Dennis Etchison – Blut & Küsse

Dennis William Etchison gilt als einer der originellsten lebenden
Horror-Autoren in Amerika, gewann dreimal den British Fantasy Award als
Autor und einmal den World Fantasy Award als Herausgeber.

The Blood Kiss (dt. Blut und Küsse) war Etchisons dritte Sammlung von
Stories, die doch tatsächlich (und man wundert sich) von Bastei/Lübbe
1990 als bisher einzige Veröffentlichung des Meisters psychologischen
Horrors auf deutsch erschien. Vermutlich ein Zufall, denn mit der
Klasse, mit der Etchison aufwartet, lässt sich kein goldener Bart
finanzieren. Das erklärt auch, warum er in Deutschland nahezu unbekannt
ist und es kaum einer unserer Verlage angehen wird, diesen
großartigen Autor für das hiesige Lesepublikum zu erschließen.

Der Reiz von Etchisons Geschichten, die er selbst so beschreibt: „…
ziemlich dunkel, bedrückend, fast pathologisch nach innen gerichtete
Fiktionen über den Einzelnen in seinen Bezug zur Welt.“ – wird von ihrer
Skizzenhaftigkeit erzeugt. Geschehnisse werden anders beleuchtet als
gemeinhin üblich. Hinter den Zeilen entsteht eine Menge dunkler Raum,
der angereichert ist mit Unbenennbarkeiten. Er lädt ein, sich in ihm zu
verlieren, es gibt keinen Weg zurück. In diese Texte dringt man ein oder
man bleibt außerhalb stehen. Einen Mittelweg gibt es nicht. Die Sätze
nehmen den Leser nicht bei der Hand noch lullen sie ihn ein. Am Ende
bleibt das trockene Gefühl auf der Zunge, das Gefühl, etwas Verbotenes
beobachtet zu haben, das man nicht ganz versteht, obwohl man es doch
gesehen hat; wie ein Alptraum, an den man sich am Morgen nicht mehr
erinnern kann. Roh liegen diese Texte vor uns, scheinen keinen Körper zu besitzen,
keinerlei Oberfläche, bestechen durch ihre raffinierte Tiefe und einen
einzigartigen Stil.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

"Ich bin mehr daran interessiert, meinen Geist unterschiedlichen Situationen auszusetzen, als meinen Körper." -- Alan Moore

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