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Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus

Einige wirklich seltsame Vorgänge in der Gegend um den Kanton Maurs (Frankreich) beschäftigten Kommissar Pierre Sarget, den Leiter der örtlichen Polizei. Immer wieder gibt es Berichte über angebliche Vampire, welche in der Nacht die Bewohner anfallen, beißen und ihnen das Blut abzapfen. Doch Sarget will diesen Geschichten nicht so wirklich Glauben schenken, selbst als immer mehr Betroffene über Mattigkeit und seltsame Verletzungen am Hals klagen. Dann gibt es den ersten Toten mit eindeutigen Wunden, und der Kommissar muss seine Zweifel neu überdenken. Er bittet in seiner Verzweiflung um Unterstützung aus Paris. Was er nicht ahnt: dass bereits ein gewisser Henry Parker in Maurs weilt. Parker alias X-RAY-18 ist Geheimagent einer Organisation, die sich die Psychoanalytische Spezialabteilung (PSA) nennt. Er wurde nach Frankreich gesandt, um den rätselhaften Attacken auf den Grund zu gehen. In dem Biologen Simon Canol glaubt er einen potentiellen Verdächtigen ausgemacht zu haben und beobachtet regelmäßig dessen nächtliches Treiben. Eine weitere Spur führt zu dem Anwesen des ominösen Archäologen Professor Bonnard. Bevor der PSA-Agent jedoch tiefer in die Geschichte einsteigen kann, wird er das Opfer einiger riesiger Fledermäuse. Doch Parker ist nicht der einzige Agent in dem französischen Städtchen. Larry Brent, ein FBI-Agent auf Urlaub, hat sich ebenfalls in Maurs eingefunden und entdeckt eines Nachts die Leiche von X-RAY-18 auf der Landstraße. Aufgrund der seltsamen Umstände und auch einigen Ungereimtheiten; der Tote trägt z.B. einen außergewöhnlichen Ring mit der Inschrift „Im Dienste der Menschheit“ am Finger, der sich urplötzlich auflöst; führt Brent die Nachforschungen weiter. Dabei geraten ihm Canol und Bonnard ebenfalls ins Fadenkreuz. In den Gewölben unter Bonnards Anwesen macht er schließlich eine unglaubliche Entdeckung und wird mit den wissenschaftlichen Abgründen eines tödlichen Experiments konfrontiert …

Das ist er also – der allererste „Larry Brent“ und der erste deutsche Horror-Heftroman überhaupt! Und unser späterer PSA-Agent steht hier noch ganz im Dienste des klassischen FBI. Erst auf den letzten Zeilen dieser Geschichte wird Larry aufgrund seiner bemerkenswerten Fähigkeiten von der Geheimorganisation abgeworben. Aufgrund dieser Umstände macht es richtig Laune, dem guten Brent bei seiner Spurensuche beizuwohnen, wie er versucht, hinter die Identität des verstorbenen Henry Parker alias X-RAY-18 zu kommen und die Hinweise zur PSA entschlüsselt. Dazu kommt, dass die Ereignisse in Maurs dermaßen umfangreich und durchstrukturiert sind, so dass man sich ernsthaft fragt, wie Dan Shocker es geschafft hat, so viel Handlung auf so wenige Seiten geschaufelt zu bekommen. Aber diesen Kunstgriff vollführt er in seinen späteren Werken schließlich noch einige Male. Ein weiterer Aspekt ist die Shocker-typische pseudowissenschaftliche Auflösung dieses Grusel-Krimis. DS verzichtet auf schwarzmagischen Hokuspokus und präsentiert ein wirklich nett durchdachtes und gleichzeitig innovatives Motiv: zwei durchgeknallte Wissenschaftler züchten eine sehr spezielle Art Fledermäuse, um mit deren Hilfe eine Mumie mit Blut zu versorgen, und so diese vertrocknete Leiche zu neuem Leben zu erwecken. Huh, da können sich die Herren, die jegliche Gruselei permanent mit lieblosem und unkreativem schwarzmagischen Schnickschnack abhaken, mal ein dickes Scheibchen von abschneiden. Larrys Premiere in einer wirklich ganz außergewöhnlichen Vampirgeschichte ist und bleibt jedenfalls ein ungebrochener Meilenstein der damals so genannten „Groschenromane“…

 

Besonderheiten:

DER ERSTE DEUTSCHE HEFTROMAN aus dem Horror-Genre.
Erster Auftritt von Larry Brent; hier noch als FBI-Agent, am Ende wirbt ihn die PSA ab.
Erster Auftritt von David Gallun alias X-RAY-1 und seinem Diener Bony.
Henry Parker alias X-RAY-18 stirbt

 

Zum Cover

Das düstere Gemäuer mit der fliehenden weiblichen Gestalt vermittelt durch das Unwetter im Hintergrund eine wirklich düstere Atmosphäre. Nur dieser Fledermausschatten wirkt etwas plump und spricht mich nicht so ganz an. Dennoch allemal ein absolut akzeptabler Lonati …

Björn Kühlen

Im April 1975 muss es gewesen, als ich das erste Mal die Augen öffnete – und was ich damals zu sehen bekam, finde ich heute noch faszinierend, es inspiriert mich.
Ziemlich früh griff ich auch nach den ersten Büchern, die keine Bilder hatten, nur hielt ich diese Schinken zuerst verkehrt herum, zumindest solange, bis mir das Lesen etwas geläufiger wurde.
Von diesen Tagen an wurde alles verschlungen, was mich irgendwie fesseln konnte – sei es Krimi, Grusel, Abenteuer oder oder oder …
Weil das bald nicht mehr ausreichte, griff ich irgendwann selbst zu Kugelschreiber und Papier, um meinen eigenen literarischen Bedürfnissen und Impulsen freien Lauf zu lassen. Eine riesengroße Kiste mit mehr oder weniger abgeschlossenen Geschichten jeglicher Art zeugt von dieser Zeit.
Nach einigen Jahren eröffnete sich eine andere kreative Seite – die Musik. Die Krimis, Horror-und Abenteuergeschichten wurden durch zahlreiche Songtexte ersetzt – der Kugelschreiber wurde zunehmend zur Gitarre.
Doch das Schreiben ist nicht verloren oder vergessen … derzeit sammle ich unentwegt die Inspiration und warte auf den richtigen Moment, an dem ich letztendlich wieder losschreiben werde, um neue Geschichten zu Papier zu bringen, vielleicht mein erstes Buch zu verfassen … lange kann es nicht mehr dauern!

Björn Kühlen

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