Das Muschelgewölbe

Im Traum wäre ich auch nur derjenige gewesen, der etwas träumt.

Ich erwache ja kaum, Fluten um mich, wann sind einmal keine Fluten um mich?

Schwarzes, schwappendes Wasser, warm in Form und Masse, das Urmeer vor der Geburt, vor dem Abstoßen des angerichteten Fötus, frisch abgeschwartet, mit Rouladennadeln verschlossen. Deshalb bade ich gerne. Körpertemperatur und heißer, fieberheiß etwa, der Dampf soll mir die Schweißperlen abflauen, soll mich aufweichen, zu Schaum werden lassen, Spuma; was für Metaphern fallen mir ein?

Gebärbadewanne, Verstopfung, Abfluss, Ausfluss.

Und sie badeten eine Jungfrau
und als das Wasser kalt
stieg ich hinein
und badete im Wasser
der Jungfrau

Traf in der Höhle eine blinde Frau, rührt sie doch den Tee des Herbstes, draußen brodelt Tempest, derselbe Topf. Da nimmt sie auf den Glockenstil und schmeckt verrinnend Zeit daran.

„Oh, komm nur näher und les mir aus den Blättern, die ich koche. Es bläst der Grimm mir alles fort, noch ehe ich es kosten kann.“

Wanderte durch ein ausgebranntes Land, und der Mond lag unter nächtlichem Eis. Die Geister sprechen ließ, saß säuselnd da und träumte die Brücke, die ich nutzte. Das bleiumschwefelt’ Schwefelweib sprach und sprach in ihrer Sprache: „Brücke bück dich, bück und bäum dich an der Wand entlang, auch hoch zum Mond, sei Gjallar, jelle!, Heimdall, plärre!, wenn die Wolkenesser aus den Jötunfällen rasen! Dich seh’ ich schon in mein Gespinste wandern, so fest schläft sich‘s bei Hollen!“

Und der Sturm, des Tempest fester Kern, zerwirbelt alle Bilder, die ein Menschenhirn ersinnen kann. So saugst du aus mir den Mörtel der Zeit, bis ich schwimme im Nichts. Hätte ich dich je gesucht, ich hätte dich nie gefunden, rinnst in meine Tränen und schmeckst schon wie Salz.

Ich bin in Ruinen geklettert auf Stein, um die Ankunft der Farben zu seh’n. Phantasus, wer träumt, hat die Nächte gewählt.

In der geisterhaften Bläue fremder Welten fangen sich auch Ideen, die dem Lärm der Existenz kein Jawort gaben. Nie hat der Staub der Galaxien gewagt, sich für immer niederzulegen, die Flut einer kosmischen Decke nur über einem einzigen Nullpunkt zu legen. Eingedenk der Röhren, die sich nur dann mit anderen kreuzen, wenn der Zufall aus dem Allschlaf wuchert und Platz beansprucht, wo die Mathematik der Urzellen sich in neuen Zellformen erschließt, die keine Dimensionen scheuen, bleibt über, was in den Muscheln haust, die dort mit dunkler Intelligenz und nicht ganz zu erschließendem Dasein tiefer rutschen. Die Hocke ist ihre natürliche Haltung; der Kristall ist ihr einziger Wunsch, doch sie können sich kaum von den Wänden lösen.

Und der Sturm, des Tempest fester Kern, zerwirbelt alle Bilder, die ein Menschenhirn ersinnen kann.

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