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Dennis Wheatley (1897-1977)

Dennis Wheatley wurde am 8. Januar 1897 als Sohn von Albert David und Florence Elizabeth Harriet Wheatley in London geboren. Nach dem Rausschmiss vom „Dulwich College“, übernahm Dennis allerdings nicht den Familienbetrieb, sondern wurde stattdessen Kadett auf dem Ausbildungsschiff „HMS Worcester“.

Im Ersten Weltkrieg nahm Wheatley als Soldat teil, wurde aber bei einem Chlorangriff schwer verletzt und als „Second Lieutenant“ der „Royal Field Artillery“ aus dem Dienst entlassen.

Ab 1919 übernahm er dann doch noch sehr erfolgreich das Weingeschäft seiner Familie „Wheatley & Son of Mayfair“, mit das er aber 1932 im Zuge der Weltwirtschaftskrise bankrott ging.

In Januar 1933 erschien mit “The Snake” im “Nash’s – Pall Mall Magazine” seine erste okkulte Kurzgeschichte. Bestärkt durch seine zweite Ehefrau verfasste Wheatley 1933 seinen ersten Roman „Three Inquisitive People”, der allerdings erst 1940 veröffentlicht wurde.

Mit seinem zweiten Roman „The Forbidden Territory” (1933) gelang Wheatley allerdings das Kunststück, mit dem Duc de Richleau und seinen Freunden Rex van Ryn und Simon Aaron, ein Trio moderner Musketiere zu schaffen, deren turbulente Abenteuer bei der Leserschaft so gut ankamen, dass der Roman zum Bestseller und Dennis Wheatley ab den 1930er Jahre zum Bestseller-Autor avancierte.

Nach dem großen Erfolg von „The Forbidden Territory”, erschienen weitere Romane von ihm Schlag auf Schlag: “Such Power is Dangerous” (1933), “Black August” (1934 – das erste Abenteuer mit Gregory Sallust) und „The Fabulous Valley” (1934).

Am 12. Dezember 1934 wurde mit „Diener der Finsternis (The Devil’s Rides Out) Wheatleys wohl berühmtester Roman veröffentlicht

Während der Recherchen zu diesem Okkult-Thriller machte der Autor die Bekanntschaft von einigen berühmt-berüchtigten Personen, die bekannt für ihr Wissen in okkulten Dingen waren.
Wheatley lernte u. a. Montague Summers (1880 – 1848), einen römisch-katholischer Priester und Autor von über 50 Büchern, der als Experte auf dem Gebiet der Hexerei und dem Vampirismus galt, Aleister Crowley (1875-1947) und den ägyptischen Okkultisten Rollo Ahmed (einen Freund von Crowley) kennen.

Dennis Wheatley liebte das Kino und zählte eine Reihe von Schauspielern und Regisseuren, u. a. auch Alfred Hitchcock, zu seinen Freunden. Daher ist es schon erstaunlich, dass trotz seines großen Bekanntenkreises im Film-Metier, nur wenige seiner Romane verfilmt wurden.
Nach der Veröffentlichung von „The Forbidden Territory” schickte er Alfred Hitchcock ein Exemplar des Romans, der dem überraschen Wheately auf einer Dinnerparty mitteilt, dass er das Buch sehr gut fände und das er plane einen Film zu dem Buch zu drehen.
Doch das Filmprojekt stand unter keinem guten Stern. Michael Balcon von den Gaumont Studios war zwar erst interessiert, setzte aber Alfred Hitchcock dann doch für einen anderen Film, nämlich für „Waltzes from Vienna” ein.
So legte Hitchcock den Film „The Forbidden Territory” in die Hände des US-amerikanischen Regisseurs Phil Rosen.
Der Schauspieler Gerald du Maurier, der für die Rolle des Duc de Richlieu (der im Film in Sir Charles Farringdon umbenannt wurde) vorgesehen war, starb bevor die Dreharbeiten zu dem Film begannen und wurde von Ronald Suire ersetzt, den Wheatley für völlig unpassend für die Rolle hielt, was letztendlich als richtig herausstellte.
„The Forbidden Territory” erlebte nach der Fertigstellung im November 1934 keine Premiere und erhielt auch sonst beim Publikum und bei den Kritikern wenig Beachtung. In den USA feierte der Film erst vier Jahre später, genauer gesagt am 19. November 1938, seine Premiere.

1936 wurde der erfolgreiche Wheatley-Roman “The Eunuch of Shamboul” unter dem Titel “The Secret of Stamboul” unter der Regie von Andrew Marton mit Valerie Hobson und James Mason verfilmt, dem aber auch kein großer Erfolg beschieden war.
Die Besetzung der Schauspielerin Valerie Hobson, die in einigen Hollywood-Filmen mitgespielt hatte, sorgte lediglich dafür, dass der Film auch einen US-amerikanischen Verleih erhielt.

Ab Mitte der 1930er Jahre schrieb Wheatley an mehreren Drehbüchern. So u. a. an „His Guiding Star” (im Stile von Hitchcock „The Lady Vanishes”) und “The Bombing of London”, die aber nicht verfilmt wurde.

Ende der 1930er wurde Wheatley gebeten ein Drehbuch für den Film “An Englishman’s Home” zu verfassen, das aber nach Fertigstellung abgelehnt wurde. Der Film wurde aber schließlich 1940 doch verfilmt. Welche Teile von Wheatleys Drehbuch in dem Film Verwendung fanden, ist leider nicht bekannt.

Der Zweite Weltkrieg verhinderte weitere Filmprojekte so dass Wheatley 1941 mit „Strange Conflict”, seinen nächsten Okkult-Roman mit Duc de Richleau und seinen Freunden, veröffentlichte.

Während des Zweiten Weltkrieges war der Autor im Planungsstab des britischen Heeresministeriums tätig und war u. a. auch an der Planung zur Invasion in der Normandie beteiligt.

1945 kehrte Dennis Wheatley an den Schreibtisch zurück, wo dann auch im selben Jahr mit „The Man Who Missed the War” sein nächster Roman veröffentlicht wurde. Ein Jahr später folgten „Codeword Golden Fleece”, in dem er seine Arbeit beim Heeresministerium verarbeitete, und „Come Into My Parlour”.

1947 erschien mit „The Launching of Roger Brook”, der erste Roman mit Roger Brook. In den folgenden Jahren schrieb Wheatley Romane aus den verschiedensten Genres. So u. a. Thriller (Julian Day), okkulte Romane (Duc de Richleau) oder historische Abenteuer (Gregory Sallust).

In den 1960er Jahren verkaufte Wheatley jährlich ca. 1. Million Exemplare seiner zahlreichen Romane. Besondere Beliebtheit erfreuten sich dabei seine Geschichten um Schwarze Magie und Satanismus.

1968 wurde sein Okkult-Thriller „Der Diener der Finsternis (“The Devils Rides Out”) mit Christopher Lee als Duc de Richleau verfilmt.
Die Initiative zu der Hammer-Verfilmung ging vom Schauspieler Christopher Lee aus, der mit dem Schriftsteller Dennis Wheatley befreundet war und der dessen Werke sehr schätze. Wheatley revanchierte sich bei Lee, indem er den Schauspieler für die Hauptrolle vorschlug.

Zwei Jahre später erschien mit „Die Hölle ruft” (“The Gateway to Hell”) das letzte Okkult – Abenteuer mit dem Duc de Richleau und seinen Freunden.

Als anerkannte Autorität auf dem Gebiet des Übernatürlichen, des Satanismus, den Praktiken des Exorzismus und der Schwarzen Magie, schrieb Wheatley gegen Ende seines Lebens ein Buch, das er schon lange hatte schreiben wollen: „The Devil and all His Works”, ein Standardwerk über Hexerei und anderer okkulter Praktiken. Außerdem verfasste er seine dreibändige Autobiographie „Time Has Come”, dessen erster Band 1977 erschien.

1974 wurde mit „Desperate Measures” sein letzter Roman (das letzte Abenteuer mit Roger Brook) veröffentlicht. Zwei Wochen vor seinem Tod bekam Wheatley (aus welchen Gründen auch immer) nur eine eingeschränkte Absolution von seinem alten Freund Cyril Eastaugh, dem Bischof von Peterborough, erteilt.

Dennis Wheatley verstarb am 10. November 1977 im Alter von 80 Jahren.

(1) Dennis Wheatley

 

Bibliographie

Roman in deutscher Übersetzung, erschienen in der Reihe “Horror Bibliothek” im Bastei Verlag
Der Diener der Finsternis (The Devils Rides Out)
Der schwarze Pfad (To A Devil … A Daughter)
Meer der Angst (Uncharted Sea)
Die Hölle ruft (Gateway to Hell)

Romane
Duke de Richleau
The Forbidden Territory (1933)
The Devil Rides Out (Diener der Finsternis, 1935)
The Golden Spaniard (1938)
Three Inquisitive People (1940)
Strange Conflict (1941)
Codeword – Golden Fleece (1946)
The Second Seal (1950)
The Prisoner in The Mask (1956)
Vendetta in Spain (1961)
Dangerous Inheritance (1965)
Gateway to Hell (Die Hölle ruft, 1970)

Gregory Sallust
Black August (1934)
Contraband (1936)
The Black Baroness (1940)
Faked Passports (1940)
The Scarlet Imposter (1940)
V for Vengeance (1942)
Come into my Parlour (1946)
The Island Where Time Stands Still (1954)
Traitors’ Gate (1958)
They Used Dark Forces (1964)
The White Witch of the South Seas (1968)

Julian Day
The Quest of Julian Day (1939)
The Sword of Fate (1941)
Bill for the Use of a Body (1964)

Roger Brook
The Launching of Roger Brook (1947)
The Shadow Of The Tyburn Tree (1948)
The Rising Storm (1949)
The Man Who Killed The King (1951)
The Dark Secret of Josephine (1955)
The Rape of Venice (1959)
The Sultan’s Daughter (1963)
The Wanton Princess (1966)
Evil in a Mask (1969)
The Ravishing of Lady Mary Ware (1971)
The Irish Witch (1973)
Desperate Measures (1974)

Sonstige Romane
Such Power is Dangerous (1933)
The Fabulous Valley (1934)
The Eunuch of Stamboul (1935)
Murder Off Miami / File on Bolitho Blane (1936)
They Found Atlantis (1936)
The Secret War (1937)
Who Killed Robert Prentice? / File on Robert Prentice (1937)
The Malinsay Massacre (1938)
Uncharted Seas (Meer der Angst, 1938)
Sixty Days to Live (1939)
Herewith the Clues! (1939)
The Man Who Missed the War (1945)
The Haunting of Toby Jugg (1948)
Of Vice and Virtue (1950)
Star of Ill-Omen (1952)
To the Devil a Daughter (Der schwarze Pfad, 1953)
Curtain of Fear (1953)
The Ka of Gifford Hillary (1956)
The Satanist (1960)
Mayhem in Greece (1962)
Red Eagle (1964)
Old Rowley (1967)
Unholy Crusade (1967)
Death in Sunshine (1968)
Into the Unknown (1968)
The Strange Story Of Linda Lee (1971)

Sammlungen
Mediterranean Nights (1942)
Gunmen, Gallants and Ghosts (1943)
Worlds Far from Here (1952)
Selected Works (1977)
Anthologies edited
Quiver of Horror (1965)
Shafts of Fear (1965)
First Book of Horror Stories (1968)
Second Book of Horror Stories (1968)
A Century of Horror (1971)
Uncanny Tales (1974)
Uncanny Tales 1 (1974)
Uncanny Tales 2 (1974)
Stranger Than Fiction (1976)

Non fiction
Saturdays with Bricks (1961)
Plot and Counterplot (1968)
Devil and All His Works (1971)
The Time Has Come -: The Young Man Said : 1897-1914 (1977)
The Time Has Come -: Officer and Temporary Gentleman : 1914-1919 (1978)
The Time Has Come -: Drink and Ink 1919-1977 (1979)
The Deception Planners (1980)

Anthologien mit Geschichten von Dennis Wheatley
Medley Macabre (1966)
The Evil People (1968)
The Satanists (1969)
The Unspeakable People (1969)
A Century of Horror (1971)
The Necromancers (1971)
The 7th Fontana Book of Great Horror Stories (1972)
More of Christopher Lee’s New Chamber of Horrors (1974)
The Ghost’s Companion (1975)
The Supernatural Solution (1976)
The 13th Fontana Book of Great Ghost Stories (1977)
Sixty-Five Great Tales of the Supernatural (1979)
Realms of Darkness (1985)

Kurzgeschichten (Eine Auswahl)
The Snake (1933
The Case of the Haunted Chateau (1943)
The Case of the Long-Dead Lord (1943)
The Case of the Red-Headed Women (1943)
A Life for a Life (1943)
The Coffin (1956)

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

2 Kommentare zu Dennis Wheatley (1897-1977)

  1. Vielen Dank für diesen schönen Überblick. An Wheatley ist tatsächlich schwer vorbeizukommen, wenn man auf auf die Hammer-Filme steht … “The Devil Rides Out” habe ich nun, nachdem ich es seit 20 Jahren besitze, in Angriff genommen. Die Verfilmung gefiel mir seit jeher, nur habe ich mich immer vor der englischen Originallektüre gedrückt 🙂
    Die Geschichte bleibt freilich etwas oberflächlich, dennoch ein gut gesponnenes Garn. Wheatley erscheint fast noch interessanter als seine Romane, etwa aufgrund der Bekanntschaften mit Montague Summers oder Christopher Lee. Seine Leistung als Schriftsteller sowie seine Verkaufszahlen sind so oder so beeindruckend.

  2. Ich bin ja vor Jahren durch die Romane aus der “Horror Bibliothek” auf Dennis Wheatley gestoßen. In der damaligen Buchreihe des Bastei Verlages erschienen insgesamt vier Romane des Autors. Und zwar
    “Diener der Finsternis” (The Devil Rides Out), “Der schwarze Pfad” (To the Devil – a Daughter), Meer der Angst (Uncharted Seas) und “Die Hölle ruft” (Gateway to Hell).
    Von diesen vier Romane ist Diener der Finsternis der beste, der ja von Hammer mit Christopher Lee verfilmt wurde. Und als alter Hammer- und Lee-Fan muss ich sagen, dass ich diese Verfilmung immer noch sehr gut finde.

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