse an ihnen zu vielen Verfilmungen und Schriftstellern, die diesen besonderen Stil nachahmten und bis heute schreiben.

Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Mickey Spillane und Erle Stanley Gardner gelten als die großen Begründer des Hardboiled-Krimis. Ihre Bücher machten die Leser mit ihren ikonischen Detektiven bekannt, die seither das verkörpern, was man gemeinhin unter Hardboiled Krimis versteht:

Wie der Begriff schon andeutet, ist die Brutalität oder Gewalt ein erhebliches Stilmittel des Subgenres. Das betrifft auch die Ausdrucksweise. Klassisch gesehen, wird das Hardboiled-Genre von Amerikanern beherrscht. Die Detektive sind Einzelgänger und haben eine große Ähnlichkeit mit den Revolverhelden des Wilden Westens. Sie handeln nach einem Kodex von Ehre und Gerechtigkeit, der vielleicht nicht legal sein mag, aber moralisch. Sie mögen bedroht oder verletzt werden, aber sie werden einen Fall deshalb nicht aufgeben oder einen Klienten verraten. Sie sind Individuen, die oft gegen eine korrupte politische oder kriminelle Organisation antreten, aber sie setzen sich durch, weil sie sich selbst und ihrem Kodex treu sind. Dabei stumpfen sie natürlich im Laufe der Zeit auch ab.

Wenn wir diese Grundsätze des Subgenres berücksichtigen, dann ist James M. Cain eine faszinierende Abweichung … und doch ist sein Werk nicht weniger hartgesottener Krimi.

James M. Cain begann seine schriftstellerische Laufbahn als Journalist für die Baltimore Sun, bevor er in den Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Nach dem Krieg arbeitete er für zahlreiche Publikationen, bevor er eine Zeit lang in Hollywood verbrachte und Drehbücher schrieb, bevor er sich schließlich der Belletristik zuwandte. Sein erster Roman war “Der Postmann klingelt immer zweimal”, und obwohl der Protagonist alles andere als der edle und verbissene Privatdetektiv der Konvention ist, war das Buch düster und gewalttätig und erforschte Begierde, Mord und hinterhältige Intrigen. Streng genommen ist das gar kein Krimi, in dem ein Verbrechen aufgelöst wird, konzentriert sich stattdessen auf die häuslichen und dunklen Impulse hinter den Verbrechen. In ähnlicher Weise geht es in seinem zweiten Roman “Doppelte Abfindung” um einen Versicherungsvertreter, der von einer schönen verheirateten Frau in ein mörderisches Komplott hineingezogen wird. In “Mildred Pierce” geht es um eine Mutter und geschiedene Frau aus der Mittelschicht, die verzweifelt versucht, den Lebensunterhalt für ihre Töchter zu verdienen. Während sie mit der Führung mehrerer Restaurants Erfolg hat, wird ihre älteste Tochter immer rachsüchtiger und abweisender gegenüber ihrer Mutter, und Mildred versucht immer verzweifelter, die Zuneigung ihrer Tochter zu gewinnen, bis hin zur Kriminalität und schließlich zur Gewalt.

Wenn es in den Werken von Hammett, Chandler, Spillane und Garnder um Privatdetektive ging, die dunkle Verbrechen aufklären, dann ging es in Cains Büchern darum, wie es überhaupt zu diesen Verbrechen kam. Manchmal landen seine Protagonisten hinter Gittern. Manchmal aber auch nicht. Diese Zweideutigkeit und die düstere Realität seiner Schauplätze und Handlungen sind gerade deshalb verlockend, weil sie einen gefährlichen Blick auf die dunklen Triebe der Menschheit bieten.

Weiterführend: Von den Anfängen des Kriminalromans

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