Das Haus am Ende der Zeit, Kapitel 2

Das zweite Kapitel des Buches erschien als Gespenster-Krimi Band 583 unter dem Titel:

Im Schatten der Bestie

In diesem Band läuft Hohlbein zur Höchstform auf, die kleinen Schwankungen, bei denen man das Gefühl bekam, der Hexer platze aus allen Nähten und tauge nicht für eine geringe Seitenzahl, sind  Vergangenheit. Der Erzählfluss ist rund und beschert uns einen Teil des Zyklus, der einige Fäden zusammenwebt und wiederum für die Zukunft vorbereitet.

Wir befinden uns in Durness an der schottischen Küste. Robert, Howard (Lovecraft) und Rowlf haben sich in einem Hotel einquartiert. Ihr Ziel ist es, die Kiste mit Roderick Andaras Büchern und Papieren zu bergen. Vorher gilt es jedoch, Vorbereitungen zu treffen und so streut Lovecraft die Mitteilung aus, dass derjenige, der die Unglücksstelle benennen könne, eine Belohnung zu erwarten habe.

Mahoney, Norris und Benson machen sich schon mal heimlich daran, das Wrack ausfindig zu machen, denn sie vermuten hinter Lovecrafts Interesse einen Schatz. Die drei Männer finden die Unglücksstelle dann auch. Mahoney wird allerdings von irgendeinem Ding unter Wasser gezogen und stirbt, die beiden anderen ergreifen die Flucht. Unterwegs keimt in Benson die Absicht, Lovecraft aufgrund des Vorfalls mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Also suchen sie ihn im Hotel auf, und Howard bleibt nichts anderes übrig, als auf die Forderungen einzugehen. Einige Zeit später wird Norris von heftiger Übelkeit geplagt, die sich mehr und mehr zuspitzt. Benson weigert sich, Norris zu einem Arzt zu bringen, weil er befürchtet, dass sich dann die Behörden einschalten könnten und er seinen zu erwartenden Geldsegen abschreiben müsste. Kurzerhand tötet er Norris und zieht allein los, um am Hafen auf Lovecraft zu warten. Norris allerdings verwandelt sich in einen Shoggothen, denn er wurde bei der Tauchaktion infiziert – und bricht ebenfalls in Richtung Hafen auf.

 

[stextbox id=“info“] Shoggothen

Lovecraft erwähnt diese Wesen zum ersten Mal in seinem Gedichtzyklus Fungi from Yuggoth (Dort im 20. Gedicht Die Hageren der Nacht, Zeile 12: „Wo die aufgedunsenen Shoggothen in ihrem zweifelhaften Schlaf schwappen. Aber weh! Wenn sie nur irgendein Geräusch machen würden, oder ein Gesicht tragen, wo man gewöhnlich Gesichter hat!“1 – und beschreibt sie ausführlicher in der Erzählung Berge des Wahnsinns. Geschaffen wurden sie von den älteren Göttern. Bestehend aus Protoplasma können diese Dienerwesen jede beliebige Form annehmen. In ihrer Grundform sind sie riesigen Amöben ähnlich, die aus schwarzem Schleim bestehen. [/stextbox]

 

Das ist die vordergründige Handlung, die im Grunde damit enden könnte, dass Robert die für ihn so wichtigen Bücher seines Vaters bergen kann. Der Clou an diesem Kapitel ist jedoch ein anderer. Und der ist schwerwiegend. Robert leidet, seitdem er einen Grossen Alten getötet hat, an einer Krankheit, die ihm das Leben kosten könnte. Howard hüllt sich, sehr zu Roberts Unmut, wieder einmal in Schweigen, was aber auch daran liegt, dass er gar nicht alles weiß. Nur dass Roberts Vater, der einst die gleiche Erfahrung gemacht hatte, ein halbes Jahr lang mit dem Tode rang, das kann er Robert mitteilen. Roberts Verletzung ist gut verheilt, allerdings wird er von Tag zu Tag schwächer und leidet an Visionen, die ihm schwer zu schaffen machen. Trotzig wie er ist, will er allerdings nicht im Bett bleiben und untätig sein, weshalb ihn Howard einfach einschließt, bevor er sich mit Rowlf aufmacht, um die Kiste zu bergen.

Smoo Cave in Durness an der schottischen Küste. Hohlbein hat die Umgebung zwar etwas abgeändert, aber die Höhle existiert.

Robert bemerkt nun, dass sein Schatten nicht mehr sein eigener ist, sondern dass er dem Grossen Alten gleicht, den er getötet hat. Damit jedoch nicht genug, denn dieser Schatten greift mit seinen Krakenarmen nach ihm und der Hexer weiß, dass das nicht gut enden kann. In der Folge versucht er, keinen Schatten zu werfen, denn das wäre für ihn tödlich. Von dieser grauenhaften Entdeckung angetrieben, flüchtet Robert aus dem Hotel und fragt sich, an welcher dunklen Stelle er sich vor seinem Schatten verkriechen soll. Ihm fällt nur die kleine Kirche ein, und dort trifft er auf Mahoney. Robert weiß ja nicht – anders als Howard – von dessen Schicksal. Mahoney aber erscheint keineswegs wie ein Toter. Er benimmt sich gegenüber Robert wie ein Freund. Darüber hinaus scheint er bestens über die Grossen Alten und die Kiste mit den Büchern Bescheid zu wissen. Über einen alten Wickingerstollen führt Mahoney Robert zum Hafen, denn draußen tobt mittlerweile ein Gewitter, die Blitze könnten den Schatten wieder sichtbar machen.

In der Zwischenzeit wurde das, was von der LADY OF THE MIST noch übrig war, von Yog-Sothoth geborgen und an Land gelegt, und zwar genau vor die Höhle, in der Roderick Andara starb.

Als Mahoney mit Robert auf dem Schiff, das Lovecraft für die Bergung ausgestattet hat, ankommen, offenbart er den Anwesenden, dass er Roderick Andara ist, sein Geist einen Körper brauchte und sich Mahoney dafür eignete. Das ist allerdings nicht der einzige Aufreger. Die Kiste liegt unversehrt neben dem geborgenen Wrack und man fragt sich, warum Yog-Sothoth sich nicht mehr sehen lässt, der doch jetzt eine gute Gelegenheit hätte, alles zu seinen Gunsten zu entscheiden. Andara hatte die Kiste seinerzeit magisch gesichert und niemand außer Robert kann sie öffnen, nicht einmal der Grosse Alte könnte das. Das Problem an der Sache ist, dass Roderick aka Mahoney jetzt ein Diener Yog-Sothoths ist. Andara ja, aber eben auch ein Diener des Grossen Alten. So endet das Kapitel mit dem Verlust der wertvollen Bücher. Was hier in Kürze wiedergegeben wird, ist ein starker Schluss, der nichts mit dem üblichen „ein-Dämon-ist-in-mich-gefahren“ – Stereotypen zu tun hat.

 

1 H. P. Lovecraft / Die Pilze von Yuggoth in der Übersetzung von Michael Perkampus

 

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Kulturanthropologe, Übersetzer, Sammler von Comics, phantastischer Literatur und Filmen. Gründer des Phantastikon, Eskapist.

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