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Das Maskenhandwerk – Dennis Mombauer

Mir liegt ein Rezensionsexemplar von Dennis Mombauers jüngst erschienenem Erstling, Das Maskenhandwerk vor, das mir vom Autor zugeschickt wurde. Rezensionsexemplare sind so eine Sache, schön einerseits, andererseits fühlt man sich als Empfänger davon anteilig verpflichtet, darüber zu schreiben, und das nachdem man seinen Leseprioritäten zunächst den unverhofften Neuling vorangestellt hat. Ich tue so etwas nur, wenn mich an dem zu besprechenden Werk schon vorab etwas interessiert. In diesem Fall: Das Setting.

Ausgeschrieben ist der Roman mit Namensanklängen an mesoamerikanische Kulturen. Mombauers Maskenhandwerk ist Fantasy und in diesem Setting außergewöhnlich. So ein Buch wollte ich lesen und habe es nicht bereut.

Mombauer ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift für Experimentelles, Die Novelle, von deren bislang sechs Ausgaben man sich recht schön das Hirn verrücken lassen kann. Experimentell ist Das Maskenhandwerk nun nicht. Der Aufbau ist vielmehr klassisch. Es gibt zwei Hauptprotagonisten, Subesato, Sohn des Autarchen von Aurudate, und Huapan, Sohn einer einflussreichen Kauffrau in Huanamthang. Die beiden Reiche bekriegen sich saisonal über die Jadeebene hinweg und auch die Lebenswege Huapans und Subesatos laufen konfrontativ aufeinander zu.

Subesatos Rolle ist die archetypische des Sohnes, der seinem Vater Respekt abverlangt, sich an dessen Herrschaft aufreibt und, nach einer Niederlage im Kampf gegen das Reich Huanamthang aus Aurudate verstoßen, einen Pakt mit übernatürlichen Mächten eingeht, um „es allen zu zeigen“.

Sein Pakt: Einen Monat hat er Zeit, als Träger von Armschienen, die ihm Macht verleihen, sein Ziel zu erreichen, und dieses Ziel ist die Unterwerfung Huanamthangs und dessen Heerführers Manpak.

Huapan, auf der anderen Seite des großen Konflikts, ist der Zögerliche, der Träumer, der sich nur wünscht, der großen Verantwortung als dem Sohn seiner Mutter und deren Enttäuschtsein von ihm zu entfliehen. Als er unverhofft in den Laden eines Maskenherstellers stolpert, wird ihm ein dubioses, aber verlockendes Angebot gemacht. Was wäre, wenn er für alle, die ihn kennen, unsichtbar werden und so seinen Zwängen entgehen könnte?

Klingt das nach einem gegensätzlichen Paar? Was daraus wird, will ich nicht vorwegnehmen. Nur soviel: dass mich der Weltenbau und die Fantastik, das Couleur des Settings, die Intrigen und der Kampf überzeugt haben.

Gerade wer nicht nach einer weiteren Welt der Zwerge, Elfen, Ritter und so weiter sucht, aber trotzdem Lust an einer Fantasy im Zuschnitt von Tad Williams oder Hugh Cook empfindet, ist mit der Maskenwelt, dem Kampf zwischen den Zaubermächten und den zwei Reichen im richtigen Boot.

Wie ein Debutroman liest sich Das Maskenhandwerk im Übrigen nicht. Gerade die Begegnung Huapans mit dem Maskenhändler ist schon ein starkes Stück, das ich hoffe, im IF Magazin für angewandte Fantastik, Anfang 2018, als Auszug präsentieren zu können. Die Zeichen dafür stehen gut, aber niemand soll solange warten müssen. Das Maskenhandwerk liest sich nämlich jetzt sofort besser als nie. Es sollte in der Masse der gängigen und wenig innovativen Fantasy-Romane keinesfalls übersehen werden und sollte es einmal eine Fortsetzung der Maskenwelt geben, bin ich als Leser wieder dabei.

Das Maskenhandwerk beim AAVAA VErlag

Tobias Reckermann
Über Tobias Reckermann (20 Artikel)
Tobias Reckermann, Jahrgang 1979, lebt und schreibt in Darmstadt und arbeitet als Maschinist bei Whitetrain (www.whitetrain.de). Er ist Redakteur und Herausgeber des IF Magazin für angewandte Fantastik. Als Schriftsteller widmet er sich neben anderen Zweigen der Fantastik im Besonderen der Weird Fiction und chinesischer Wuxia-Literatur. Seit 2014 erschienen sind seine Romane Das Schlafende Gleis, Langfaust und Die zwei Schneiden des Glücks, außerdem die Erzählbände Venom & Claw und Graund, sowie mehrere Beiträge in Magazinen und Anthologien.
Kontakt: Webseite

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