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Das Wagnis White Train

There is an infinite rail,
spanning all of the universe.
The Train is on the track
and the track is made of tale.

– so says Dylan’s Song of the Manifold

Der Whitetrain-Verlag entstand 2010 aus einem Kollektiv von Autoren und Illustratoren und fühlt sich in allen Bereichen der fantastischen Literatur daheim. Er unternimmt darüber hinaus auch regelmäßige Streifzüge durch die Philosophie. Neben der Herausgabe des IF Magazin für angewandte Fantastik, sowie von Romanen und Erzählbänden, organisiert WT regelmäßig öffentliche Lesungen mit einem Hang zur szenischen Darstellung.

Warum wir tun was wir tun

Was tun wir?

  • WT zelebriert Radikalen Fiktionalismus, denn außer Fiktion existiert nichts. Wir lieben das Wort, wir lieben Geschichten. Wir sind Fiktionauten.
  • Wir lehnen die Herrschaft von Ideologien über unsere Kunst ab, denn wir sind buchstäbliche Anarchisten.
  • Wir veröffentlichen unsere eigenen Werke der Fiktion und Illustration neben denen anderer Künstler und Schriftsteller, denn wir arbeiten in der Randzone und in unserer ersten Sprache, der deutschen, gibt es wenige Verlage, die wie wir randwärts blicken.
  • Obwohl sich unsere Arbeit als Herausgeber auf Werke der deutschen Sprache konzentriert, veröffentlichen wir auch Artikel, Interviews und mehr in Englisch, denn wir haben diese Grenze bereits vor langer Zeit überwunden.
  • Wir machen Werbung und das meistens umsonst. Ja, wir bewerben Bücher und Verlage, Kunst und Künstler, sowie Projekte, die wir für verbreitenswert halten – unabhängige und solche Unternehmungen die aus der Backlist veröffentlichen, also Bücher, die es lange nicht in Neuauflage gegeben hat, und so weiter, denn es gibt dort draußen andere, die wie wir sind und die wir gerne unterstützen und schließlich weil wir der Meinung sind, dass viele der besten Bücher bereits geschrieben wurden und nicht vergessen werden sollten.
  • Wir geben das IF Magazin für angewandte Fantastik heraus. IF ist ein seltsames Pulp-Ding, das seine Feder – die auch ein Speer ist – in jede Thematik fantastischer Genres stößt, es unterwandert alle Klischees und zielt auf den großen Preis der Relevanz, nicht der Trivialität.

Angewandt ist Fantastik hauptsächlich in Stories und Illustrationen, aber auch in jeder Form von Imagination, die dem noch Formlosen Gestalt verleiht. Denn Fantastik ist eine Tugend des reinen Geistes. Deshalb ist das IF Magazin offen für so gut wie jede Art von Text oder graphischen Inhalts, die sich mit dem zuvor Unformulierten befasst, seien es soziale Utopien, Architektur, Musik, Metaphysik oder auch der zivile Ungehorsam.

  • Wir haben uns den Weißen Zug als Sinnbild erwählt, denn … nun, dafür gibt es keine kurze Erklärung.

Es ist wahr, dass es einmal einen White Train gab, den man auch den Armageddon Train nannte, denn er transportierte Atomwaffen durch die Vereinigten Staaten Amerikas. Ebenso wahr ist, dass Lucius Shepard einst ein Gedicht mit dem Titel White Trains schrieb, das unser Kommen vorankündigte, ohne dass wir überhaupt davon wussten.

Auch ist wahr, dass Black Trains in Werken von Grant Morrison, Neil Gaiman und anderer erwähnt wurden. All diese beförderten ihre Passagiere in Konzentrationslager und wurden von bösen Regierungsinstitutionen unterhalten. Dies mag wie eine Version des Black Helicopter-Mythos erscheinen, der über Jahrzehnte von amerikanischen Paramilitärs am Leben gehalten wurde, bis er zuletzt – und höchst seltsamerweise – Wirklichkeit wurde. Überdies ist es wahr, Woodie Guthrie schrieb einmal einen Song mit dem Namen Little Black Train schrieb und schwarze Züge dienten oft als Symbol für den Tod, darum haben wir den WT als ein Symbol für das Leben und die Freiheit der Kunst gewählt.

WT ist eine Untergrundbahn, die durch die Löcher ihres eigenen Schienennetzes feuernder Synapsen schlüpft und somit das Unbekannte in ganz unvorhergesehener Weise durchdringt. WT befördert seine Passagiere nach Utopia, doch aufgepasst: Er tut das egal ob ihr Topia ein gutes ist oder nicht, denn schließlich ist Wahrheit ein mannigfaltiges Ding.

  • Wir haben ein Manifest in Form einer Geschichte verfasst, denn der Modus der Fiktion ist der einzige, der den WT Wirklichkeit werden lässt. ( http://whitetrain.de/pdf/wt.pdf)
  • Wir stellen uns selbst als dem Schein nach mythische Gestalten dar, denn Mythos ist alles worum es hier geht und wir lieben das Leben in einem Traum.
  • Wir glauben, der WT steht allen offen, die an Bord kommen wollen, denn die es bisher taten haben ihn einhellig als ein liebenswertes Wesen beschrieben. Wenn Ihr also von der Bahnsteigkannte herübertreten mögt – oder müsst –, so könnt Ihr das jederzeit tun. Ob Ihr nun wünscht, dass Euer Werk durch uns veröffentlicht werde, oder Ihr in unsere Fiktionen eintauchen wollt, benutzt einfach eine der Luken, die wir im Spinnennetz offenhalten:  www.whitetrain.de / WhiteTrain auf Facebook / darüber hinaus sind unsere Bücher und Magazine ganz einfach über amazon.de zu beziehen.

Nachdem nun alles gesagt ist, macht’s gut.
Der Maschinist

Dieser Beitrag wurde zuerst in englischer Fassung dem Blog des Schriftstellers Alistair Rennie veröffentlicht. (Alistair Rennie)

Tobias Reckermann
Über Tobias Reckermann (19 Artikel)
Tobias Reckermann, Jahrgang 1979, lebt und schreibt in Darmstadt und arbeitet als Maschinist bei Whitetrain (www.whitetrain.de). Er ist Redakteur und Herausgeber des IF Magazin für angewandte Fantastik. Als Schriftsteller widmet er sich neben anderen Zweigen der Fantastik im Besonderen der Weird Fiction und chinesischer Wuxia-Literatur. Seit 2014 erschienen sind seine Romane Das Schlafende Gleis, Langfaust und Die zwei Schneiden des Glücks, außerdem die Erzählbände Venom & Claw und Graund, sowie mehrere Beiträge in Magazinen und Anthologien.
Kontakt: Webseite

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6 Kommentare auf "Das Wagnis White Train"

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Erik R. Andara
Redakteur

Großartige, wichtige Angelegenheit, an der Ihr da arbeitet, die mir den höchsten Respekt abzollt!
weil…
“Without literature, life is hell.”
― Charles Bukowski
… und wenn schon in eine Hölle, dann in eine gut durchdachte, die mit viel Phantasie geschaffen wurde, und sich doch noch als Eden heraussstellen könnte, wenn man tief genug in sie eindringt.
Welcome to the big Monomyth that shapes us all!

Michael Perkampus
Webmaster

Ich liebe die Manifeste des Surrealismus. Damals, als man noch Ansagen machte, als man noch bereit war, Manifeste zu schreiben, die eine Identifikation nötig machten oder einen Austausch der Ideale. Heute, in Zeiten der Mitläufer und der mangelnden Individualität ist mir das immer noch wichtig, auch wenn man es fast vergeblich sucht. Und ich bin sehr froh, mit dem White Train und somit mit dir in Kontakt zu stehen.

Frank Duwald
Autor

Tolle Sache, dieses Magazin. Ist mir eine Ehre, ein kleiner Teil davon zu sein.

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