Die unendliche Bibliothek,  Das Stephen King-Multiversum,  Phantastik und Fantasy

Der dunkle Turm 2: Die Türen am Strand. Stephen King: Drei

Während das erste Buch als Vorbereitung auf das, was folgen sollte, gelesen werden kann, beginnt Roland in “Drei” seine Reisegefährten zusammenzusuchen, quasi sein zweites Ka-tet (zum ersten werden wir in Band 4 alles erfahren). Das tut er nicht ganz aus freien Stücken, denn das allmächtige Ka, diese seltsame Schicksalsmacht, hat einen erheblichen Anteil daran. Ka schließt Zufälle zwar nicht aus, aber das eine vom anderen zu trennen ist fast unmöglich. Die Verbindung zwischen unserer und anderen Welten wird zwar schon in “Schwarz” angedeutet, beginnt aber erst hier wirklich imposant zu werden (und bekommt in Band 4 seinen endgültigen philosophischen Unterbau).

War ich mit dem deutschen Titel des ersten Bandes nicht einverstanden, geht für mich der hier gewählte in Ordnung. Im Original heißt das Buch “The Drawing of the Three”, wörtlich übersetzt also: Das Ziehen der Drei, und das ist kein schöner Titel. Doch das dürfte eher Zufall sein, denn bereits der nächste Band “tot.” ist so idiotisch überschrieben wie eh und je.

War der erste Band noch eine Odyssee durch ein dystopisches und sterbendes Land, das irgendwie an unseres erinnert, es aber definitiv nicht ist, kommen jetzt die Portale in Form von Türen ins Spiel. Solche Portale, die unsere Welt mit einer anderen verbinden, werden in der Literatur nicht selten thematisiert, ob nun C. S. Lewis das Portal nach Narnia öffnet oder Philip Pullman in seinem Goldenen Kompass Türen in jede x-Beliebige Welt bereit hält. Selbst der Kaninchenbau bei Alice ist so ein Portal. Es funktioniert nicht selten nach dem Muster: Was wir denken können, das gibt es auch. Bei King hat ein Portal allerdings keinen märchenhaften Charakter. Dass alle Welten miteinander in Verbindung stehen, ist ein höchst philosophischer Gedanke, der weniger mit Träumen zu tun hat. Obwohl der Begriff des Multiversums erst 1963 im Kontext auf Michael Moorcocks “Eternal Champion” zum ersten Mal Anwendung fand, gab es bereits im altgriechischen Atomismus entsprechende Denkkonzepte, die die Wirklichkeit betrafen.

Rolands Türen führen ihn in das Amerika unserer Welt (wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten, die allerdings ebenfalls miteinander verbunden sind). Hier verbindet er seine Kräfte mit dem aufsässigen jungen Eddie Dean, einem Junkie in New York und mit der schönen, brillanten und tapferen Odetta Holmes in einem wilden Kampf gegen das Böse in der Unterwelt und gegen außerweltliche Feinde.

King strukturiert seine drei Türen als jeweils eigenen Teil des Romans, der sich auf jede der Figuren konzentriert, der wir jenseits dieser Türen begegnen. Die Art und Weise, wie sich Eddie Deans moderne Einstellung mit Rolands seltsamen Mittwelt-Gewohnheiten vermischt, sorgt gleich zu Beginn für eine unwiderstehliche Dynamik zwischen den beiden. Odette/Detta Walker ist hingegen eine wesentlich kompliziertere Geschichte, weil sie nicht nur eine gespaltene Persönlichkeit, sondern auch ein gespaltener Körper ist.

Die dritte Tür hingegen ist nicht dazu gedacht, eine weitere Person nach Mittwelt zu “ziehen”, sondern um eine andere Figur zu retten. Jake Chambers nämlich, der aber erst im nächsten Teil zur Gruppe stößt. Es ist natürlich der gleich Jake, der nach seinem ersten Tod in New York nach Mittwelt kam und dort in einen Abgrund stürzte. Die Verbindung zwischen Jake und dem Revolvermann ist von Anfang an komplex, wobei “The Drawing of the Three” in dieser Beziehung nur eine kurze Zwischenstation markiert. Wie sehr das Lebend es Revolvermannes mit dem von Jake Chambers zusammenhängt, erfahren wir im nächsten Band.

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