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Das Haus am Ende der Zeit, Kapitel 3

Bücher, die der Satan schrieb

Der Titel ist natürlich nicht schlecht, stimmt aber nicht mit dem überein, was wir vorfinden in diesem Band, der zunächst als Gespenster-Krimi 587 erschienen ist. Die Grossen Alten haben natürlich nichts mit Satan zu tun, und die „Bücher“ sind in diesem Fall nur ein Buch. Es ist der erste Auftritt des Necronomicon, des wohl berühmtesten Buches der gesamtem fiktiven Welt.

Das Necronomicon

In der 1922 von Lovecraft geschriebenen Geschichte Stadt ohne Namen taucht der Name des Autors zum ersten mal auf, Abdul Alhzred, und in der Erzählung Der Hund wird zum ersten Mal das legendäre Necronomicon erwähnt. Seitdem hat dieses Buch ein Eigenleben entwickelt, das beinahe ebenso monströs zu nennen ist wie sein Inhalt. Auch wenn Lovecraft erwähnte, der Titel wäre ihm im Traum eingefallen, kann man davon ausgehen, dass er von Robert W. Chambers‘ Buch Der König in Gelb maßgeblich inspiriert wurde.

Mit diesem Kapitel schließt sich ein erster erzählerischer Kreis, der noch einmal Yog-Sothoth zum Thema hat, aber auch Roderick Andara. Howard, Robert und Rowlf befinden sich noch immer in Durness, was Robert nicht ganz verstehen will. Der verschlossene Lovecraft bringt ihn nicht selten zur Weißglut, aber auch, dass sie in der Kälte ihres Schiffs am Hafen auf etwas Unbstimmtes zu warten haben, macht Robert zu schaffen. Noch einmal wird sich Roderick Andara in einem anderen Körper präsentieren. Nach Mahoney ist es nun diesmal Sean Gordon, der Rowlf in seinem Erscheinungsbild in nicht nachsteht. So stark wie der letzte Teil ist dieser hier aus unterschiedlichen Gründen nicht, Hohlbein unterlaufen hier ein paar Ungenauigkeiten und er wollte das nachschieben, was er aus Platzgründen in Im Schatten der Bestie nicht mehr unterbringen konnte, reicherte das aber mit dem entfesselten Mob in Durness an, mit dem dass Kapitel schließlich zu Ende geht, und – wie schon erwähnt – ein erster Zyklen-Teil endet.

In der Eröffnungssequenz sehen wir zwei Männer, die von einer auffälligen Spur geleitet in einem alten Gebäude in der Dachkammer ein aufgeschlagenes Buch finden, das auf seinen Seiten merkwürdige Zeichen aufweist. Über das Buch gebeugt ist eine Leiche, die längst schon Staub angesetzt hat. Zunächst ist der Mann nicht tot, dann ist er doch tot – und am Ende ist es gar kein Mann; die untere Hälfte ist ein schleimiges Tentakel-Ding, was die beiden Diebe aber nicht bemerken. Hier haben wir gleich zu Beginn eine von Hohlbeins Ungenauigkeiten zu bemängeln. Tremayn nimmt das Buch, das er für wertvoll hält, an sich und verfällt ihm im Laufe der Erzählung, kann das Buch zwar nicht lesen, aber beginnt, es zu verstehen. Gordon, mit dem er sich ein Zimmer teilt, bekommt zunehmend Angst vor ihm.

Rowlf erwähnt gegenüber Lovecraft, dass im Dorf merkwürdige Geschichten kursieren. Neugierig geworden, machen sich die drei Männer auf in den Dorfkrug und begegnen dort einem Mann namens Sean, der ihnen mehr von den Ereignissen erzählt, über die im Augenblick alle reden. Selbstverständlich hat das alles mit dem Auftauchen der drei begonnen, denen man nun beginnt, die Schuld zuzuweisen. Auch für das Verschwinden von Mahoney, Norris und Bensen macht man sie insgeheim verantwortlich. Kurz: im Dorf brodelt es. was Lovecraft aber am meisten interessiert, ist die Kund von einigen geheimnisvollen Krankheitsfällen, die Tochter von Seans Wirtin ist einer davon. Howard bittet Sean darum, sich die Tochter einmal ansehen zu dürfen und die Männer machen sich geschlossen auf den Weg.

Noch wissen wir nichts davon, dass Sean eigentlich Roderick Andara ist, und obwohl Sean erwähnt, dass er sich erst seit einigen Wochen in Durness aufhält, mag im Nachhinein die Frage gestatte sein, wie das zugehen kann, da Roderick noch vor Kurzem in Mahoney steckte. Ein paar Wochen ist das letzte Abenteuer ja schließlich nicht her. Und im Dorfkrug scheint man ihn zumindest recht gut zu kennen. Doch damit nicht genug der Ungenauigkeiten. Sean fordert Lovecraft auf, seiner Wirtin in Bezug auf ihre Tochter keine falschen Hoffnungen zu machen. Überhaupt ist sein Verhalten etwas merkwürdig, vor allem, weil die anschließende Heilung der Besessenen zwar mehr oder weniger durch Robert stattfindet, in Wirklichkeit aber Andara dahintersteckt, wie er gegen Ende zugibt.

Desillusionierend muss diese Erkenntnis für Robert durchaus sein, denn in all der Zeit und der bereits zurückgelegten Strecke wäre wohl ohne das stete Eingreifen Rodericks keiner der Freunde mehr am Leben.

Gordon hat sich vor lauter Angst vor seinem Freund Sean anvertraut, und der wiederum unterrichtet Howard davon, dass dieser von einem seltsamen Buch spricht. Natürlich wird man bei dem Stichwort „merkwürdiges Buch“ im Hause Lovecraft hellhörig, und so kommt es zu einem Treffen mit Gordon. Lovecraft hatt nämlich den Verdacht, dass es sich bei diesem Buch um eines aus der Kiste Andaras handeln könnte. Und zwar nicht um irgendeines. (Wir dürfen den Namen nur flüstern, liebe Freunde!)

Unterwegs zu Tramayn und dem Buch, stirbt Gordon. Yog-Sothoth lässt von der See her seine Kräfte walten und bemerkt wohl langsam, dass er von Roderick Andara hinters Licht geführt wurde. Der stand nämlich nie unter dem Einfluss des Grossen Alten, wie er noch im letzten Band behauptet hatte. Das Täuschungsmanöver war jedoch notwendig, damit Robert an das Necronomicon gelangen konnte. Wie Hohlbein sich das alles dachte, ist etwas ungewiss. Es wirkt hier und da, als wäre ihm das erst zu guter Letzt eingefallen.

Bei dem besessenen Tramayn angelangt, berührt Robert das Necronomicon und unterbindet damit was immer auch geplant war. In der Folge brennt das Haus ab und ganz Durness wird zum Lynchmob, der Howard, Rowlf und Robert zum Hafen jagen, ihr Schiff anzünden, und als sich die Männer in die See flüchten, die mit Petroleum ebenfalls entzünden. Natürlich geschieht nun wunderbares: alles erstarrt sozusagen mithilfe Rodericks Magie. Robert hat das Necronomicon, Yog-Sothoth ist sauer, die Flammen brennen nicht mehr, ein Ende wie in einem Roman.

Zum Schluss erklärt Roderick, dass er von nun an nicht mehr eingreifen kann und Robert sich auf sein Erbe besinnen muss. Der Band macht natürlich trotz einiger Ungereimtheiten und Fehler trotzdem Spaß. Aber wie gesagt merkt man ihm an, dass er nur ein Anhängsel ist, um einen Zyklus zu schließen.

 

 

Michael Perkampus
Über Michael Perkampus (129 Artikel)
Michael E. Perkampus ist Kulturanthropologe und der ehemalige Moderator der Literatursendung "Seitenwind" bei Radio Stadtfilter, Winterthur. Er ist Übersetzer, Hörbuchsprecher und Sammler von Phantastik. 2014 schuf er mit dem Phantastikon einen Ort im Netz, auf dem sich Erzählungen, Artikel, Interviews und Rezensionen rund um das Thema finden. Er lebt derzeit in Kempten, Allgäu und schreibt kurze Erzählungen, die sich um den Mythenkreis "Schwarzenhammer" drehen.

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